Hessens Filmmotive

Detektiv Matula? Da geht mehr

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In "Götter wie wir" kokettiert Carsten Strauch (links) mit Rainer Ewerrien auf der Comedy-Couch.

Offenbach - Bollywood liegt bei Heppenheim und "Das Haus der Krokodile" steht in Bad Homburg. Vom Märchenfilm bis zum Science-Fiktion: Hessen bietet perfekte Motive für jedes Filmgenre. Von Harald H. Richter

Filme aus Hessen, damit assoziierte man jahrelang Bildschirmhelden wie Claus-Theo Gärtner als Detektiv Matula in „Ein Fall für Zwei“ und Hannelore Elsner als „Die Kommissarin“.

Heute bietet das Bundesland in der Mitte Deutschlands die Kulisse für indische Bollywood-Streifen von der Bergstraße sowie für ARD-Märchenverfilmungen aus dem Hessenpark bei Neu-Anspach. Zwar bildet Offenbach seit gut zehn Jahren keine Kulisse mehr für die Krimi-Reihe „Polizeiruf 110“, aber immerhin gab es vorigen Herbst eine zweieinhalbminütige Ganovenjagdszene im Frankfurt-„Tatort“ mit den Ex-Ermittlern Joachim Król und Nina Kunzendorf.

Große Beachtung beim Kinopublikum erzielte die in Bad Homburg gedrehte Neuverfilmung von „Das Haus der Krokodile“ mit Kristo Ferkic in der Hauptrolle. Beim renommierten Kinder-Medien-Festival „Goldener Spatz“ in Gera wurde die von Hessen-Invest Film geförderte Abenteuergeschichte in diesem Jahr mit dem Hauptpreis für den besten Kino- beziehungsweise Fernsehfilm ausgezeichnet.

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Gleich zwei Kinospielfilme, die mit der Unterstützung von Hessen-Invest Film entstanden, wurden in diesem Frühjahr mit dem Deutschen Filmpreis „Lola“ ausgezeichnet. Das Endkriegsdrama „Lore“ von Cate Shortland bekam die Trophäe in Bronze zuerkannt. Die Produzenten Karsten Stöter und Benny Drechsel, die bereits für ihr Werk den Hessischen Filmpreis 2012 erhalten hatten, durften sich über ein stattliches Preisgeld von 375 000 Euro freuen. Den undotierten Publikumspreis bekam Matthias Schweighöfer für „Schlussmacher“. Diese zu großen Teilen im Rhein-Main-Gebiet und in Nordhessen gedrehte Erfolgskomödie haben mittlerweile über 2,5 Millionen Zuschauer in den Kinos gesehen.

Farbenpracht, Romantik, aber auch Action - der Dreh eines Bollywood-Films in Heppenheim verspricht alles, nur keine Langeweile. Der indische Regisseur Vinod Kumar Singh setzte für seine neueste Produktion „Spark“ im August 15 Drehtage in der Rhein-Main Region an, ein Drittel davon in Heppenheim. In seinem Film geht es um die Flucht eines jungen Mannes vor der indischen Mafia nach Deutschland, seine Rache an den Gangstern und die Rückkehr nach Indien.

Dabei spielt die Liebe zu einer Frau wie immer eine wichtige Rolle. In Heppenheim wurden die romantischen Szenen gedreht, in Hirschhorn am Neckar standen Tanzszenen auf dem Drehplan. Gefilmt wurde außerdem im Odenwald, in Frankfurt und Mannheim. „Heppenheim hat sich bei der indischen Filmindustrie als beliebte Drehkulisse etabliert“, so Matthias Schimpf, stellvertretender Landrat des Kreises Bergstraße. Bereits 2006 und 2007 wurden hier zwei Bollywood-Filme aufgenommen. Auch deutsche Streifen wie Uwe Bolls Boxerdrama „Max Schmeling“ und die Romanze „Cindy liebt mich nicht“ fanden hier geeignete Locations.

Dieses Jahr entstanden in Hessen Katja von Garniers „Ostwind“ und das Kinderabenteuer „V8 – Du willst der Beste sein“ von Joachim Masannek (Kinostart: 26. September). Masannek arbeitet bereits an einer Fortsetzung („V8 – Die Rache der Nitros“). Dafür wurde der Produktionsfirma RatPack durch die wirtschaftliche Filmförderung Hessen-Invest Film eine Summe von 900.000 Euro zugesprochen. Auch wenn der Titel anderes vermuten lässt, „Sushi in Suhl“ mit Uwe Steimle und Julia Richter in den Hauptrollen wurde zu Teilen in Hessen gedreht und von der Frankfurter Filmfirma Star Crest Media produziert. Für das Drehbuch gab es den Hessischen Filmpreis 2012.

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Der finnische Regisseurs Timo Vuorensola ließ die in New York spielenden Szenen seiner Science-Fiction-Komödie „Iron Sky“ in Frankfurt drehen. Als Kulissen dienten unter anderem die Weseler Werft, die Taunusstraße und die Neue Mainzer Straße. Weitere Dreharbeiten fanden in Wiesbaden, Rüsselsheim und Birstein statt.

Die Landesregierung in Wiesbaden stuft Hessen in der deutschen Filmförderlandschaft als mittelgroßen aber durchaus profilierten Filmstandort ein. Vor allem in der Rhein-Main-Region ist nach Einschätzung des Ministeriums für Wissenschaft und Kunst eine junge Produzenten- und Studioszene entstanden, die bundesweit Ansehen genießt. Hessen gilt als Land mit kleinen, wendigen Firmen, die sich im Spannungsfeld zwischen Kino, Fernsehen, Werbung und Internet bewegen. Besonders im Bereich Postproduktion gehört der Raum Frankfurt zu den besten Adressen in Europa. Viele Absolventen der hessischen Film- und Medienstudiengänge schließen sich dieser Szene an.

Seit dem Jahr 1997 arbeiten die kulturelle Filmförderung des Landes und die hr-Filmförderung zusammen, sorgen für tragfähige Plattformen für Riskantes und Interessantes, Innovatives und Experimentelles. 2013 sind bereits 37 Projekte mit insgesamt 548.000 Euro begünstigt worden. Daneben unterstützt auch die wirtschaftliche Filmförderung Hessen-Invest Film diverse Projekte mit starkem Bezug zum Bundesland Hessen und hat dieses Jahr bereits 3,6 Millionen Euro ausgeschüttet. Die größte Summe von einer Million Euro floss in die Finanzierung der Komödie „Männerhort“ nach dem Theaterstück des isländisch-deutschen Autors Kristof Magnusson.

Quelle: op-online.de

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