„Der Mann müsste ein Held sein“

+
Verbrechersuche im Aktenhaufen: Staatsanwalt Johann Radmann (Alexander Fehling) recherchiert in einem Archiv nach den Namen der Auschwitz-Täter - eine Szene des Films „Im Labyrinth des Schweigens“.

Frankfurt - Der 33-jährige Berliner Schauspieler Alexander Fehling („Goethe!“, „Inglourious Basterds“, „Buddy“) verkörpert in dem Film „Im Labyrinth des Schweigens“ die Hauptfigur. Im Gespräch mit Redakteur Christian Riethmüller berichtet er von den Dreharbeiten.

Herr Fehling, wie sind Sie an die Rolle des Staatsanwalts Johann Radmann - die zentrale Figur des Films - gekommen? Haben Sie vorgesprochen? Oder stehen sie in Kontakt mit den Produzenten?

Ich kenne zwar die Produzenten, habe aber von Regisseur Guilo Ricciarelli das Drehbuch direkt zugeschickt bekommen. Ich kannte ihn da noch nicht. Als ich es dann gelesen habe, wurde sehr schnell deutlich wie gut und wie interessant das Projekt ist. Das Buch ist gut gut geschrieben und spannend. Wir haben uns dann getroffen, und dann war schnell klar, dass wir das Projekt gemeinsam machen wollen.

War ihnen die Thematik des Auschwitz-Prozesses vertraut? Kannten Sie den Namen Fritz Bauer?

Gar nicht, nicht einmal aus dem Schulunterricht.

Dort spielt die Aufarbeitung der NS-Verbrechen keine Rolle.

Was eine Schande ist. Für mich war es erst einmal ein Schock, was ich alles nicht weiß. Dabei ist es so wichtig für uns, darum zu wissen. Vor allem für meine Generation.

Konnten Sie ihre Großeltern zur Stimmung in der Bundesrepublik während der Zeit des Auschwitz-Prozesses befragen?

Darüber haben wir erstaunlicherweise gar nicht gesprochen. Ich habe versucht, sie zur Stimmung nach dem Zweiten Weltkrieg auszufragen und sie haben mir viel erzählt, obwohl sie zu dieser Zeit noch sehr jung waren. Aber man kann ja viel dazu lesen.

Ich habe mich viel mit Werner Renz vom Fritz Bauer Institut unterhalten, der dem Film als wissenschaftlicher Berater zur Seite stand. Und natürlich konnte ich mich mit Gerhard Wiese austauschen, der damals beim Prozess einer der Staatsanwälte war.

Haben Sie Ihre Figur an einer realen Person angelehnt?

Nein. Obwohl es auch von Gerhard Wieses Kollegen Joachim Kügler Erinnerungsmaterial gibt. Aber das hilft einem nur bedingt. Meine Aufgabe ist es, eine Figur zu spielen. Natürlich ist der Beruf dieser Figur wichtig. Aber maßgeblicher ist, in welchen Zwängen, Konflikten und Widersprüchen sich dieser junge Mann befindet. Das ist ganz wichtig. Je universeller das inszeniert und auch gespielt ist, desto stärker kann der Film werden und desto mehr wird man durch die Geschichte geführt. Daher ist es gar nicht so wichtig, ob ich eine reale Person spiele. Ich spiele eine Figur, in der sich die Dinge bündeln. Darauf zu pochen, der war aber so und so... das ist uninteressant. Das Thema ist größer.

Hat Gerhard Wiese ihnen viel von den Prozessen, von der Stimmung damals erzählt?

Ich habe ihn eher ganz einfache Dinge gefragt. Etwa, ob er einen Hut getragen hat. Wie sein Schreibtisch ausgesehen hat. Wie viel man von der Arbeit mit nach Hause genommen hat. Wie das alltägliche Leben war. So habe ich mich versucht zu nähern.

Sind Sie für andere Filme bereits einmal in diese Zeit der späten Fünfziger, frühen Sechziger Jahre abgetaucht?

Noch überhaupt nicht, eher in die Zeit danach, die Siebziger Jahre etwa.

Diese Zeit der späten Fünfziger und frühen Sechziger Jahre wird wohl gerade erst fürs Kino wiederentdeckt. Ist es beispielsweise nicht erstaunlich, dass angesichts der Jahrestags des Auschwitz-Prozesses nicht plötzlich ein halbes Dutzend Filmprojekte in Angriff genommen worden ist?

Das ist tatsächlich verwunderlich. Wie es auch verwunderlich ist, dass viele den Namen Fritz Bauer nicht kennen. Der Mann müsste ein Held sein, er und seine Mitstreiter.

Sie haben sich für die Rolle extra Anzüge mit alten Stoffen nähen lassen. Läuft man damit tatsächlich etwas steifer durch die Gegend?

Ja natürlich. Aber die gesamte Welt des Films hilft mir. Wir haben 46 Tage gedreht - ganz schön lange - und davon war ich 45 Tage am Set. Ich hatte meinen Roller, meine Aktentasche. Das sind ja Dinge, die schon Monate vorher ausgesucht worden sind. Und ich habe die Audio-Aufnahmen vom Prozess auf der Website des Fritz-Bauer-Instituts gehört. Die Zeugenaussagen packen einen ja nochmal auf einer ganz anderen Ebene.

Ich habe die Aussagen auch gehört, um mich an den Schrecken zu gewöhnen. Die Staatsanwälte sind ja auch zur Arbeit gegangen. Die haben nicht gesagt „Oh Gott, oh Gott“. Die mussten ja was tun.

Was haben Sie nach Drehschluss getan? Gingen Sie gleich das nächste Projekt an?

Nein - danach habe ich erst einmal eine kleine Pause gemacht.

Die erfolgreichsten Kinofilme aller Zeiten

Die erfolgreichsten Kinofilme aller Zeiten

Quelle: op-online.de

Kommentare