Abgetaucht in neue Welten

+
Schwerelos im Freibad: Elf Jugendliche schnupperten in dieser Woche in die Welt des Tauchens hinein. Um die Sicherheit der Neulinge zu gewährleisten, waren die Profis vom Tauchclub Dieburg im Wasser immer dabei.

Dieburg - Im Freibad gibt es keine Fische und Pflanzen. Nur Wasser und Wände. Trotzdem kamen die elf Jugendlichen, die in dieser Woche ihre ersten Tauch-Versuche unternahmen, nicht eine Sekunde auf die Idee, über Langeweile zu klagen. Von Barbara Hoven

Klar können die sich nur die Fliesen ansehen, aber die Neulinge sind in der Regel so mit sich selbst und ihrer Atmung beschäftigt, dass da keiner etwas vermisst“, sagt Manfred Witzel und lacht. Der Vorsitzende des Tauchclubs Dieburg spricht aus Erfahrung: Seit vielen Jahren bietet er mit seinen Vereinskollegen als Beitrag zu den Ferienspielen einen kostenlosen Schnupper-Tauchkurs an.

Und obwohl der Nachwuchs in der Regel keinerlei Vorkenntnisse über den Tauchsport mitbringt, bietet der Schnuppertag mehr als tristes Herumdümpeln mit dem Schnorchel. Vollausstattung! Mit Mundstücken, Atemluftflaschen, Taucherbrillen und Westen werden die Neulinge ins Wasser geschickt. Dass der ein oder andere da unschlüssig ist, ob er der Neugierde nachgeben soll oder der Angst, verwundert nicht. „Am Anfang habe ich mich nicht richtig rein getraut“, berichtet die zehnjährige Daniela. „Aber dann habe ich schnell gemerkt, dass es sicher ist, und jetzt macht das Tauchen Spaß.“

Nicht nur in der Ferienzeit legt der Tauchclub Dieburg viel Wert auf die Jugendarbeit. 17 Jugendliche zwischen neun und 15 Jahren trainieren derzeit gemeinsam. Auch Jugend-Tauchwochenenden und Trainingslager erfreuen sich großer Beliebtheit. Neuzugänge sind jederzeit willkommen. Das Sommertraining findet immer donnerstags von 18 bis 19 Uhr im Dieburger Freibad statt. Wer mitmachen und mit Flasche tauchen will, sollte mindestens acht Jahre alt sein, ein ärztliches Attest und das Einverständnis der Eltern haben. Weitere Informationen gibt es hier.

Die Sicherheit ist auch für Manfred Witzel das wichtigste Thema des Tages. Deshalb lässt er keinen Jugendlichen in voller Montur alleine ins Wasser, ein Profi ist immer dabei. „Das ist nicht wie beim Fußball, wo man einfach elf Leute aufs Feld schickt“, sagt der Vorsitzende. „Tauchsport ist sehr viel betreuungsintensiver.“ So nutzt Witzel auch jede Gelegenheit, den zehn freiwilligen Helfern seines Tauchclubs zu danken. „Ohne deren Engagement wäre sowas nicht zu machen.“ Bevor die Jugendlichen das Gefühl des Schwebens unter Wasser genießen durften, das für viele den Tauchsport so reizvoll macht, war ein Tauchgang in die Theorie unvermeidlich. Die ist nicht zwangsläufig trocken. „Weil man unter Wasser nicht sprechen kann, lernen die Jugendlichen die wichtigsten Handzeichen zur Verständigung“, erklärt Witzel. Daumen hoch, Daumen runter, ein mit den Fingern geformter Kreis als „Okay-Zeichen“ - das ist schnell erklärt, der spannende Teil kann beginnen: Den Kopf vorsichtig unter Wasser stecken, um ein Gefühl für den Lungenautomat zu kriegen. Ein wenig Gleiten an der Wasseroberfläche. Dann ab in die Tiefe.

Mit Engelsgeduld haben Conny Lorenz, Werner Kramartschuk und die anderen Betreuer aus dem Dieburger Tauchclub erklärt, wie die Maske richtig sitzt und was beim Atmen zu beachten ist. Trotzdem löst das feuchte Hobby nicht bei allen Neulingen Begeisterung aus. „Wir hatten auch schon Kinder, die haben den Kopf kurz unter Wasser gesteckt und wollten sofort wieder raus aus dem Becken“, erzählt Witzel. Das sei aber eher die Ausnahme. „Die meisten genießen die Schwerelosigkeit und die Ruhe unter Wasser.“

Und obwohl sich der Schnupper-Tauchkurs bei der Jugend auch ohne faszinierende Unterwasserwelten alljährlich großer Beliebtheit erfreut, will der Tauchclub noch einen draufsetzen. Im nächsten Jahr gibt’s im Freibad vielleicht doch ein paar Fische und Pflanzen. Auch wenn sie nur aus Plastik sind.

Kommentare