Frankfurter Lyriktage

Dichter holen Natur in die Stadt

Die zweiten Frankfurter Lyriktage holen mit Gedichten die Natur in die Stadt. Unter dem Titel „natur, lyrisch“ stehen vom 3. bis 6. Juni alte und neue Naturgedichte auf dem Programm des Festivals für zeitgenössische Lyrik.

Die Kooperationspartner der vom Kulturamt ausgerichteten Veranstaltung, das Instituto Cervantes Frankfurt, das Instituto Italiano di Cultura, das Institut Français und das US-Generalkonsulat, haben je einen renommierten Vertreter des Sprachkreises eingeladen.

Für den internationalen Auftakt am 3. Juni, 18 Uhr, im Instituto Cervantes reisen Juan Gelman aus Mexiko, gebürtiger Argentinier, der 1975 emigrierte und 2007 mit dem Premio Cervantes einen der wichtigsten Literaturpreise der spanischsprachigen Welt erhielt, sowie Ann Lauterbach aus New York an. Valerio Magrelli, 2002 mit Antonio Feltrinelli-Preis für sein literarisches Werk ausgezeichnet, vertritt die italienische Lyrik, und der Dichter Jean Daive, der beispielsweise Paul Celan ins Französische übersetzte, kommt aus Frankreich.

Trotz aller Internationalität: bei „natur, lyrisch“ zählt das zarte Pflänzchen Gedicht zu den eher bedrohten Arten. Lyrik lässt sich nicht nur in Deutschland schlecht verkaufen. Sie gilt als schwierig und nicht leicht zugänglich. Geradezu ein Mauerblümchendasein fristete einige Zeit die Naturlyrik. Doch Sonja Vandenrath, städtische Literaturreferentin, macht in jüngster Zeit einen regelrechten Naturlyrik-Boom aus, der in der „Langen Nacht der Naturpoesie“ (6. Juni, 18 Uhr, Evangelische Stadtakademie) mit den Stimmen der Dichter hörbar wird: Nico Bleutge, Nora Bossong, Judith Zander stehen hier ebenso auf dem Programm wie die in Offenbach lebende Silke Scheuermann und der Frankfurter Marcus Roloff. Naive Naturschwärmerei und blumige Metaphern sind jedoch nicht zu erwarten. Das fühlende Ich, das früher aus Naturgedichten sprach, sei, so Vandenrath, dem sezierenden und analytischen Blick auf die Natur gewichen.

Der Anglist, Lyriker und Übersetzer Klaus Reichert hält unter dem Titel „An die Natur“ einen Vortrag über die Geschichte der Naturlyrik (4. Juni, 20 Uhr, Museum Giersch), Studierende der Goethe-Universität folgen in einer Lesung dem Zyklus der Natur „Unter dem Vogelgefieder der Nacht“ (5. Juni, 20 Uhr, Holzhausenschlösschen). A. BIESEMEIER

Quelle: op-online.de

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