Schulleiterin Gabriele Kregelius geht

Abschiedsfeier wird zur Herzensangelegenheit

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Die Entlassungsurkunde bekam Gabriele Kregelius aus den Händen von Schulamtsleiter Dieter Eitel.

Dieburg - Manchmal haben lange Reden keinen Sinn: Zum einen, weil schon fast alles gesagt wurde, zum anderen, weil andere Dinge wichtiger sind. Von Michael Just

„Ich will auf jeden Fall noch mit den Schülern feiern und mich verabschieden“, sagt Gabriele Kregelius bei ihrer Abschiedsfeier am Dienstag. Die Schulleiterin der Gustav-Heinemann- Schule (GHS) geht zum Jahresende in den Ruhestand.

Es waren vor allem ihre Schüler, denen die Zuneigung der 64-Jährigen stets galt und die sie ohne Wenn und Aber in den Mittelpunkt stellte. Nun hieß es in feierlicher Runde Abschied nehmen. Die GHS ist eine Schule mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung. Für die Kollegen und vor allem für die praktisch bildbaren Schüler ist das Ausscheiden von Kregelius kein leichter Wendepunkt.

Die Feier für Gabriele Kregelius wollte an der Gustav-Heinemann-Schule niemand verpassen. Das Kollegium sang zum Abschied.

Das gilt auch für die Otzbergerin selbst: Zum einen hat sie zwar immer die Zeichen der Zeit erkannt und ihnen offensiv ins Gesicht geschaut, andererseits lässt sich der 13-jährige Lebensabschnitt an der GHS nicht so einfach wegrücken.
Das machte das über zweistündige Abschiedsprogramm deutlich, in dem sich Schüler und Kollegium für die beliebte Schulleiterin ins Zeug legten. „Sie hat ein natürliches Geschick, auch mit schwierigen Kindern umzugehen und ihnen Geborgenheit und Vertrauens zu geben. Dabei ist sie durchaus in der Lage konsequent zu sein und zu freiwilliger Disziplin zu erziehen“, lobte Schulamtsdirektor Dieter Eitel. Auch Hartnäckigkeit gehöre zu ihr: „Es war gar nicht leicht, ihre Wünsche immer gleich zu erfüllen.“ Bürgermeister Werner Thomas erinnerte daran, dass Kregelius die breitgefächerte Dieburger Schullandschaft mitgeprägt hat.

Zwei große Stationen

Der Lebenslauf der geborenen Thüringerin hatte zwei große Stationen: Von 1968 bis 1999 in Kassel vorrangig an der August-Fricke-Schule und ab 1999 an der GHS. Kregelius begann als Erzieherin für praktisch bildbare Kinder. Es folgten Studiengänge für Sozialpädagogik, Lehramt und Sonderpädagogik. Die GHS hat sie entscheidend mitgeprägt und ihr zu einer dynamischen Entwicklung verholfen. Sie richtete eine Aufnahme- und Beobachtungsstufe für Schüler ein und schaffte es als erste Sonderschule, zusätzliche Hilfskräfte für jede Klasse zur Förderung ihrer Schützlinge zu bekommen.

Sie installierte die ersten Elternarbeiten (Fahrrad AG) und brachte mit den Referendaren die Schule, etwa mit der Bücherei, voran. Auch das heilpädagogische Reiten gehörte dazu. Mit einem jährlichen Kalender und Kunstausstellungen zeigte sie die Kreativität der Kinder. Das Engagement von Kregelius dankte ihr einmal eine Schülerin, indem sie ein Kaninchen an anderer Stelle entwendete und ihr schenkte.

So entpuppte sich die Abschiedsfeier als Herzensangelegenheit: Die Schülern sangen, musizierten und spielten Theater. Dankesworte kamen vom Personalrat, dem Förderverein oder der Elternschaft. „Es ist ein harter Schluss, weil ich aus Dieburg muss. So schlage ich Dieburg aus dem Sinn und wende mich dem Otzberg hin“, sang das 35-köpfige Kollegium. „Was macht Gabriele Kregelius im Ruhestand?“, fragte man sich danach. „Ich werde Märchenerzählerin“, kündigte die scheidende Schulleiterin an und gab gleich darauf mit ihren Schülern eine Kostprobe zum Besten.

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