„Tennisclub mindestens so wichtig wie Kreis“

Ablehnung bis Abwarten: Positionen der Parteien zur Schulrochade

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Im Mittelpunkt von Rochade und möglicher Quartiersumgestaltung steht die Goetheschule. Hier sollen in wenigen Jahren die Alfred-Delp-Schüler (wieder) ihr Abi machen.

Dieburg - Durch den Schultausch von Goethe- und Alfred-Delp-Schule würde sich das Quartier verändern. Ist das erwünscht? Die im Stadtparlament vertretenen Fraktionen schwanken zwischen „klar dagegen“ und „zu wenig Infos“. Von Jens Dörr 

Das Thema Schulrochade erreicht in Dieburg immer größere Teile der Bevölkerung. Wie mehrfach berichtet, sollen nach dem Willen von Kreisschuldezernent Christel Fleischmann (Grüne) die Alfred-Delp-Schüler in wenigen Jahren in die heutige Goetheschule umziehen und die Goetheschüler in einen Neubau auf der Leer wechseln. Für die Delp-Schüler sollen im Quartier rund um Goethe- und Schillerstraße sowie Schwimmbadweg zusätzliche Parkplätze geschaffen werden, nach dem Wunsch des Kreises derzeit noch auf dem Areal des Tennisclubs SV Blau-Gelb.

Insbesondere dadurch, aber auch durch einen neuen Standort für den in vier, fünf Jahren angepeilten Neubau der Schlossgartenhalle würde sich ein ganzes Viertel deutlich verändern. Die Positionen der in der Dieburger Stadtverordnetenversammlung vertretenen Fraktionen schwanken derzeit zwischen Ablehnung und Abwarten.

So heißt es seitens der CDU als größter der fünf Fraktionen in Dieburgs Parlament: „Wir haben bislang schlichtweg zu wenig Informationen erhalten, die uns eine öffentliche Bewertung dieses Themas erlauben.” Der Kreis Darmstadt-Dieburg habe den Austausch zum Thema zunächst „allein mit Bürgermeister Frank Haus sowie Eltern- und Vereinsvertretern“ gesucht, „wir Mitglieder der Stadtverordnetenversammlung blieben als Vertreter der Bürger lange außen vor“.

Fest stehe für die CDU: „Die Auswirkung auf das gesamte Gebiet sind immens, und dabei dürfen die Interessen und Bedenken der Dieburger nicht missachtet werden. Es gilt, genau herauszuarbeiten, welchen Vorteil die Stadt Dieburg durch diese Rochade haben soll. Die Parkplatzproblematik des Kreises jedenfalls darf nicht auf Kosten der Bürger geklärt werden.“

Abiplakate an der Alfred-Delp- und Landrat-Gruber-Schule

Die Dieburger Grünen, die auf lokaler Ebene derzeit eng mit der CDU zusammenarbeiten, im Kreisparlament allerdings mit SPD und FDP koalieren, klingen ähnlich. „Wir können noch nicht beurteilen, ob der Schultausch Sinn macht oder nicht“, sagt Grünen-Fraktionsvorsitzende Dr. Helena Schwaßmann. „Es gibt bisher ja nur vage Pläne, das ist noch keine ausgereifte Planung.“ Man sehe das Anliegen Fleischmanns „erstmal positiv. Vielleicht kriegen wir das ja so hin, dass sich für Dieburg daraus Vorteile ergeben.“

Auch die SPD hält sich noch bedeckt. Fraktionsvorsitzender Ferdinand Böhm betont seinerseits: „Wir wissen noch zu wenig.“ Aus rein pädagogischer Sicht halte er es indes „nicht für sinnvoll, auf der Leer die zehnjährigen Schüler mit den 20-jährigen zusammenzustecken“. Die Goetheschüler bewegen sich im Bereich von 10 bis 16 Jahren; in die Landrat-Gruber-Schule, die auf jeden Fall auf der Leer bleibt, gehen überwiegend Schüler im Alter von 16 bis Anfang 20.

Klar positioniert haben sich zum jetzigen Zeitpunkt hingegen schon Dieburgs FDP sowie die UWD. „Ich bin gegen die Rochade“, sagt Wilhelm Reuscher, Fraktionschef der Liberalen. „Wir wollen diese Rochade nicht, weil sie Folgekosten hat, die die Stadt tragen muss. Und beim SV Blau-Gelb würde man ein funktionierendes Vereinsheim abreißen und ließe dem Tennisverein nur noch Platz für sechs statt sieben Spielfelder. Es macht keinen Sinn, in ein sowieso schon eng bebautes Quartier noch etwas reinzuquetschen.“ Die UWD formuliert ihre Ablehnung wie folgt: „Die Herausforderungen und Einschränkungen im Quartier sind zu hoch, daher sind wir grundsätzlich gegen den Schultausch.“

Bilder: Martinsmarkt in Dieburg

Weitgehend Einigkeit herrscht unter den Fraktionen darin, dass der Festplatz im Schlossgarten nicht zum Dauerparkplatz für künftige Delp-Schüler werden soll, zumal er zum „Gartendenkmal Schlossgarten“ gehöre. CDU und Grüne wollen unterdessen auf der nächsten Stadtverordneten-Versammlung am 3. Mai mit einem gemeinsamen Antrag Bewegung in die komplexe Sache bringen. Spätestens dann dürften Schulrochade und mögliche Quartiersumgestaltung stärker öffentlich debattiert werden. Bisher fand der Austausch meist in internen Runden statt, was für frühe Planungs- und Ideenphasen von Projekten freilich nicht ungewöhnlich ist.

Und wie steht Bürgermeister Frank Haus dem Thema aktuell gegenüber? „Ich werde mir alles anhören“, sagt er, „wenn über den bloßen Schultausch hinaus für Dieburg ein Mehrwert entsteht, dann reden wir drüber.“ Er wünsche sich vor allem „eine gute Lösung für den Tennisverein“. Haus stellt heraus: „Wir sind froh, dass wir auch durch den Tennisverein Leben mitten in der Stadt haben und wollen ihn da haben, wo er jetzt ist.“ Er könne sich aber vorstellen, dass der SV Blau-Gelb am Schwimmbadweg dazu bereit sein könnte, „ein bisschen hoch- und runterzurutschen“, wenn dem Verein dadurch keine nennenswerten Nachteile entstünden. Der Rathaus-Chef betont: „Der Tennisclub ist mir mindestens genauso wichtig wie der Landkreis.”

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