Deutsche und Türken unter Satire-Lupe

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Seit 38 Jahren ist Sinasi Dikmen in Deutschland – und dermaßen gut integriert, dass er sich vor dem nächsten Besuch seiner Heimat Türkei im Reisebüro nach notwendigen Impfungen erkundigt.

Frankfurt - Seit 38 Jahren ist Sinasi Dikmen in Deutschland – und dermaßen gut integriert, dass er sich vor dem nächsten Besuch seiner Heimat Türkei im Reisebüro nach notwendigen Impfungen erkundigt. Von Maren Cornils

Den Spaß am Lästern aber hat der türkische Kabarettist und Betreiber der Frankfurter Kleinkunstbühne Käs zum Glück nicht verloren. Warum auch? Schließlich bietet ihm die neue Heimat noch immer täglich Gelegenheit, das deutsche Wesen und dessen Eigenarten zu studieren. Und so nimmt Dikmen in seinem neuen Programm „Integriert und intrigiert“ einmal mehr deutsch-türkische und türkisch-deutsche Beziehungen unter die Lupe.

Mit Schadenfreude widmet sich Dikmen, die eine Hälfte des in den 80er Jahren berühmten Duos „Knobi-Bonbon“ , typisch deutschen Verhaltensmustern, witzelt über den Hygienefimmel, nimmt das kränkelnde Gesundheitswesen aufs Korn und hält mit seiner Meinung über deutsche Politiker vom Schlage eines „Efendi Westerwelle“ oder eines Thilo Sarrazin nicht hinter dem Berg. „Sind Türken die besseren Deutschen?“ oder „Haben es einfache Tscherkessen leichter als christliche Kurden, die französische Chansons singen?“ Fragen, denen Dikmen in seinem so scharfzüngigen wie amüsanten Programms nachgeht.

„Integriert und intrigiert“ ist ein klug durchdachter Kabarettabend, der mit sorgfältig formulierten Bosheiten punktet und keinerlei Anspruch darauf erhebt, politisch korrekt zu sein. Dass ein brillanter Sinasi Dikmen seinen türkischen Landsleute dabei ebenso unerbittlich den Spiegel vorhält wie kleinmütigen Teutonen, hinterlistigen Griechen oder petzenden Eidgenossen, macht das Ganze geradezu demokratisch.

Quelle: op-online.de

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