An Äla-Front gibt‘s nur Gaudi-Kämpfe

+
Bei der „Truppen-Mobilisierungsübung“ wurde niemandem etwas geschenkt: Angelehnt an den militärischen Drill der Preußenzeit musste durch den Schlamm gerobbt und auch viel Muskelkraft bewiesen werden.

Dieburg - „Ich bin geneigt zu sagen, wir sind in unserem Element!“, stellte Hubert Olbrich am Freitagabend ohne jeden Zweifel fest. Wer die Prinzengarde kennt, der weiß, dass ihr Vorsitzender bei der Festeröffnung anlässlich des 60-jährigen Jubiläums der blau-weißen Truppe keinesfalls irrte. Von Michael Just

Die 203 Mitglieder, von denen 74 Uniformträger sind, verstehen es zu feiern und kennen trotz der Büchse auf ihren Schultern nur die pazifistische Äla-Front. Ihre Waffen sind durchweg stumpf, das Herzblut gehört der guten Laune und Geselligkeit. So erwartete die Dieburger zum runden Geburtstag gleich an drei Tagen ein großes Fest.

Das ging mit einem besonderen „Alleinstellungsmerkmal“ einher, denn auf das ehemalige Lagergelände vom „Ennersche Karl“ auf der Leer wurde noch nie öffentlich eingeladen. „Wir feiern regelmäßig da, wo vorher noch nie ein Fest stattgefunden hat. Das war damals am Landratsamt genauso“, erinnerte Olbrich.

Mehr Bilder vom Garde-Geburtstag:

Prinzengarde feiert Geburtstag

Mit den Klängen des Dieburger Fanfarenzuges und einem schmissigen „O´zapft is“ der Festwirte Rita und Alois Ostner präsentierte sich der Bieranstich. Bürgermeister Dr. Werner Thomas war von dem Areal so begeistert, dass er den Wunsch äußerte, das adrette Gelände im Grünen möglichst bald in einen Biergarten zu verwandeln. Aus dem Herzen aller Anwesenden sprach er, als er die Verstorbenen Markus „Koffer“ Weber und den Gründer der Aubergenviller Musketiere, Robert Jaegle, in Erinnerung rief.

Stadtverordnetenvorsteher Harald Schöning lobte den enormen Anteil der Prinzengarde an der Völkerverständigung mit der französischen Partnerstadt. Weitere Glückwünsche kamen von KVD Präsident Friedel Enders und einer nicht kleinen Zahl von Vereinsvertretern. Die große Sorge am Freitagabend, dass die Garde nach dem Bieranstich nichts trinken kann, weil sie im Dienst ist, erwies sich schon bald als unbegründet. Das hätte auch nicht zur guten Stimmung mit der Tanzdarbietung des „Trio Intimo“ und den Musikern von „Bee Flat“ gepasst.

Stimmung pur mit Live-Musik im Festzelt gab es an zwei rauschenden Abenden.

Die größte Gaudi spielte sich am Samstag während der „Truppen-Mobilisierungsübung“ ab. Dafür hatte sich das Orga-Team einen Hindernis-Parcours für die insgesamt 15 Teams ausgedacht. Angelehnt an den militärischen Drill in der Preußenzeit musste an acht Stationen unter anderem durch Schlamm gerobbt, eine dreiteilige Kletterwand überwunden oder ein Bierfass möglichst weit geworfen werden. In einem Kinderplanschbecken waren mit einer Taucherbrille, der man die Gläser zugeklebt hatte, Ringe vom Boden aufzuheben. Kurz gesagt: Wer sich nicht gern dreckig und nass macht, war hier fehl am Platz.

Die französische Fremdenlegion hätte an der „Rödelbahn“ wohl ihre helle Freude gehabt. Für die größtenteils untrainierten Fastnachts-Freunde wäre fast ein Sauerstoff-Zelt wegen der aufkommenden Schnapp-Atmung nötig gewesen. Mächtig außer Puste zeigte sich nach der martialisch anmutenden Kletterwand, die oft nur mit viel „Schubkraft“ am Po durch die Kollegen zu überwinden war, auch der diesjährige Fastnachtsprinz Gerald Grohe: „Das war nicht ohne“, befand der 44-Jährige. Zwar habe er für den Auftritt mit dem „Trio Intimo“ ein hervorragendes Gardetanztraining absolviert, „aber sonst nix“ für die Truppenmobilisierungsübung getan. „Dafür war`s hart“, gestand er in horizontaler Lage.

Garde isst und trinkt - aber sie übergibt sich nicht

Ein langer Samstagabend mit den „Hinnergassebuwe“ und „Jukebox“ bot dann aber reichlich Gelegenheit zur Entspannung für die geschundenen Körper. Den ersten Platz in der Abschlusswertung holten sich die Ringer des ASV Dieburg vorm Team „Asbach I“ (Dieburger Musikanten). Einen sehr beachtlichen vierten Rang konnte mit Simone Herrmann, Ina Schuhmann, Kristin Pitzen und Bettina Oberhuber ein reines Damenteam verbuchen. Als Preise waren unter anderem Karten für die Fastnachtssitzungen, das Kikeriki-Theater und Restaurantgutscheine ausgelobt.

Das nächste große Jubiläum der Prinzengarde wird vermutlich mit dem 70. oder dem 66. Geburtstag anstehen. Daran will man trotz der heiteren Kampfeslust jetzt noch nicht denken. „Es gibt keinen Zwang und keinen Druck. Generell feiern wir, wie es uns beliebt“, so Vorsitzender Hubert Olbrich trocken.

Zu der Tatsache, dass sich die zackige Truppe niemals das Heft aus der Hand nehmen lässt, könnte ihr Motto kaum besser passen: „Die Garde isst und trinkt - aber sie übergibt sich nicht.“

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare