„Design Sozietät“

So offen wie Berlin

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„Labyrinth rot“: An der Offenbacher Rathausfassade entdeckt Fotograf Thomas Lemnitzer reizvolle Details.

Offenbach - Vom 26. bis 28. April öffnen Ateliers, Galerien, Ausstellungsräume und Museen anlässlich der Offenbacher Kunstansichten ihre Türen. Einige der Beteiligten stellen wir in loser Folge vor. Von Reinhold Gries

Der Song „Don’t Worry, Be Happy“ auf dem Anrufbeantworter des „Guten Tag+Hallo Designs“ von Jana Grimm könnte als Leitmotiv für alle Gestalter der „Design Sozietät“ stehen. 2011 haben sie sich aus ganz Deutschland in Offenbachs Geleitstraße 63 zusammengefunden. In dem einstigen Anwaltsbüro leben sie vor, was frohes Schaffen bedeutet. Keiner der Grafik- und Kommunikationsdesigner stammt aus Offenbach, keiner ist HfG-Absolvent. Das ändert aber nichts an ihrer Faszination für den Standort „mit all seinen Brüchen“. „Die Offenheit dieser multikulturellen Stadt, auch Straßenzüge, erinnern mich an Berlin“, schwärmt der Ex-Berliner Thomas Lemnitzer.

Im der Sozietät sind die acht Gestalter zwar autonom, legen aber großen Wert auf Kommunikation, Beratung und gegenseitige Hilfe. „Das macht uns stark“, bestätigt Jana Grimm, deren Büro nicht nur mit kindgerechten Gestaltungsentwürfen und „Piepmatzmustern“ bezaubert. Die neue „Happy Skull Collection“ stellt sie erstmals zu den Kunstansichten vor. Ähnlich ins Auge gehen auch „Kusulske“-Figuren im Büro von Sigrid Ortwein und Stephen Swierczyna – als Aufsteller auf Alu-Dibond-Platten wie als Illustrations- und Leitfiguren im „Caepsele“-Label. Dessen humorvolle wie informative Grafiken bringen soziokulturelle Zusammenhänge auf prägnante Nenner.

„Visuelle Spickzettel“

Kindgerechte „Piepmatzmuster“ von Jana Grimm.

Stephen Szwierczyna führt dazu in passenden „visuellen Spickzetteln“ neues Denken in Bildern vor – auch wenn es um Kreisläufe der Ökologie und Geldvernichtung geht oder um den „Supermarkt der Zukunft“. „Unsere Arbeitsfelder sind Medien und Wirtschaft, Wissenschaft und Bildung - und Kinder“, erklärt Dada-Fan Ortwein zum Motto „Wir machen Ihre Ideen sichtbar“. Eigens zum Kunstrundgang wird sie mit Miss Tula Trash, Katrin Feller, Happy Skull und Sigurda Rosso eine „Werkstatt für Suchtstoffe“ aufbauen – mit Spooky Monsters, Kusulskes, schönen Schreibwaren und anderen Unikaten. Ein Zimmer weiter widmet sich Moritz Pommer mit Fachkenntnis und Begeisterung seinem Spezialgebiet Web-Design. Daneben residieren weitere Gestalter der Spitzenklasse.

„Gute Kommunikation“ nennt Kreativdirektor Frank Koschembar sein Konzept für Privatleute und Unternehmen. Neben Grafik- und Corporate Design und vernetzter Werbung gestaltet er Broschüren und Bücher zu künstlerischen Inhalten, die sich in Offenbachs Tradition als Grafik- und Druckereistadt einfügen. Mit Lichtplaner Gerd Pfarré gibt Koschembar in München die weltgrößte Kunstzeitschrift „Illuminator“ zur Lichtkunst heraus. Deren fast ein Meter breites und 69 Zentimeter hohes Format passt gerade noch in handelsübliche Druckmaschinen. Das „Lesen“ diese Printmediums gleicht einem Rundgang durch eine Ausstellung. Das ist von Koschembar gewollt: „In Zeiten von Schnelligkeit, inflationärem Pixel-Konsum auf kleinen Bildschirmen ist es höchste Zeit für ein Magazin wie dieses.“

Gegen den Mainstream arbeitet zuweilen auch Fotograf Lemnitzer. Seine Großfotos zu verkannten Baureizen des Offenbacher Rathauses oder der pittoresken Maschinenwelt einer Papierfabrik in der Prignitz verwischen Grenzen zwischen Fotografie und Malerei. Zum digitalen Verfahren sagt er: „Gute Bilder entstehen im Kopf, aber gute Fotografie findet heute vor allem im Rechner statt“.

Quelle: op-online.de

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