Lienemeyer in der IHK

Design mit ironischem Unterton

Nein zur Trivialkunst: Gerhard Lienemeyers typografisches Wandobjekt Foto: bg

Als die E-Mail noch nicht gesellschaftsfähig war, verschickte man frankierte Briefe. Dass einige dieser kunstvoll entworfenen Postwertzeichen von einem heute in Offenbach ansässigen Gestalter stammen, ruft eine Retrospektive in der IHK Offenbach in Erinnerung. Von Carsten Müller

Gerhard Lienemeyers (Jg. 1936) Entwürfe zu Selma Lagerlöf, Schloss Bellevue oder Serien farbenfroher Schmetterlinge kursierten weltweit, reizvoll sind aber auch Entwürfe, die es nicht zum Wertzeichen schafften, beispielsweise eine rein-weiße Marke mit perforierter Jahreszahl 1989. Tabula rasa des deutschen Neuanfangs.

So schlüssig wie zwingend ist das Werk des in Bielefeld geborenen Lienemeyer auch bei gezeigten Zeitschriften-Covern, etwa für die Schriftenreihe „DIE“ des Deutschen Instituts für Erwachsenenbildung, wo je nach Schwerpunkt Buchstaben spielerisch purzeln oder in fest gefügten Generationen-Säulen auseinanderstreben. Verschlungene mentale Landkarten sind die Titel der Werkbund-Briefe. Auf den Punkt brachte der Typograph Plakatwerbung für Ausstellungen in Hanau, Frankfurt und Offenbach. Im kollektiven Bewusstsein tief verankert ist das Plakat für „Brot für die Welt“.

Jenseits jeder Gebrauchsanwendung stellen Lienemeyers ironisch-philosophische „Nein“-Objekte Althergebrachtes in Frage. Von dreidimensionaler Pseudokunst mit röhrendem Hirsch und Kuckucksuhr über hölzerne Wort-Skulpturen, Typo-Grafik und pulsierenden Leuchtkasten bis zum Designer-Tisch. Soviel augenzwinkernder Optimismus tut gut.

‹ Bis 24. Juni in der IHK Offenbach, Frankfurter Straße 90. Montag bis Freitag 8-17 Uhr

Quelle: op-online.de

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