Abend des Heimatvereins ist ganz dem Dialekt gewidmet

Mit Mundart bleibt das „Herzje“ heiter

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Monika Dambier-Blank und Karlheinz Braun in Aktion: Sie gestalteten den Mundartabend des Heimatvereins in der „Stoawäjer Stubb“.

Dieburg - „En gure Root vun mer noch do, mim Dialeggd iss mä lebensfroh. Do sitzt es Herz oam rechte Fleck, des schäi Gefiehl gäiht niemols weg. “ Das gute Gefühl, das die Pflege der Mundart angeht, kennen Monika Dambier-Blank und Karlheinz Braun nur allzu gut. Von Michael Just 

27 Jahren standen sie zusammen als Verrer Gunkes und Bawett auf der Bühne und nahmen dabei, mit Hilfe des Dibboijer Platts, kein Blatt vor den Mund. Nun gab es eine weitere Gelegenheit, die beiden zu genießen und lokale Mundart in Reinkultur zu erleben. Beim Mundartabend des Dieburger Heimatverein traten sie in der „Stoawäijer Stubb“ auf und gestalteten ein abendfüllendes Programm. Die Veranstaltung war die erste ihrer Art und fand als Würdigung von Ernst August Niebergall statt. Der „Datterich-Verfasser“, der vor mehr als 200 Jahren auf die Welt kam, hat am 13. Januar Geburtstag.

Nach der Begrüßung wartete die Vorsitzende des Heimatverein, Maria Bauer, zuerst mit einer kleinen Sprachkunde auf. Wie sie sagte, spreche man in der hiesigen Region Odenwälder beziehungsweise südhessische Umgangssprache. Nicht bekannt war vielen Anwesenden, dass laut Bauer Hochdeutsch bei genauer Betrachtung auch ein Dialekt ist – nämlich der, den Luther bei seiner Bibel-Übersetzung anwandte. Auf Anregung des Reformators übernahmen viele der Kleinstaaten, aus denen Deutschland damals bestand, hochdeutsch als verbindliche Schriftsprache ohne ihren eigenen Dialekt in Gänze aufzugeben.

Um den Mundartabend ganzheitlich zu gestalten, ging dieser zusätzlich durch den Magen. Zwischen den Vorträgen wartete ein Menü, das im Kartenpreis für die 42 Besucher enthalten war. Aufgetischt wurden unter anderem Kochkäse-Süppchen, Mini-Fleischwurstburger mit grüner Soße oder eine hessische Tiramisu im Glas. Bei den Vorträgen machte das Gedicht „De Weck“ den Anfang. Es stammt von dem Darmstädter Werner Rühl, der darin das Brotangebot nach dem Krieg und die unerschöpfliche Auswahl der Gegenwart pointiert vergleicht. Heute sei das Angebot „e Wucht“, hätte aber auch seine Nachteile: „Oans steert nä moanchen bei soim Glick: isst mä souveel, doann werd mer dick.“

Karlheinz Braun ergriff in diesem Zusammenhang die Gelegenheit, mit einem Zitat an den unvergessenen Dieburger Bäckermeister „Seppl“ Winter zu erinnern: „Woann moi Weck sou klooa wie Erdniss und sou deier wie Champagner wern, wer ich als Bäcker Millionär.“ Nach dem Hauptgang widmete sich das Mundart-Duo zuerst dem „Datterich“. Höhepunkt war hier die Darstellung verschiedener Szenen aus der bekannten Darmstädter Lokalposse sowie das Rezitieren der markantesten Sprüche. Mit am bekanntesten ist die Weisheit „Bezahle, wann mer Geld hat, des is kah Kunst: awwer bezahle, wann mer kahns hat, des is e Kunst, liewer Mann, un die muss ich erscht noch lerne.“

Nach dem Dessert zeigte Karlheinz Braun eine eher unbekannte Seite von sich, denn der ehemalige Berufsschullehrer schreibt in seiner Freizeit Gedichte in Mundart. Stellenweise in Interaktion mit Monika Dambier-Blank trug er acht davon vor. Darunter waren Gedankengänge zum „Stoammtisch“, zum „Lääwe“ (Leben) oder zur Bedeutung eines Freundes. Die Werke sind alle aus dem Leben genommen. Mittlerweile hat Braun schon derart viele Gedichte verfasst, dass sich ein Buch lohnen würde. Den Schlusspunkt setzte Klaus Becker mit dem Lied „Unser Sprooch iss leicht...“, welches aus einer früheren Karnevalssitzung stammt.

Für ihr Engagement und die Liebe zur Mundart erhielten Monika Dambier-Blank und Karlheinz Braun einen langen Applaus. Vom ehemaligen Verrer Gunkes gab’s noch einen wichtigen Tipp mit auf den Nachhauseweg: „Drum, ehr Leit, seid nit vermesse, dout de Dialeggd nit vergesse. Schwätzt, babbelt, schnackt als weiter, dann bleibt‘s Herzje immer heiter.“

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