Offenbacher Bernd Köstering mit „Goetheruh“ in Romanfabrik

Diebstahl aus Dichterhaus

Doppelpremiere für Bernd Köstering: Mit „Goetheruh“ hat der Offenbacher seinen ersten Roman vorgelegt – und ihn in der Frankfurter Romanfabrik erstmals vorgestellt. Es ist ein Heimspiel, ein Großteil der zahlreichen Zuhörer rekrutiert sich offenbar aus seinem Bekanntenkreis.

Als „Literaturkrimi“ bezeichnet der Mittfünfziger sein Erzähldebüt. Darüber, ob es ein Nägelkauer ist, gibt die Lesung keinerlei Aufschluss, da führt kein Weg an der Lektüre vorbei. Ruhig exponiert Köstering Schauplätze und Figuren. Orte der Handlung sind Weimar, wo er geboren ist, und Frankfurt, wo er arbeitet. In den dortigen Goethehäusern werden Exponate entwendet. Einzige Spur sind Dichterzitate, die der Täter an Stadtrat Bernd Kessler in Weimar schickt. Der zieht einen Freund, Literaturdozent Hendrik Wilmut aus Frankfurt, hinzu. Er soll Hauptkommissar Siegfried Dorst bei den Ermittlungen germanistisch beraten. Dass zudem eine Dame im Spiel ist, erfährt das Publikum zwar, lernt sie indes nicht kennen.

Soweit die Personen. Zur Spannungssteigerung trägt ein anderes Kapitel bei, in dem der unbekannte Dieb wieder zuschlägt und den Protagonisten dabei knapp durch die Lappen geht. Beide Passagen vermitteln einen guten Eindruck von Kösterings erstaunlich routiniert wirkendem Stil. Und sie machen neugierig auf den Sinn der eingestreuten Goethe-Worte ...

Köstering liest gelassen wie ein alter Hase. Erläutert Zusammenhänge, erteilt gesprächsweise Auskunft über sein Schreiben. Verrät selbstredend nicht, wer’s war; nicht alle Anwesenden haben sein Buch schon gelesen. Endet mit einem denkbar passend gewählten Satz: „Danke für den Besuch.“ Und bringt einen Frankfurt-Abstecher als Zugabe. Der Mann hat alles richtig gemacht. MARKUS TERHARN

Quelle: op-online.de

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