Afrikanisches Äla-Outfit made in Gambia

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Eine Gambierin mit den Stoffen, aus denen die Kostüme der Bousedrescher gefertigt wurden.

Dieburg ‐ „Mit viel Schwung und Äla - mache mer uff Gambia!“ – so lautet das diesjährige Motto der Fastnachtsgruppe Bousedrescher für den großen Umzug am Fastnachtsdienstag. Denn die Gruppe Dieburger Narren machte sich im Vorfeld der diesjährigen Kampagne nicht „nur” Gedanken um eine Kostümierung, die gut aussieht. Von Jens Dörr

Vielmehr haben wir uns Gedanken um ein ganzheitliches Konzept gemacht, das wir verwirklichen wollten“, heißt es aus der Gruppe, in der die Mitglieder gleichberechtigt und ohne Vorstand auskommen und deshalb stets auch gemeinsam zitiert werden wollen.

Um sich Anregungen zu holen, besuchte man im vergangenen Jahr also das „Dieburger Fest der Kulturen“, das seine Premiere im Fechenbach-Park feierte (der DA berichtete). „Dort haben wir direkt den Kontakt mit den Betreibern eines afrikanischen Verkaufsstands aufgenommen“, verraten die Bousedrescher. Dabei stellte sich heraus, dass die Dieburgerin Hilde Guttandin mit einem Lebensgefährten aus Gambia zusammenlebt, der noch Kontakte zu seiner dortigen Familie und zu Freunden pflegt.

Zur Fastnacht 55 Gewänder aus Gambia eingeflogen

Ein Anfang war gemacht, denn die Idee, sich am Fastnachtszug 2010 mit Original-Gewändern aus dem kleinsten Flächenstaat Afrikas zu präsentieren, fand raschen Anklang auch bei Guttandin. Anschließend beschäftigten sich die Bousedrescher unter Mithilfe von Karl Cronauer zunächst eingehend mit dem afrikanischen Land, lernten, dass die Lebenserwartung einer Frau dort nur 52 Jahre beträgt, 40 Prozent der Menschen weder lesen noch schreiben können, das Land aber zumindest entfernt ist von der allergrößten Armut – also niemand hungern oder frieren muss. Hintergrundwissen, denn auch der entwicklungspolitische Gedanke sollte in die diesjährige Narretei der Bousedrescher eingebaut werden.

Zuerst hatten wir damit kalkuliert, 30 Gewänder, die exakt so auch von den Gambiern getragen werden, produzieren zu lassen“, sagt die Gruppe. Die Idee kam allerdings so gut an, dass sich rasch auch passive Mitglieder entschlossen, ein Gewand von den Afrikanern herstellen zu lassen. Auch das eine oder andere neue Mitglied könnten die Bousedrescher durch ihre Aktion unter Umständen gewinnen. Ergebnis auf jeden Fall: Im November des vergangenen Jahres reiste Guttandin mit ihrem Lebensgefährten zum wiederholten Male nach Gambia – diesmal aber mit dem Auftrag, die stolze Zahl von schließlich 55 Gewändern für die Dieburger Fastnacht nähen zu lassen. Rund 100 Kilogramm Stoff kaufte Guttandin vor Ort - „alles sollte ja genau so gestaltet werden wie bei der Original-Kleidung der Gambier“, so die Gruppe.

„Kann sein, dass da das ganze Dorf        mitgearbeitet hat“

Dann allerdings kam etwas dazwischen, dass die Bousedrescher nicht eingeplant hatten: Im Zeitraum von Guttandins Besuch fand in Gambia ein hoher Festtag statt, in dessen Vorfeld sich etliche Einwohner neue Kleider nähen lassen. Das ging vor, im Land an Afrikas Westküste – der Auftrag aus Dieburg konnte jedenfalls erst nach acht Tagen begonnen werden. Sechs blieben übrig, da Guttandin zwei Wochen für ihren Aufenthalt eingeplant hatte. Am Ende seien die letzten Kostüme noch in aller Eile zum Flughafen gebracht worden – die Näher aus dem Dorf, das Guttandin besuchte, bekamen letztlich aber alle Gewänder fertig. Wofür sie natürlich gut entlohnt worden seien, wie die Bousedrescher betonen. Wie viele fleißige Hände an der Arbeit mitwirkten, habe man nicht in Erfahrung bringen können. „Kann sein, dass da das ganze Dorf mitgearbeitet hat“, sagt die Gruppe.

Damit das Ganze besonders authentisch wird, verzichten die Bousedrescher beim Umzug diesmal auch auf das Werfen von Bonbons. „Stattdessen verteilen wir Erdnüsse, das Hauptexportprodukt Gambias mit seinen 1,6 Millionen Einwohnern“, teilt die Gruppe mit. Die hatte im Übrigen bereits im vergangenen Jahr für Aufsehen gesorgt: Da waren die Bousedrescher mit 33 original mittelalterlichen Kostümen und den dazugehörigen Trommeln lautstark durch das fastnachtliche Dieburg gezogen.

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