Dialoge auf einsamer Warte

Don Carlos hat das Blut des hingerichteten Marquis Posa an den Händen, reicht es weiter an seinen Vater Philipp II., auch der Großinquisitor muss sich als Konsequenz seiner Machtausübung beflecken lassen.

Ein starkes Bild im vierten Akt von Giuseppe Verdis Oper „Don Carlos“, die Regisseur Alfonso Romero Mora im Großen Haus des Staatstheaters Darmstadt neu inszeniert hat.

Überhaupt ist der Grundton düster, zunächst musikalisch: Kapellmeister Martin Lukas Meister schärft die tiefen Register eindrucksvoll; das Orchester folgt ihm mit äußerster Präzision und eindringlicher Kühle. Die finster gehaltene Bühne (von Dirk Becker) kommt mit wenigen Requisiten aus; wuchtigen Dreieckstürmen etwa, in denen Philipp und der Groß inquisitor von einsamer Warte aus Dialoge führen. Wenige Umbauten ermöglichen bruchlose Übergänge; man spielt den Fontainebleau-Akt, zeigt also, wie sich Carlos in seine spätere Stiefmutter Elisabeth verliebt. Gesungen wird Französisch mit deutschen Übertiteln; die Fassung orientiert sich an jener, die Verdi 1886 für Modena schuf.

Ähnlich der Inszenierung, die David McVicar in Frankfurt erarbeitet hat, setzt Mora auf breite Tableaus und opulente Kostüme (Rosa García Andújar) mit Christenkreuz. Damit entgeht die zeitlos angelegte Inszenierung nicht der Gefahr einer (opulenten) Statik, obwohl sie einhellig umjubelt ist.

Gerade in den ersten drei Akten bleiben pauschale Gesten oder offenes Rampensingen nicht aus. Wofür Solisten wie Mezzosopranistin Yamina Maamar entschädigen, die mit charakteristischem, herbem, nie körnigem Timbre eine einfühlsame Elisabeth gibt. Katrin Gerstenberger ist eine abgeklärte, vokal hoch flexible Prinzessin Eboli. Tenor Zurab Zurabishvili hingegen bleibt ein wenig voluminöser, zu lyrischer Tenor für die Titelpartie. Farblos klingt der Großinquisitor von Andreas Daum.

Insgesamt gefällt „Don Carlos“ vokal durch eine weitgehend geschlossene Leistung des überwiegend jungen Ensembles, in dem Oleksandr Prytolyuk als effektvoll gemeuchelter Marquis Posa mit baritonaler Einfühlsamkeit überzeugt. So vergisst das Publikum, dass das Ergebnis einer konzertanten Aufführung in üppigen Kostümen ähnelt. AXEL ZIBULSKI

Nächste Vorstellungen am 13. und 21. Februar

Quelle: op-online.de

Kommentare