Fusion der Tanzsparten

Pas de deux für ein gemeinsames Ballett

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Stefan Thoss’ Wiesbadener „Dornröschen“-Choreografie ist als Gastspiel auch in Darmstadt zu sehen.

Darmstadt/Wiesbaden - Neue Strahlkraft für die hessische Tanzszene: Die Staatstheater in Darmstadt und Wiesbaden planen eine engere Kooperation. Unter der Leitung eines Hauptchoreografen sollen die Tänzer beider Häuser ein Hessisches Staatsballett bilden, wie die Intendanten gegenüber der Presse verkündeten. Von Lara Sturm

Neue Strahlkraft für die hessische Tanzszene: Die Staatstheater in Darmstadt und Wiesbaden planen eine engere Kooperation. Unter der Leitung eines Hauptchoreografen sollen die Tänzer beider Häuser ein Hessisches Staatsballett bilden, wie die Intendanten gegenüber der Presse verkündeten.

„Pas de deux“ nennen Balletttänzer ein Duett. Einen Tanz zu zweit - wie im dritten Akt des berühmten „Schwanensee“ als Odile und Prinz Siegfried so eng zusammen tanzen, dass sie eins zu werden scheinen. So eine enge Verbindung streben nun die Staatstheater in Darmstadt und Wiesbaden an. Die Häuser legen ihre Tanzsparten zusammen. Das regionale Tanztheater, vom Ende des Ballett Frankfurt getroffen, steht vor einem Neuanfang.

Mehr Abwechslung

Zurzeit beschäftigen die Tanztheater in Darmstadt und Wiesbaden insgesamt 40 Tänzer. Als Hessisches Staatsballett würde die Ballettkompanie ab der Spielzeit 2014/15 auch Unterstützung von wechselnden Gasttänzern bekommen. Neben dem Aspekt der internationalen Kooperation, steht der Gedanke von mehr Abwechslung im Vordergrund. „Karsten Wiegand und ich haben sehr intensive Gespräche geführt, was denn für die Region am besten wäre, nachdem ja auch in Frankfurt gar kein großes Ballett mehr da ist. Als Hessisches Staatstheater können wir mehr Vielfalt bieten“, erklärt Wiesbadens Intendant Eric Laufenberg das gemeinsame Vorhaben.

Man plane, der Öffentlichkeit Anfang November eine neue Doppelspitze aus Choreograf und Manager vorzustellen. Bis dahin soll auch ein Programm für die kommende Spielzeit auf die Beine gestellt werden. Der leitende Choreograf soll nicht alle Abende persönlich gestalten, sondern auch internationale Partner und Gasttänzer auswählen. Dadurch wolle man ein möglichst abwechslungsreiches Programm garantieren, hieß es.

Dabei wird der Wunsch des Publikums nach klassischen Ballettstücken wohl vorerst ein Wunsch bleiben. Man wolle eine „zeitgenössische, eigene Handschrift“ entwickeln und den „Tanz von heute“ präsentieren, ließ Karsten Wiegand, Darmstädter Intendant, verlauten.

Neue Wege

Bei der Zusammenarbeit stünden weder Einigkeit noch Harmonie im Fokus. Gerade voneinander abweichende Ansichten der beiden Intendanten versprächen neue Wege außerhalb der bisherigen Begrenzungen.

Auch rechtlich steht der Kooperation nichts im Wege: Ein Vertrag aus dem Jahr 1979, der bereits die Zusammenarbeit regelt, deckt auch den Plan eines hessischen Staatsballetts ab. Der gemeinsame Träger sorge zudem für ein unkompliziertes Verhältnis. Die scheidenden Intendanten John Dew vom Darmstädter Staatstheater und Manfred Beilharz vom Wiesbadener Staatstheater machten von den vertraglich geregelten Kooperationsmöglichkeiten kaum Gebrauch. Ihre Nachfolger streben nun mehr Offenheit an. Sie wollen weg von der Monokultur der regionalen Kunstszene. Durch internationale Zusammenarbeit soll Hessens Tanzsparte ein neues Profil bekommen. Man wolle sich zunächst auf bislang unbekannte Erfahrungen einlassen und abwarten, was dabei Spannendes entstehe.

Keine Bedenken

Auch das Hessische Ministerium für Kunst und Wissenschaft zeigt sich „erfreut“ über die Pläne der Intendanten. In einer Mitteilung heißt es, man habe keine Bedenken. Die Fusion falle unter die „künstlerische Freiheit“ der Theaterleiter. In diese mische sich das Ministerium nicht ein.

Quelle: op-online.de

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