„Die Kunst zu schenken“ in der Galerie Kunstforum Seligenstadt

Aus der Schatztruhe

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Farbdruck einer Gouache von Marc Chagall

Seligenstadt - Das seit über 25 Jahren bestehende Kunstforum Seligenstadt hat tief in seine Schatztruhe gegriffen, um einmal das weite Spektrum seiner ebenso kunstverständigen wie gemeinnützigen Ausstellungs- und Sammeltätigkeit darzustellen – nicht ohne vorweihnachtliche Hintergedanken. Von Reinhold Gries

„Die Kunst zu schenken – Darf es auch mal Kunst sein?“ nennen die Kuratorinnen Annemarie Pötzelberger, Ruth Wahl und Birgit Malsy-Grimm ihre Auswahl an Malerei, Druckgrafik, Plastik und Objektkunst. Noch nie gezeigte Arbeiten auf Papier bilden einen Schwerpunkt. Die Galerie im Alten Haus ist längst zum Sammelpunkt zeitgenössischer Kunst der Rhein-Main-Region geworden, pflegt aber darüber hinaus auch bundesweite Beziehungen.

Die illustre Reihe der ausgestellten Werke wird standesgemäß angeführt von Otmar Hörls Kunststoffskulptur „Karl der Große“, gerade in der Einhardstadt so recht zum Karlsjahr passend. Begleitet von einer Vielzahl weißer, schwarzer und goldener Kunst-Tauben, die sich auf den Treppenstufen niedergelassen haben. Man zeigt auch weitere große Namen, vertreten durch den Farbdruck einer wunderschönen Gouache von Marc Chagall, Bernhard Jägers märchenhaft vertrackte Bunstiftfigurationen „Werkzeug“ und „Tischlein deck dich“ oder Eberhard Behrs Farbradierungen „Poet“ und „Bierflasche“.

Ein Blick in bundesdeutsche Zeitgeschichte ermöglichen herrliche Karikaturen F.K. Waechters wie „Die schärfsten Kritiker der Elche waren früher selber welche“ oder nach wie vor aktuelle, kritische Plakate wie Klaus Staecks kontrastreiche Bildformel „Nord-Süd-Gefälle“ oder die bildlich-schriftliche Aufforderung „An alle Generäle! Sofort zurück in den Sandkasten. Das Kriegsspielen wird uns zu teuer“.

Eine große Bandbreite

Abstrakt-Expressives von Günter Desch.

Alle vorgestellten Künstler waren im Kunstforum schon ausgestellt, aber nicht in Arbeiten wie Dieter Wolthoffs Radierungen, Dieter Berschinskis „Gilgamesch“-Bildepos, Gisa Hillesheimers Fotografien, Sascha Juritz´ „Polonaise“ oder Günter Deschs abstrakt-expressiver Malerei. Wie herausragend hiesige Künstler zu Werke gehen, sieht man in großer Bandbreite: Günter Hermanns virtuos-malerische Farbradierungen wie „Olivenhain II“ oder „Wörlitzer Gartenreich“ kontrastieren mit ähnlich meisterlichen schwarz-weiß-grauen Aquatinten bei „Hutebuche im Kellerwald“. Altmeisterliches Können mit neuer Sicht vereinen Siegbert Hahns grafische Kunst in „Garten der Diana“ und „Ionischer Schornstein“ oder A.T. Mörstedts „Altes Weinberghaus an der Unstrut“.

Eine Klasse für sich sind die „Kleinen Reißer“ von Renate Kletzka, der Meisterin der Papiercollage. An große Ausstellungen im Kleinen Saal des Offenbacher Theaters an der Goethestraße erinnern feinste Zeichenpanoramen wie Ev Grügers „Dachgarten“, „Kahlschlag“ oder „Eigenbrötler“. Auffällig auch Jörg Koltermanns Nahsicht-Offsetlithos „Radkäppchen“, „Firestone“ oder „Blue noon“ zur weitverbreiteten Autoleidenschaft. Die kürzlich präsentierten Graffiti-Künstler um „Bomber“ Helge Steinmann sind mit gemeinschaftlich gesprayten Leinwänden präsen und, Kulturpreisträgerin Ursula Zepter überrascht mit herbstlicher Apfel- und Kartoffelkistenkunst, die im Gewölbekeller des Alten Hauses Appetit nach mehr macht.

Die Ausstellung „Die Kunst zu schenken“ ist bis 14. Dezember in der Galerie Kunstforum Seligenstadt zu sehen. Öffnungszeiten: Fr, ,Sa, So 15 bis 18 Uhr

Quelle: op-online.de

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