Allein VW gibt sechs Arbeitslosen eine Stelle

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Einige Teilnehmer des Projekts „Ich lebe und arbeite in Dieburg“ vorm Rathaus. Sie freuen sich mit Bürgermeister Dr. Werner Thomas, Sylvia Tautz von der Wirtschaftsförderung (neben ihm) und Ute Thiesen (vorne Mitte) von der Kreisagentur für Beschäftigung über die Erfolge.

Dieburg ‐   Am Anfang nannten sie sich so, am Ende waren sie es: 34 Arbeitssuchende fanden sich im August 2010 unter der Leitung der Kreisagentur für Beschäftigung zusammen und gründeten - aufgeteilt in zwei Gruppen - das „Erfolgs-Team“. Von Jens Dörr

So nennt auch Ute Thiesen von der Kreisagentur die Männer und Frauen meist mittleren Alters, wenn sie über das Projekt ihres Hauses spricht, das da eigentlich heißt: „Ich lebe und arbeite in Dieburg.“ Das erstaunliche Resultat nach rund sieben Monaten gemeinsamer Anstrengung: 30 der 34 Personen fanden eine Arbeit, bei elf reicht deren Erlös aus, dass sie heute gänzlich unabhängig von den Transferleistungen der Arbeitsagentur sind.

„Erfolgs-Team“ trifft es auch, weil die Vermittlungszahlen die besten überhaupt seien, vergleiche man Dieburg mit vorangegangenen, ähnlichen Projekten im Kreis, meinte Thiesen bei einem Pressegespräch im Rathaus.

Versuche gab es bislang unter anderem in Babenhausen und Messel, aktuell läuft das neunmonatige Projekt auch in Pfungstadt. Wichtig sei der Netzwerkgedanke und die intensive Zusammenarbeit mit dem Wohnort der Projektteilnehmer, die allesamt aus Dieburg kommen: „Die Stadt hat ein Netzwerk und jeder bringt zugleich ein eigenes Netzwerk mit“, erläuterte Thiesen. Natürlich habe das auch die Kreisagentur, die sich letztlich aber nicht so detailliert wie die entsprechende Stelle einer Stadtverwaltung mit der lokalen Wirtschaft auskenne.

Wo sind die Perspektiven in Dieburg?

In Dieburg pflegt besonders Sylvia Tautz von der vor einiger Zeit von Bürgermeister Dr. Werner Thomas eingerichteten städtischen Wirtschaftsförderung den Kontakt zu den Arbeitgebern vor Ort. Den vertieft sie - gemeinsam mit Thomas - etwa bei Betriebsbesichtigungen, Gesprächen und dem Unternehmer-Treff.

Tautz brachte in diesem Zusammenhang Tipps ein, wo die Arbeitssuchenden speziell in Dieburg eine berufliche Perspektive haben könnten. Von den 30 Personen, die - durch eigenen wie städtischen Einsatz sowie das Engagement der Kreisagentur - neben Vollzeitstellen auch Teilzeitbeschäftigungen und 400-Euro-Jobs recherchierten und angeboten bekamen, arbeitet(e) etwa die Hälfte für Dieburger Unternehmen. Sechs Personen kamen allein bei der Volkswagen Original Teile Logistik im Industriegebiet-Nord unter.

Auch Langer-Umzüge und die Bäckerei Schellhaas zählen zu den Arbeitgebern in der Stadt, die „Ich lebe und arbeite in Dieburg“ vom Arbeitstitel zur Realität machen. Die in neue Jobs Gekommenen arbeiten unterdessen auch im IT-Bereich, der Produktion oder als Zugbegleiter bei der VIAS (unter anderem Odenwald-Bahn), die nach wie vor neue Mitarbeiter - beispielsweise Disponenten und Werkstattmitarbeiter - sucht.

Kritik an Leiharbeitern und billigen Aushilfen

Während das Projekt, dessen Kosten Thiesen nicht bezifferte also sehr erfreulich verlief, machten sich einige der Teilnehmer dennoch Luft. Manche, die allerdings nur ungern ihren Namen nennen wollten, haben bereits viele schlechte Erfahrungen auf dem Arbeitsmarkt gemacht. Eine 28-jährige Einzelhandelskauffrau aus Dieburg schilderte beispielsweise, sie habe zwei Stapel Bewerbungen erfolglos verschickt, obwohl ihre Unterlagen fehlerfrei gewesen seien und sie ihre Ausbildung sogar in verkürzter Zeit abgeschlossen habe. „Ich bin wohl zu teuer“, schimpfte sie und verwies in diesem Zusammenhang auf den Einsatz von zu vielen unqualifizierten, billigen Aushilfen und auf die Leiharbeit. Die war auch einigen anderen ein Dorn im Auge, wie sich herausstellte. In diesem Punkt waren die Projektteilnehmer anderer Ansicht als Projektleiterin Ute Thiesen.

Sie wies darauf hin, dass auch bei den Treffen der Gruppe sehr kontrovers diskutiert worden sei: „Frust rauslassen war ein ganz wichtiger Aspekt“, sagte sie.

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