Abschiedsfeier für Annette Krebs

Vor 23 Jahren war sie die Vordenkerin

+
„Miss Betreuung“ Annette Krebs (Dritte von links mit Enkelchen auf dem Arm) wurde nach 23 Jahren in den Ruhestand verabschiedet, bleibt der Gutenbergschule aber als Springerin erhalten. Das Foto zeigt sie im Kreise der anderen Betreuerinnen sowie mit Schulleiterin Silke Werner-Lehr (rechts).

Dieburg - „Die Arbeit mit den Kindern hat mir immer viel gegeben“, sagt Annette Krebs. Kürzlich endete mit einer Abschiedsfeier in der (neuen) Gutenbergschule eine Ära, die die Dieburgerin selbst nicht nur prägte, sondern auch mit aus der Taufe hob: Vor 23 Jahren war Krebs die erste Betreuerin der Nachmittagsbetreuung an der Grundschule auf der Leer. Von Jens Dörr 

Annette Krebs gestaltete das einst revolutionäre und inzwischen eher als Standard angesehene Angebot über diesen Zeitraum kontinuierlich mit. „Der Bedarf ist heute riesig“, sagt Silke Werner-Lehr, die Leiterin der Gutenbergschule. Dort lernen aktuell 210 Jungen und Mädchen der ersten bis vierten Klasse. „Und wir betreuen 100 Kinder“, stellt Werner-Lehr heraus, dass es sich längst um keine kleine Gruppe an Grundschülern mehr handelt, für die der Gong nach der letzten Stunde automatisch zum Nachhauseweg überleitet. „Es könnten noch viel mehr sein, die wir betreuen“, deutet Werner-Lehr an, dass die Nachfrage noch höher als das durchaus schon bemerkenswerte Angebot ist.

Von Schulschluss - egal ob der nach der vierten, fünften oder sechsten Stunde ist - bis 16 Uhr kümmern sich derzeit fünf in Teilzeit beim Landkreis Darmstadt-Dieburg angestellte Betreuerinnen sowie eine Küchenkraft um die Kinder. An fünf Tagen pro Woche können die Gutenbergschüler zudem auch schon vor Unterrichtsbeginn in der Schule sein und betreut werden. Gerade für Eltern, die früh mit der Arbeit beginnen wollen oder müssen, ist dieser Teil der Betreuung ebenfalls von Bedeutung. Der Begriff „Nachmittagsbetreuung“ bildet damit nur den späteren, gleichwohl größeren Teil der Betreuungszeiten ab.

Was sich inzwischen fast selbstverständlich anfühlt – Kinder gehen nicht nur für Unterricht und Pause in die Schule, sondern auch zum Essen, Spielen und Hausaufgabenmachen besonders nach Unterrichtsende –, war es vor 23 Jahren nicht. Damals ging die Einführung der Betreuung an der Gutenbergschule auf eine Elterninitiative zurück. Und Annette Krebs wurde nicht nur die erste Betreuerin, sondern auch prägende Kraft: „Ich habe es aufgebaut“, blickt sie zurück. „Im Pavillon hatte ich einen Saal“, spielt sie auf längst nicht mehr existierende Räumlichkeiten noch auf dem alten Gutenbergschul-Gelände an. „Ich hatte 20 Kinder, Stifte, Bücher und ein Gesellschaftsspiel“, erinnert sie sich lächelnd an die Anfänge. Daraus erwuchs das tägliche Angebot mit mittlerweile fünfmal so vielen Schülern und Betreuerinnen.

Krebs selbst, die praktischerweise neben der (alten) Gutenbergschule wohnt, brachte über die mehr als zwei Jahrzehnte hinweg auch persönliche Leidenschaften ins Betreuungsangebot ein. Die passionierte Marathonläuferin, die schon Hessenmeisterin ihrer Altersklasse wurde, veranstaltete etwa Lauf-AGs, bereitete Schüler auf den „Dieburger Stadtlauf“ vor und achtete generell stark darauf, dass sich die Kinder am Nachmittag möglichst viel draußen bewegen. Wobei es nicht immer nötig sei, den Grundschülern in der Betreuung ein besonderes Programm zu bieten, wie Krebs aus Erfahrung weiß: „Für ein Kind ist es oft schon schön, wenn jemand einfach nur da ist.“

Ganz aus den Augen verlieren werden Kids, Eltern und Kolleginnen Annette Krebs auch in Zukunft nicht: „Als Springerin bleibe ich gern erhalten“, verspricht die 65-Jährige, die nun das Rentenalter erreicht hat. Neben einer Abschiedsfeier mit Betreuerinnen, Schulleitung, Lehrerkollegium und Familienangehörigen widmeten einige Tage zuvor auch die Gutenbergschüler selbst ihren freitäglichen Wochenabschluss-Kreis ihrer „Miss Betreuung“.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare