Des Deutschen Vaterland

Eltville - Was deutsch ist, lässt sich an einem Abend nicht ergründen. Aber unterhaltsam und geistreich erörtern, wie Friedrich-Wilhelm Junge es getan hat. Zum Rheingau Musik Festival gehört der Charakterdarsteller des Dresdner Theaterkahns wie der Riesling. Von Markus Terharn

Mit dem famosen Michael-Fuchs-Trio hat er Lieder und Gedichte aus fünf Jahrhunderten in der Domäne Rauenthal zu einem stimmungsvollen und nachdenklich stimmenden Programm zusammengefasst.

Vor einer Bücherwand erinnert Junge gleich an zwei deutsche Figuren – an Goethes Faust, dessen Studierstubenmonolog er rezitiert, und an Spitzwegs „Bücherwurm“. Auf die dritte, Grimms Märchenhelden „Hans im Glück“, der im Wege des Tauschhandels Gold in Steine verwandelt und auch diese verliert, muss man erstmal kommen.

Solch überraschende Aspekte des Deutschseins sorgen immer wieder für Aha-Effekte. Junge pustet buchstäblich den Staub von den Bänden seiner Bibliothek. Feine Fundstücke sind darunter, so eine hübsche Parodie auf die Bürokratie oder Freiligraths vergessenes „Hurra, Germania!“.

Allzu bekannte Texte bürstet Junge klug gegen den Strich. Da genügt ein Stocken hier, ein Stirnrunzeln dort, und jedem ist klar, dass überholt ist, was historische Berechtigung besessen hat...

Allzu populäre Melodien lässt Junge gern weg. „Das Lied der Deutschen“ und „Auferstanden aus Ruinen“, Hymnen zweier Republiken, kommen so besser zur Geltung, Und Schillers „An die Freude“ entfaltet Wirkung ohne Beethovens Musik.

Wer auf „Der Mond ist aufgegangen“ (Claudius/ Schulz), „O Täler weit, o Höhen“ (Eichendorff/ Mendelssohn) oder „Am Brunnen vor dem Tore“ (Müller/Schubert) hofft, ist nicht enttäuscht. Wer auf Brechts „Kinderhymne“ als Ideal-Antwort auf die Frage „Was ist des Deutschen Vaterland?“ gewettet hat, sieht sich bestätigt in den Worten: „Und das liebste mag’s uns scheinen / So wie andern Völkern ihrs.“ Und er bekommt mit Eichendorff/Schumanns „Mondnacht“ sowie Brahms’ „Wiegenlied“ noch zwei Lieder zum Mitsingen.

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © pixelio.de/Gabi-Schoenemann

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