Abschschlussprüfung der Floristen an der LGS

Keine rosigen Aussichten

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Für viele ist der Beruf des Floristen ein Traumjob, andere orientieren sich jedoch neu. Noch ein letzter Handgriff am Gesteck zum Thema Wasser und die beiden jungen Damen sind zufrieden.

Dieburg - Ihre Prüfung haben die zwölf Floristinnen der Landrat-Gruber-Schule (LGS) zwar hinter sich gebracht, aber das Ergebnis kennen sie noch nicht. Folglich sind die jungen Damen, die nun im Garten des Dieburger Kapuzinerklosters auf ihre Noten warten, aufgeregt. Von Ulrike Bernauer 

Auch die zahlreichen Gäste der Freisprechungsfeier spüren die Spannung und werden selber ganz nervös, als die Prüflinge bald alle verschwinden. Von ferne hören sie plötzlich ein lautes Gebrüll und damit ist klar, was sich später bestätigt: Alle haben ihre Prüfung geschafft und sind nun Floristinnen.

An dem brütend heißen Tag hatten die zwölf Prüflinge zahlreiche Aufgaben zu erfüllen. „Wir mussten einen Strauß binden, Vorgabe war nur, dass wir für 35 Euro einkaufen durften. Zusätzlich war ein Gesteck zu fertigen, Thema war eines der vier Elemente, ich habe mir die Erde gewählt“, erzählte Mona Eisinger aus Heppenheim. Ihr Gesteck fand seine Basis folglich in einer braunen Schale und auch die Blumen, die sie verwendete, waren nicht von großer Strahlkraft, sondern eher gedeckt von den Farben.

Ganz anders sahen hingegen die Gestecke von Jasmin Zinecker, 20 Jahre aus Bensheim, und Yasmin Pfeifer, 23 Jahre aus Lindenfels, aus. Hier herrscht die Farbe weiß vor und statt einem geerdeten Eindruck ist war das Gesteck eher flattrig. Das ist gewollt, schließlich hatten sie sich das Element Luft ausgesucht. Neben vielen weißen und hellblauen Blumen waren dort Bänder eingearbeitet, die mittels eines kleinen Ventilators auch richtig zum Fliegen kommen.

Floristische Karriere beendet

Weitere Prüfungsaufgaben waren, eine Schale zu bepflanzen und sich mit Heilkräutern zu beschäftigen. Zum Thema „gesellschaftliche Anlässe“ durften die jungen Damen ebenfalls arbeiten. Dabei galt es beispielsweise einen Brautstrauß oder einen Trauerkranz zu binden.

Für einige endete mit diesem Tag auch ihre floristische Karriere. Jasmin Zinecker beispielsweise hat bereits einen Job bei Intel in Bensheim. „Ich werde noch nebenher floristisch arbeiten, weil mir der Beruf eigentlich Spaß macht. Aber die Bezahlung ist einfach sehr schlecht und auch die Arbeitszeit von 8 bis 18 Uhr gefällt mir nicht“, sagte sie. Einige der frisch gebackenen Floristinnen gehen weiterhin auf die Schule und machen ihr Fachabitur.

Yasmin Pfeifer ist noch auf der Suche. „Ich würde trotz der schlechten Bezahlung gerne in dem Beruf bleiben, aber ich habe noch keine Stelle gefunden. Die Betriebe suchen zwar schon Floristinnen, aber meist mit Berufserfahrung“, bedauerte sie. Mona Ensinger hingegen bleibt Floristin, sie hat bereits eine Stelle und sagte ganz klar: „Der Beruf ist einfach meins.“

Mit ihrer Ausbildung an der LGS waren alle drei zufrieden. „Wir haben viel gelernt“, war das Fazit aller. Die Zukunft des floristischen Berufes beurteilte auch Britta Schäfer, Fachlehrerin an der LGS, durchaus nicht als rosig. Konkurrenten seien die Discounter, bei denen man billig Sträuße erwerben kann, um sie selbst in einer Vase zu drapieren. „Viele engagieren lediglich zu besonderen Gelegenheiten einen Floristen. Zur Hochzeit oder zum Jubiläum darf es dann ein professionell gebundener Strauß sein“, so die Fachleiterin.

Lange Arbeitszeiten und schlechte Bezahlung

Ein weiteres Problem in diesem Beruf seien die Arbeitszeiten. Zusätzlich zum Verkauf kämen da noch die frühmorgendlichen Einkäufe gegen 5 Uhr auf dem Großmarkt hinzu. Zudem müssten Floristen auch sonntags oder am Feiertag arbeiten.

Die geringe Attraktivität des Berufes schlägt sich mittlerweile auch in den Anmeldezahlen an der LGS nieder. Im nächsten Jahr wird mit 18 angehenden Floristen noch eine starke Gruppe zur Prüfung kommen, im Jahrgang darauf drücken nur noch acht Auszubildende die Schulbank. „Ich weiß nicht, wo sich das hin entwickelt“, bedauerte Schäfer, „aber ich hoffe, dass es immer Menschen gibt, die die Beschäftigung mit Blumen als schön empfinden.“ Am Abend der Prüfung gab es allerdings nur glückliche Gesichter: Die frischen gebackenen Floristinnen strahlten ob der bestandenen Prüfung und die zahlreichen Besucher im Kapuzinergarten ließen sich von den schönen Sträußen und Gestecken ein Lächeln ins Gesicht zaubern.

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