Der SV DJK Viktoria startet mit Neujahrsempfang ins Jubiläumsjahr / Internationales Jugendturnier und akademische Feier als Höhepunkte.

1927 zahlten Mitglieder 30 Pfennig

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„Spieler des Jahres“ der DJK ist Martin Schwibs (l.). DJK-Präsident Wolfgang Gondolf (r.)und Vize-Präsident Oliver Löw übergaben die Auszeichnung und gratulierten.

Dieburg (jd) ‐ Was hat die wegen eines Handspiel-Tores dramatische Qualifikation der französischen Nationalmannschaft mit dem Neujahrsempfang des SV DJK Viktoria Dieburg zu tun?

Ganz einfach: DJK-Präsident Wolfgang Gondolf nahm diese viel diskutierte Begebenheit des Sports als Anlass, um in seiner Ansprache auf das Thema „Fairness im Spitzensport“ einzugehen. „Unfairness müsste es eigentlich heißen“, korrigierte sich der umtriebige Vereinsvorsitzende sogleich selbst. Ein „Kräftemessen mit dem Gegner in anständiger Art und Weise“ wünsche sich Gondolf, auch, dass man Gegnern „mit Achtung“ gegenübertrete. All dies – so spannte der Chef der Grün-Weißen wieder den Bogen zum 550 Mitglieder zählenden Verein vom Schlossgarten – wolle die DJK vorleben. „DJK – fair und mehr“: So lautet der Leitsatz des Vereins, bei dem vor allem Fußball und Tischtennis gespielt sowie Gymnastik, Gesundheits- und Familiensport betrieben wird.

Für „die feste Größe im Vereinsleben Dieburgs“ (Gondolf) wird das Jahr 2010 ein besonderes: Der Sportverein feiert sein 90-jähriges Bestehen. So geriet der Neujahrsempfang, obwohl ähnlich dem der vergangenen Jahre, beinahe schon zum ersten kleinen Festakt der DJK. Wobei es nicht bleiben soll: „Wir werden unser Jubiläum über das gesamte Jahr 2010 feiern“, so Gondolf in seiner Rede. Zum Auftakt am gestrigen Sonntag gesellt sich Mitte des Jahres ein sportlicher Höhepunkt: Am 12. und 13. Juni soll auf dem Vereinsgelände ein international besetztes D-Junioren-Turnier stattfinden. Verschiedene Mannschaften des Vereins trügen dann weitere Aktionen bei zum Festwochenende, das einen Tag nach Beginn der Fußball-WM am 11. Juni startet. Highlight soll überdies eine akademische Feier im Herbst werden.

Damit wollte es Gondolf zunächst einmal beim Überblick für 2010 belassen und schaute anlässlich des Jubiläumsjahres stattdessen noch detaillierter in die Historie als sonst. Dass 1921 erst 39 Vereinsmitglieder registriert worden seien, wusste der Präsident mit der passenderweise grünen Krawatte da zu berichten. Auch, dass der Monatsbeitrag im Jahr 1927 noch 30 Pfennig betragen habe und die Dieburger DJK im selben Jahr vor einem großen Problem stand: Das Entscheidungsspiel um die Bezirksmeisterschaft im Fußball gegen die DJK Darmstadt wurde damals auf neutralem Platz angesetzt – in Frankfurt. Gar nicht so einfach, die Anreise damals zu stemmen, weshalb die Darmstädter den Dieburgern einen Fahrtkostenzuschuss in Höhe von zwölf Mark anboten. „Dank“ der Dieburger, die den Zuschuss annahmen: Das erste Spiel endete 3:3, die Verlängerung wurde wegen Dunkelheit abgebrochen. Das Wiederholungsspiel gewannen die Dieburger dann mit 4:0.

Wichtig war es Gondolf in seiner Ansprache, noch einmal ausdrücklich Vorurteile zu widerlegen, der Dieburger Verein der Deutschen Jugendkraft – und die DJK-Vereine generell – hätten in irgendeiner Weise den Nazis nahegestanden: „1934 wurden die DJK-Vereine im Rahmen der Gleichschaltungsgesetze des Nazi-Regimes verboten – so auch unsere DJK“, hatte Gondolf recherchiert. Wobei sich die Dieburger DJK zuvor eigentlich selbst aufgelöst hatte, weil sie nicht – wie verlangt - ihre konfessionelle Bindung ablegen wollte.

Auch die jüngere Vergangenheit ließ Gondolf auszugsweise Revue passieren, wies dabei auf die inzwischen 54-jährige Freundschaft mit Sportlern aus dem holländischen Egmond hin und Größen des Vereins wie den ehemaligen deutschen Diskus-Bundestrainer Karlheinz Steinmetz.

Fast noch spannender sind die aktuellen Entwicklungen, die Gondolf vortrug: Das neue Heizsystem nach dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung habe im vergangenen Jahr 16 Tonnen Kohlendioxid eingespart, den Erdgas- und Stromverbrauch hat die DJK um 17 beziehungsweise 14 Prozent reduziert. Hinzu kommen die eingespeisten Kilowattstunden, die der Energieversorger der Viktoria 2009 mit 900 Euro entlohnt hat.

Für manches der anwesenden Mitglieder in der voll besetzten Halle des Vereins wohl überraschend: Von den Kindern und Jugendlichen im Verein haben 25 Prozent einen Migrationshintergrund. Noch genauer werden geschichtliche Details des Vereins im Übrigen im Sommer nachzulesen sein, erwähnte Wolfgang Gondolf: Bis dann soll eine Festschrift über den SV DJK Viktoria Dieburg und seine 90-jährige Historie informieren.

Zahlreiche Mitglieder wurden im Rahmen des Neujahrsempfangs geehrt. Ein ausführlicher Bericht hierzu folgt im nächsten DA.

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