Komödie in der Frankfurter Oper

Neuinszenierung: Rossinis “Diebische Elster“

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Kurzweil vor der Katastrophe: Dienstmädchen Ninetta (Sophie Bevan) wird fälschlicherweise des Diebstahls beschuldigt.

Frankfurt - Eine bildhaft szenische Phantasie ist sein Markenzeichen. Prädestiniert für Rossinis „Semiseria“, die Regisseur David Alden beim Wort nimmt. Von Klaus Ackermann 

Komödiantische Kurzweil konterkariert den tragischen Konflikt in der „Diebischen Elster“, die jetzt an der Oper Frankfurt eine beifällig aufgenommene Neuinszenierung erfuhr. In besten Händen ist das Rührstück auch beim ungarischen Dirigenten Henrik Nánasi, der mit dem Frankfurter Opern- und Museumsorchester die dramatischen Kontraste schärfte, Rossinis musikalischen Perlen fein aufpolierte und dabei in der britischen Sopranistin Sophie Bevan eine stimmstarke Verbündete hatte.

Schon in der Ouvertüre, weitaus häufiger gespielt als Rossinis Melodramma und von heftigen Trommelwirbeln sogar vom Balkon aus untermalt, beginnt der Ärger. Bauernbursche Pippo, aufbegehrend wie stets mitfühlend: Mezzosopranistin Alexandra Kadurina, hat seine zahme Elster versehentlich freigesetzt, die fortan übermächtig per rabenschwarzem Video über den Vorhang huscht, Pippos Namen krächzt oder als bedrohlicher Schwarm an Hitchcocks „Vögel“ gemahnt.

Dienstmädchen zum Tode verurteilt

Hohe hölzerne Wände schließen im Drama ums Dienstmädchen, das fälschlicherweise des Diebstahls beschuldigt und zum Tode verurteilt wird, die Außenwelt hermetisch ab. Ein leicht verschiebbarer Guckkasten versammelt die Familie des reichen Pächters in anheimelndem Mobiliar und charakteristischen Kostümen (Charles Edwards, Jon Morell). Doch Dienstmagd Ninettas Hochzeit mit dem aus dem Krieg heimgekehrten Sohn des Hauses verzögert sich, weil sie silberne Löffel geklaut und veräußert haben soll.

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Sophie Bevan ist diese liebende und vor allem leidende junge Frau, die zur Wahrheitsfindung nichts beitragen kann, weil sie ihren schuldhaft desertierten Vater verraten würde (Jonathan Lemalu, mit ausdrucksstarkem Bassbariton). Die ihren grausamen Peinigern widersteht und doch hingerichtet werden soll. Mit einem Sopran, der zu tiefer Empfindung und stählerner Härte gleichermaßen fähig ist. Auf verlorenem Posten dagegen der geliebte Giannetto-Francisco Brito, der um Ninetta handfest kämpft, seinen strahlenden Tenor im Hochgefühl auch strapazierend. Während seine das Dienstmädchen beschuldigende Mutter - Katarina Leoson, ein tragfähiger, gefühlvoller Alt - erst spät in sich geht, mit einem trinkfesten Schürzenjäger verehelicht, den Federico Sacchis nobler Bass adelt.

Prügel-Stunts und Revolten

Den harten Stoff mildern Komödianten auf dem personalintensiven Opern-Set, wie der schier allgegenwärtige nur scheinbar blinde Händler Isecco des Frankfurt-Debütanten Nicky Spence, der selbst den vertrottelten Richter bestiehlt - die Schnarchnase gibt unverkennbar das Frankfurter Opern-Urgestein Carlos Krause. Dazu besticht Maxine Brahams Choreografie, Komparsen und den von Matthias Köhler umsichtig einstudierte Chor zu verqueren Tänzchen, aber auch zu Prügel-Stunts und Revolten arrangierend, deren Aktualität beklemmend wirkt.

Drei harte Schläge vom sich auf Rossinis Arien-Sentiment, auf wohltemperierten Trauermarsch wie aufs Schnüren der dramatischen Knoten verstehende Opernorchesters - und rabenschwarze Tragödie ist angesagt. Personifiziert in dem grausamen Bürgermeister Gottardo. Der großartige Bassbariton Kihwan Sim wird in seiner unerschütterlichen Liebe zu Ninetta sogar zum Sympathieträger.

Das Happyend kommt in mildem D-Dur daher - und knapp vier Stunden sind dank Aldens erlebnisreicher Inszenierung im Nu vergangen. Das sollte auch der einsame Buhrufer im Olymp beherzigen.

Weitere Aufführungen am 4., 6., 12., 17., 20. und 26. April sowie am 4. Mai. Karten gibt es unter Tel.:  069 21249494.

Quelle: op-online.de

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