„Der Diener zweier Herren“ im Capitol

Hungrig in alle Herzen gespielt

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Offenbach - Drei hölzerne Rahmen als Türöffnungen, ein paar schwarze Stühle: So sieht die Idealkulisse reisender Schauspieltruppen aus. Mehr benötigen die Wuppertaler Bühnen nicht, um Carlo Goldonis Komödienklassiker „Der Diener zweier Herren“ auf die Bretter zu bringen. Von Markus Terharn 

Ihr Gastspiel innerhalb der Reihe „Theateressenz“ begeistert im Offenbacher Capitol. Minimalismus pur also bei Jürgen Liers Ausstattung und Dorien Thomsens Kostümen. Die dem Schauplatz Venedig angemessene Buntheit muss einer einheitlich weiß-beigen Gewandung weichen. Vielfalt findet vor allem auf den Köpfen statt, wo sie sich in Mütze oder Kappe, Hahnenkamm oder Glatze ausdrückt. Maximalismus dagegen bei Christian von Treskows Inszenierung! Der Regisseur hat eine Fülle von Einfällen zum überzeugenden Konzept gebündelt. Stets ist das neunköpfige Ensemble in Bewegung. Nach dem etwas zähem Auftakt, einer Erzählung der Vorgeschichte geschuldet, ist Tempo Trumpf.

Nämlich mit dem Auftritt des Titelhelden. Als quirliger Truffaldino braucht Thomas Braus nur Sekunden, um die Herzen – und Lachmuskeln – im Sturm zu erobern. Leichtfüßig, biegsam und zungenfertig ist er Dreh- und Angelpunkt einer Handlung, die trotz Turbulenzen nachvollziehbar bleibt. Allzeit hungrig oder „ungeatzt und mit durstiger Gurgel“, wie es in der herrlich sprachverliebten Übersetzung heißt, reibt der pfiffige Kerl mäßigen Arbeitsfleiß im Doppelamt auf.

Dass eine Dame in Herrenkleidern als Mann durchgeht; dass sie dem Geliebten verzeiht, der im Duell ihren Bruder getötet hat: Geschenkt. Dem Publikum bleibt kaum Zeit, diese Unwahrscheinlichkeiten zu bemerken. Nur der Spaß zählt. Und der ist üppig gegeben, wenn die Figuren in choreografierter Pantomime miteinander agieren. Höhepunkt ist die berühmte Bankettszene, in der Truffaldino beiden Herren Essen serviert, drauf bedacht, sich selbst den Bauch vollzuschlagen.

Impressionen von der Dürer-Ausstellung im Städel

Impressionen von der Dürer-Ausstellung im Städel

Am Ende ist er nicht bloß satt, sondern bei Smeraldina (Anne-Catherine Studer) auch in besten Händen. Florindo (Marco Wohlwend) und Beatrice (Julia Wolff) kriegen sich ebenso wie Silvio (Gregor Henze) und Clarice (Maresa Lühle), zur Freude ihrer Väter (Andreas Möckel und Bernd Kuschmann). Eine tragende Rolle hat Hans Richter als Hotelier. Sie nutzen die Gelegenheit zu kleineren Kabinettstückchen und einem Seitenhieb auf den Aufführungsort: „Wenn alle untreuen Männer Zweige trügen, wäre Offenbach ein dichter Wald...“

Quelle: op-online.de

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