Gegendemo wird dennoch stattfinden

AfD sagt Demonstration in Dieburg ab

Dieburg -  Der politische „Super-Dienstag“ in Dieburg dürfte eine Spur ruhiger ablaufen als befürchtet: Die AfD hat ihre Demonstration zum Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel abgesagt. Von Ralf Enders

Dieburgs Bürgermeister Frank Haus (parteilos) hat am Wochenende mitgeteilt, dass die Partei AfD ihre geplante Demonstration in Dieburg anlässlich des Wahlkampfauftritts von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am morgigen Dienstag (23. Oktober) per E-Mail abgesagt hat. „Wir gehen daher davon aus, dass es zu keiner Demonstration der AfD in Dieburg kommen wird“, sagte Haus. Und: „Über die Hintergründe der Absage liegen mir keine Erkenntnisse vor.“ AfD-Landessprecher Robert Lambrou bestätigte am heutigen Montag die Absage: "Angesichts der seit Wochen gegen uns laufenden Diffamierungskampagne hatten wir die Befürchtung, dass sich linke Provokateure unter die AfD-Demonstranten mischen und etwa den Hitlergruß zeigen. Dieses Risiko wollten wir nicht eingehen." Aus dem gleichen Grund habe seine Partei auch eine geplante Demonstration in Fulda abgesagt, wo Merkel am Donnerstag auftritt.

Als "Quatsch" bezeichnete Lambrou die Darstellung seines Parteifreundes und stellvertretenden AfD-Sprechers im Kreis Darmstadt-Dieburg, Sascha Loppnow, man habe befürchtet, der Verfassungsschutz habe NPD-Leute in die Dieburger Demonstration einschleusen wollen, um mit dem Hitlergruß Aufmerksamkeit zu erregen. Bürgermeister Haus geht davon aus, dass die geplanten Straßensperrungen auf der „AfD-Strecke“ Hinter der Schießmauer – Anwohner waren per Wurfsendung informiert worden – aufgehoben werden können. Näheres sollen Besprechungen auch mit der Polizei am heutigen Montag ergeben. Die Kreisverkehrsgesellschaft Dadina hatte zudem Umleitungen des Busverkehrs Hinter der Schießmauer angekündigt. Inwieweit diese aufrechterhalten werden, ist ebenfalls noch unklar.

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Zu Behinderungen rund um die Römerhalle wird es auf jeden Fall kommen. Mediziner im benachbarten Ärztehaus in der Zentturmstraße und der Penny-Markt direkt gegenüber der Halle denken zumindest über zeitweilige Schließungen nach.

Der Ortsverband Dieburg des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) erfuhr durch unsere Zeitung von der Absage. Er hat eine Gegendemonstration von 17 bis 20 Uhr in der Zentturmstraße geplant. Wie die Vorsitzende Hülya Lehr gestern nach einer kurzen Beratung mit ihrem Vorstand dem Dieburger Anzeiger sagte, werde diese trotz der AfD-Absage stattfinden – „jetzt erst recht“. Lehr zeigte sich äußerst erfreut über die gestrichene Demo der Rechtspartei: „Die hatten erst mit 1 000 Teilnehmern gerechnet, dann mit 500. Dann haben sie gemerkt, dass wohl kaum Leute kommen und es eine starke Gegendemo geben wird. Wir haben unser Ziel erreicht. Dieburg und der Kreis Darmstadt-Dieburg sind so stark im Kampf gegen die AfD, das ist wunderbar“, sagte Lehr.

Tausende bei Protesten gegen Rechts und gegen Flüchtlinge

Wasserwerfer bringen sich in Chemnitz in Stellung. Foto: Ralf Hirschberger
Rund 4500 Menschen nahmen an einem Marsch von AfD, Pegida und Pro Chemnitz teil. Foto: dpa
Polizisten schirmen die Demonstration von AfD, Pegida und Pro Chemnitz ab. Foto: Ralf Hirschberger
"Herz statt Hetze": Ein Teilnehmer der Kundgebung des Bündnisses Chemnitz Nazifrei hält ein Schild in Herzform hoch. Foto: Monika Skolimowska
Tausende bei Protesten gegen Rechts und gegen Flüchtlinge

Zur Teilnahme an der DGB-Gegendemo haben am Wochenende auch der Pfarrgemeinderat der katholischen Gemeinde St. Peter und Paul und der Eine-Welt-Verein Dieburg aufgerufen. „Unserer Meinung nach ist ein christliches Weltbild, das durch Toleranz, friedliches Miteinander, Menschlichkeit und der Forderung nach sozialer Gerechtigkeit geprägt ist, nicht mit Prämissen der AfD zu vereinbaren“, schrieb Lothar Oberle, Vorsitzender des Pfarrgemeinderates, „ohne parteipolitisch werden zu wollen“. Und Gertrud Meyer-Sauerwein, die Vorsitzende des Eine-Welt-Vereins, betonte, der Verein nehme an der Demonstration teil, weil er sich „gegen Intoleranz, Ausgrenzung und Fremdenhass“ stelle. Zudem dürften sich auch Linken-Anhänger anschließen, denn der Bundestags-Fraktionschef Diemar Bartsch, der hessische Spitzenkandidat Jan Schalauske und der Kandidat im heimischen Wahlkreis 52, Tim Dreyer, sind um 15 Uhr bei einer Wahlkampf-Veranstaltung auf dem Marktplatz.

Der Besuch von Merkel ab 19 Uhr (Beginn 18 Uhr) in der Römerhalle dient der Unterstützung des CDU-Landtagsabgeordneten und Landesgeneralsekretärs Manfred Pentz aus Groß-Zimmern. Auch Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier und die Generalsekretärin der Bundes-CDU, Annegret Kramp-Karrenbauer nehmen daran teil.

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa (Symbolbild)

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