Design-Ausstellung

Skurril bis praktisch

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Barbie

Frankfurt - Man sieht es beim ersten Blick über die französische Designlandschaft im Parterre des Frankfurter Museums für Angewandte Kunst: Diese „C´est pas mon genre!“-Ausstellung „Über Frauen“ wird für Diskussionsstoff sorgen. Von Reinhold Gries

Das liegt nicht nur an vielen Staubsaugern und deren Kulturhistorie aus dem Musée d´art moderne Saint-Etienne. Von „Moulinex“ über „Manufrance“ bis „Tornado“ mit Plastik- und Metallsaugrüssel, PVC oder verchromtem Metall herumrollend oder als Schiebemodell mit verschiedensten Saugbürsten glänzend, stellen sich Fragen: „Für wen wurden solche Modelle konstruiert?

Wie und von wem sind sie zu bedienen, zu leeren, zu reparieren?“. Die französische Designer-Gruppe von der Hochschule Saint-Etienne geht hier wohl von (Haus-)Frauen aus. Die Studenten thematisieren im Rahmen der EZB-Europa-Kulturtage vor allem die Rolle der Frau im Designprozess – und damit auch die der Männer.

Geschlechterspezifische Rollenverteilung

Vom elektrischen Handrührgerät bis zur Kaffeemaschine erfährt man viel über geschlechterspezifische Rollenverteilung, nicht nur in Frankreich. Bei formidabel gestalteten Silikoneinlagen und beim Elastan-BH „Soutien-gorge MB031“ geht´s ans Eingemachte. Beim asymetrischen Modell für brustoperierte Frauen kann „man(n)“ keineswegs lachen. Aber insgesamt liegt viel (Selbst-)Ironie über dieser Ausstellung. Auch zur Vernissage, bei der das Frauen-Duo „La cellule“ eine quirlige Haushaltsroboterperformance aufführte, die mit Eischnee, auf einem Bett aus Vanillesauce schwimmend, endet – in Frankreich ein beliebtes Dessert.

Dann kommt auch ein Nintendo-Gewehr als „Helping Gun“ für die mit Schlafmaske Erwachende zum Einsatz und es fehlen weder „Fruchtkondome“ noch ein Rattansessel mit naturfarbener „Tarnkappe“, der drinsitzende schüchterne Evas-Töchter oben herum unsichtbar macht. Dann (pseudo-) emanzipatorische Heimwerkerobjekte wie der gezinkte Metallhammer „Hey Girls“, der vermeintliche Rasenmäher „Tondeuse BBT361“ und das Tischfußballspiel aus flotten Barbie-Puppen.

Gesellschaftskritisch-hintergründige Phantasie

Es wäre keine französische Ausstellung, wenn nicht gesellschaftskritisch-hintergründige Phantasie – auch libidinöse – eine große Rolle spielte. Auch auf skurrile Weise wie bei Gianna von Tienhovens absurder Polyurethan-, Carbon- und Aluminium-Möblierung im Stil eines surrealen Fitnessstudios. Modell Marie Pendariés hinterfragt mit 28-teilig durchlöchertem Tischgeschirr um Hals und Arme traditionelle Aussteuerrituale.

Die Schau „C´est pas mon genre! – Über Frauen/ Design aus Frankreich“ ist bis 2. Dezember im MAK Frankfurt zu sehen. Öffnungszeiten: Di, Do - So 10 bis 17 Uhr, Mi 10 bis 21 Uhr

Charlotte Dumoncals Mess-Schmuck visualisiert die berechtigte Frage, ob sich Menschen Maßen anpassen oder Maße für Menschen gemacht werden. Marie Garnier dringt mit Kreation „Method“ tiefer in private und soziale Frauen-Codes ein, als Männerhirne das nachvollziehen können – auch bei Jennifer Rabatels Spiegel-Kollektion oder dem Spiegel mit der Sensor-Leuchtschrift „You are Beautiful“. Vom „Achten Himmel“ und „Spielküche“ geht es zu Caroll Maréchals Installation „Sweet Dreams“, bei der am Gesicht einer 20-jährigen das Gestern, Heute und Morgen überblendet werden.

Vieles, was sich da Design nennt, ist in Wirklichkeit Skulptur oder Objektkunst, so Julien Souplys Mann-Frau-Allegorie aus regelmäßig gelöchertem Dreieck mit passendem Nagel oder auch das stilllebenartige Tischobjekt „Dress-Orange“. Zwischen Laure Cabannes vergoldetem Chrom-Ring und Didier Faustinos Metallsitz „Hermaphrodite“ gibt es für Frau und Mann vieles zu entdecken.

Quelle: op-online.de

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