Alarmierender Weihrauch

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Die Sternsinger "on tour": In den vergangenen Tagen waren rund 40 Kinder als Heilige Drei Könige für den guten Zweck in Dieburg unterwegs.

Dieburg ‐  „Vorgestern war es schon ein bisschen anstrengend. Da habe ich abends in der Badewanne gelegen und die Füße von mir gestreckt“, sagt Nils (8). Für die gute Sache aber nimmt der Schüler ein bisschen Muskelkater gerne in Kauf. Er gehört zu den zehntausenden von jungen Sternsingern, die diese Woche in Deutschland von Haus zu Haus zogen. Von Michael Just

Die Spenden gehen wie in jedem Jahr an das Kindermissionswerk in Aachen, das damit Projekte in der Dritten Welt unterstützt. 2010 heißt das Motto „Kinder gehen neue Wege“, ein Großteil der Erlöse ist für den Senegal bestimmt.

In Dieburg waren rund 40 Kinder in mehreren Gruppen von Sonntag bis Mittwoch unterwegs. Gestern standen die öffentlichen Einrichtungen wie Krankenhaus oder Rathaus auf dem Programm. Mehr als 300 Haushalte baten um einen Besuch, weitere kamen dazu, als Dieburger die Sternsinger auf ihrer Tour sahen und spontan ins Haus winkten. Rund 25 bis 30 Stationen schafft eine Gruppe im Tagesdurchschnitt. „Die angelaufenen Haushalte sind in den letzten Jahren leicht angestiegen“, sagt Gemeindereferentin Claudia Schöning von der Pfarrgruppe Dieburg. Von Wirtschafts- und angeblicher Glaubenskrise sei zumindest bei den Sternsingern nichts zu merken.

Ich mache mit, weil ich armen Kindern helfen will. Dazu begrüßen uns die Leute alle so nett“, sagt Mareike (13). Die Königsgewänder, die getragen werden, haben Mütter über viele Jahre hinweg genäht und so einen großen Fundus geschaffen. Nur die Kronen erweisen sich als nicht allzu robust: „Da sie nicht aus echtem Gold sind, leiden sie manchmal ein wenig“, weiß Schöning.

Um möglichst authentisch zu wirken, haben die Sternsinger sogar Weihrauch dabei. Der testete Anfang dieser Woche unfreiwillig die Funktion eines Rauchmelders, der bei einer Familie an der Decke im Wohnzimmer hing. „Das war ziemlich laut, die Feuerwehr kam zum Glück aber nicht“, blickt ein Sternsinger zurück.

Für ihren Einsatz werden die neuzeitlichen Könige sowohl von ihren Eltern als auch den Menschen, in dessen Häuser sie einkehren, großzügig versorgt: „Wir haben Mütter, die für die Kinder Mittagessen und Kaffeetrinken machen. Eine Mutter kocht heute Nudel mit Tomatensauce, eine andere backt seit zehn Jahren immer sieben Bleche mit Pizza“, erzählt Schöning.

Gestern Abend wartete zudem für alle Teilnehmer als kleines Dankeschön noch ein großes Abschlussessen mit einem Gericht aus dem Senegal. Das Rezept entstammt der umfangreichen Broschüre, die das Kindermissionswerk zu jeder Sternsingeraktion mit Landes- und Projektinfo aber auch Spielen und Rezepten anfertigt. Zum Nachtisch wartete vermutlich noch etwas Süßes, denn für ihren bekannten Segenswunsch „20*C+M+B* 10“, den die Kinder über die Türen schrieben, wurden sie auch in diesem Jahr großzügig entlohnt.

So war zum Teil wie beim Nikolaus ein großer Sack nötig, um all die Schokolade, Bonbons, Plätzchen und sonstigen Plombenzieher zu verstauen. Bei bis zu drei Dutzend Haushalten pro Tag kommt da einiges zusammen. Abends wurde alles auf einen Tisch gelegt und innerhalb der jeweiligen Gruppe verteilt. „Jeder nimmt das mit, was er tragen und essen kann. Manchmal wundert es schon, was einige verputzen können“, erzählt Schöning.

Dennoch bleibt nicht wenig übrig. Was noch gut verpackt ist und keinen Alkohol enthält, geht zur Dieburger Tafel. Unter das Alkoholverbot fallen etwa Pralinen: „Die bekommen dann die Gruppenleiter“, sagt die Gemeindereferentin schmunzelnd und erinnert an den Eierlikörlebkuchen, der auf sie wartete.

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