Oscars für bühnenreife Auftritte in Stockstadt

Ausgelassener Abi-Ball der Alfred-Delp-Schüler 

+

Dieburg/Stockstadt - 217 erfolgreiche Abiturienten haben in Stockstadt den Erwerb der Hochschulreife gefeiert – und mit ihnen 480 Eltern, Geschwister und Partner. Zum Unterhaltungsprogramm gehörte auch eine besondere Oscar-Verleihung. Von Michael Just

Was kommt nach dem Abi? Hat sich Luisa Lotter noch nicht entschieden, könnte sie statt Studium oder „Work & Travel“ auch eine Model-Karriere angehen. Beim Abi-Ball erhielt sie einen Oscar in der Kategorie „Attraktivste Schülerin“. Die Auszeichnungen für hollywoodreife Auftritte in der Schulgemeinde gehörte am Freitagabend zum Unterhaltungsprogramm des Abi-Balls der Alfred-Delp-Schule (ADS).

Eine kleine Kopie des Goldjungen gab es nicht nur für das schönste Antlitz: Weitere 21 Auszeichnungen wurden unter anderem in den Kategorien „Lehrerliebling“, „regelmäßiges Zuspätkommen“, „Handy- und Kaffeesucht“, „Sportskanone“ oder „Schnorrer“ verliehen. Das Voting hatte das Abi-Buch-Komitee unter den Mitschülern organisiert. Eine Dankesrede blieb den Ausgezeichneten erspart.

Die Feier zum Erreichen der allgemeinen Hochschulreife fand im Günes-Event-Center in Stockstadt/Main statt, wo sonst türkische Hochzeiten über die Bühne gehen. In den letzten Jahren hieß die Destination für die Abi-Bälle meist Aschaffenburger Stadthalle. „Vor allem die Größe des Centers war für uns ausschlaggebend“, erklärte Amy Sander vom zwölfköpfigen Orga-Team.

Wie sie ergänzte, passen 1000 Menschen in die Halle. Für 700 hätte man einen Stuhl samt Catering benötigt. Darunter seien 217 erfolgreiche Abiturienten sowie 480 Eltern, Geschwister und Partner, die mitfeiern wollten. Für die Teilnehmer war wie gewohnt Abendgarderobe angesagt, was mit einer Reihe bezaubernder Roben und schicken Anzügen von den Oberstufenschülern umgesetzt wurde.

Die Antwort auf die Frage, ob die Abi-Noten bei den meisten Schülern einen Grund zum Feiern bieten, machte Amy Sander an den jeweiligen Fächern und der individuellen Vorbereitung auf die Prüfungen fest. „Lernen gehört dazu. Wer das nicht tat, für den war die Sache weniger einfach“, sagte sie. Das Abverlangte in ihren Leistungskursen Englisch und Bio bezeichnete sie als machbar. Mit Blick auf die Stimmung beim Abi-Ball schienen die meisten Schüler mit ihren Zensuren zufrieden. Einige hatten wohl auch verinnerlicht, dass Noten nicht alleine den künftigen Lebensweg bestimmen.

Als sich die meisten Eltern gegen 23 Uhr auf den Heimweg machten, feierten viele Schüler noch weiter. Statt einer Band hatte sich das Orga-Team für einen DJ entschieden. Nach dem Essen wartete ein Unterhaltungsprogramm, das Amy Sander und Tobi Tarp Rosenauer moderierten. Neben der Oscar-Verleihung zählte der gefeierte Auftritt eines Männerballetts sowie eine Tanzchoreografie mit Unterstützung der Tanzschule Wehrle zum weiteren Verlauf des Abends. Umut Eke wartete mit einem Gesangsstück auf, während Michael Lobesch ein persönliches Fazit über die Schulzeit zog.

Poetisch wurde es, als Anna Weschenbach und Julia Fenn als Poetry-Slammer nach vorne kamen und selbstverfasste, literarische Werke vortrugen. Mit den schwierigsten Part hatte Florian Dominik Wernecke: Ihm kam die klassische Abi-Rede zu. Die setzte er launisch bis humorvoll um. Ein Teil seiner Passagen wurde vom Publikum nicht immer auf Anhieb verstanden. Die Schule bezeichnete er als Überreste des preußischen Regimes, die für ihn trotzdem schön gewesen sei.

Alfred-Delp-Schule Dieburg feiert den Abi-Ball: Bilder

Schließlich lasse sich dort über den neuesten Klatsch informieren, im Unterricht noch ein wenig schlafen und in den Pausen essen. Dass die Schulzeit automatisch den schönsten Lebensabschnitt darstellt, wollte Wernecke nicht unterschreiben. Dafür fehlten die Erfahrungen über das was noch kommt. „Das wäre, als wenn eine Jungfrau sagt, dass Döner besser als Sex ist“, brachte es der Noch-Schüler auf den Punkt. Seinen Kollegen riet er, im neuen Lebensabschnitt keine Fehler zu machen, etwa mit einem Doktortitel in Philosophie oder der Entscheidung Lehrer zu werden.

Glück wünschte Wernecke den einstigen Weggefährten zum Schluss bewusst nicht, denn das gebe man nur schwachen und ambitionslosen Menschen mit auf dem Weg. Viel wichtiger ist für ihn die Fähigkeit, Dinge im Leben gelassen hinzunehmen, die man nicht ändern kann und sich mutig jenen zu widmen, bei denen Neuerungen möglich sind. Dafür benötige es allerdings die Gabe, beides unterscheiden zu können.

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare