Faszinierendes Medium Kino

+
Laterna Magica im Frankfurter Filmmuseum.

Frankfurt - Noch sind sie leer und staubig, die Vitrinen. Aber schon beleuchtet. Als ob sie es kaum erwarten könnten, welche Schätze sie bald beherbergen dürfen. Vorher aber ist noch viel zu tun. Von Veronika Szeherova

Das Deutsche Filmmuseum in Frankfurt ist nach zwei Jahren Umbauzeit immer noch eine Baustelle. Geschäftiges Treiben überall. Denn es muss nun schnell gehen: Am 14. August eröffnet die neue Dauerausstellung.

Ein Termin, den sich Liebhaber des bewegten Bildes unbedingt merken sollten. Auf zwei Stockwerken und 810 Quadratmetern gibt es bald vier Jahrhunderte Filmgeschichte zu sehen – von den Anfängen im 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart. „Wir wollen einen modernen, emotionalen und gleichzeitig didaktisch anspruchsvollen Zugang zum Medium Film bieten“, erklärt Museumsdirektorin Claudia Dillmann das Konzept. So ist die Ausstellung nicht auf die herkömmliche, chronologische Weise gegliedert, sondern in verschiedene Themenbereiche – zum Beispiel der visuellen Wahrnehmung, wo es etwa um Illusionen und optische Täuschungen geht, oder dem Bereich des filmischen Erzählens, der sich wiederum in Bild, Ton, Montage und Schauspiel unterteilt.

Verschiedene interaktive Elemente

Wie es sich für ein Museum mit modernem Konzept gehört, dürfen die Besucher viel mehr als nur in Vitrinen schauen und erklärende Texte lesen. Interaktive Elemente sind ein wichtiger Bestandteil der Ausstellung. Das Prinzip einer Laterna Magica versteht am besten, wer es selbst ausprobiert: Ein Nachbau macht es möglich. Und wie wirkt ein Filmausschnitt, wenn er mit verschiedenen Geräuschen und Tonspuren unterlegt wird? Und welchen Einfluss auf die Wirkung einer Szene hat die Beleuchtung? Das Tonstudio und eine begehbare Lichtbox geben Antworten.

Eine acht Meter lange „Green Screen“, ein digitales Trickverfahren, wie es in modernen Filmen zum Einsatz kommt, lässt die Besucher virtuell auf einem Skateboard durchs Weltall fliegen, stellt sie an den Abgrund eines Wolkenkratzers oder macht sie ganz klein, während sich ihnen große, unheimliche Tiere nähern. Auch, was sich auf den Leinwänden abspielt, kann sich sehen lassen. Ein u-förmiges „Kino“ mit vier Leinwänden ermöglicht neue Blickwinkel auf Szenen aus der Filmgeschichte. Ein kleiner Kinosaal widmet sich hauptsächlich dem Stummfilm – in HD-Qualität. „Wir wollen mit gängigen Vorurteilen aufräumen, Stummfilme seien immer grobkörnig und die Bewegungen abnormal schnell“, sagt Dillmann.

Oscar von Maximilian Schell

Stolz ist das Filmmuseum auf Neuerwerbungen wie die niederländischen Transparentbilder aus dem späten 18. Jahrhundert. Sie entfalten ihre volle Pracht, wenn sie von hinten beleuchtet werden. Technikfreunde kommen auf ihre Kosten etwa bei der ARRI-Kamera von 1981, eigens hergestellt für Wolfgang Petersens „Das Boot“. Und auch eine echte Berühmtheit hat Einzug ins Museum gehalten – ein Oscar. Maximilian Schell bekam ihn 1962 für seine Hauptrolle im Film „Das Urteil von Nürnberg“. Der goldene Bursche bekommt einen Ehrenplatz.

Ein besonderer Schatz, der schon länger in Frankfurt weilt, aber noch nie gezeigt wurde, ist eine Laterna Magica aus der Zeit um 1800. Sie wurde aufwändig restauriert und in ihren Originalzustand gebracht. Nach außen zunächst „nur“ eine Kiste. Doch wenn sie zeigen darf, was in ihr steckt, vermag sie zu überraschen. Und ist somit sinnbildlich für die neue Ausstellung.

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare