„Als Dieburger geht man ins Dieburger Bad“

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Sommer satt: Knackig voll war es in den vergangenen Tagen in Dieburger Freibad. Bisher waren die Besucherzahlen wegen des wechselhaften Wetters eher mäßig. Wenn der August aber hält was er bisher verspricht, könnten die Zahlen des vergangenen Jahres erreicht werden.

Dieburg - Knackig voll ist es am Donnerstagnachmittag im Dieburger Freibad. Im Wasser tummeln sich Schwimmer und Springer und das Kinderbecken wimmelt nur so von fröhlichen kleinen Wassergeistern. Von Ulrike Bernauer

Wenn die Temperatur um ein Grad steigt, dann haben wir bestimmt hundert Gäste mehr im Bad“, sagt Bademeister Holger Stahl. „Bei 25 Grad und bewölktem Himmel haben wir nur relativ wenig Badegäste, obwohl das eigentlich warm genug wäre.“ An der Erhöhung der Eintrittspreise mitten in der Saison - sie sind seit 13. Juli um zehn Prozent gestiegen - liege das wohl nicht, vermutet Stahl. „Als ich Kind war, gab es in den Sommerferien zwei Alternativen, auf den Bolzplatz gehen oder ins Schwimmbad, heute gibt’s den PC, die Playstation und den Fernseher, da bleiben die Kinder eher zu Hause oder treffen sich mit Freunden“.

Badespaß für Mutter Nicole und Tochter Nina im Dieburger Freibad. Zu Besuch aus Tübingen sind die beiden.

Heute hat der Bademeister mit seinem Team allerdings etliches zu tun, 2000 Gäste sind an diesem sonnigen Donnerstag schätzungsweise im Bad. Mit vier Kollegen beoachtet Stahl das Geschehen. Drei Festangestellte gibt es im Dieburger Freibad, an sonnigen Tagen helfen Kräfte von der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft aus. „Nach der Erhöhung der Eintrittspreise haben wir den Unmut der Badegäste schon zu hören bekommen“, sagt Stahl, der aber betont, dass das Dieburger Freibad beliebt sei und auch viele Gäste von außerhalb kommen. Murat Karaoglu beispielweise kommt aus Klein-Zimmern, sein Freund Mehmed Ali-Kaya mit Sohn Deniz-Selim Kaya vom Otzberg. „Wir kommen fast jeden Tag“, berichten die Freunde übereinstimmend. Das wollen sie auch nicht ändern. „Wenn wir soviel Eintritt bezahlen, dann bleibt weniger Geld für Spaß“, bedauert Karaoglu. „Als Dieburgerin geht man ins Dieburger Freibad“, sagt Birgit Gerbershagen. Sie hat gleich am Saisonanfang eine Familienkarte gekauft. „Ob ich das nächstes Jahr auch tun werde, weiß ich aber nicht“, sagt die Dieburgerin. „198 Euro sind eine Menge Geld und die muss ich auf einmal bezahlen.“ Gerbershagen überlegt, ob sie nächstes Jahr 12er-Karten kauft.

„Die kann man ja auch ins nächste Jahr mitnehmen“, nennt Marina Krichbaum, ebenfalls aus Dieburg, als weiteren Vorteil. Ihre Kinder seien eh schon größer und schließlich sei auf das Wetter in Deutschland kein Verlass. Sylvia Alber schließt sich den Überlegungen ihrer Freundinnen an, sie hat auch den weitesten Weg, aus Offenthal kommt sie ins Freibad. Drei Anmerkungen haben die Freundinnen allerdings noch. „Das Bademeisterteam ist super und kümmert sich besonders gut um die Kinder“, sagen die Drei. Wenn die Preise schon so aufgeschlagen hätten, könne man auch mehr dafür erwarten, sagt Alber. „Der Rasen beispielsweise müsste häufiger gemäht werden“, meint Gerbershagen. Wenn das Gras so hoch sei, dann blühe auch der Klee. Und den mögen die Bienen und Wespen, deshalb seien in den letzten Tagen auch Badegäste gestochen worden. Bettina Löderbusch ärgert sich hingegen so richtig über die Erhöhung der Gebühren. „Das ist nicht familienfreundlich“, sagt die Mutter von zwei Kindern.

Trotz manch hitziger Debatte über die Preiserhöhung genießen die Badegäste jetzt aber erst einmal den sommerlichen Wasserspaß in „ihrem“ Schwimmbad.

Fazit: Teurer, aber bietet auch viel

  • Die Zwischenbilanz für das Dieburger Freibad fällt durchwachsen aus. Mit bislang rund 50 000 Besuchern könnte man bis Mitte September das Vorjahresergebnis von 80 000 Gästen noch erreichen, meint Schwimmmeister Holger Stahl auf Anfrage. Bisher habe man keine durchgängige Hitzeperiode gehabt. Alles hänge davon ab, ob der „August hält, was er in den ersten Tagen versprochen hat“.
  • Bislang lief die Badesaison ohne besondere Zwischenfälle - bis auf einen Herzinfarkt bei einem älteren Herrn. Stahl und sein Team hatten dem Mann das Leben gerettet (wir berichteten): Sie setzten gekonnt den Defibrillator ein.
  • Ob man besondere Angebote wie das Open-Air-Kino wiederholt, ist noch offen. Die Veranstaltung haben rund 100 Gäste besucht. „Das Risiko liegt ganz beim Veranstalter“, sagt Stahl. Allerdings kämen beim Badeteam Überstunden zusammen.
  • Die erhöhten Preise werden natürlich bei den Badegästen heiß diskutiert. Dieburg liegt in seiner Preisgestaltung ziemlich weit vorne, vergleicht man die Gebührensatzung mit der benachbarter Freibäder. Vor allem die Familiendauerkarte ist mit 198 Euro einsame Spitze. Im Vergleich: In Reinheim kostet sie 78, in Roßdorf 100, in Groß-Umstadt 80 und in Schaafheim sogar nur 60 Euro. Auch beim Erwachsenen-Einzelpreis führt Dieburg mit 3,30 Euro die Vergleichsliste an. Allerdings biete Dieburg auch mehr, hört man bei den Gästen immer wieder. Der Zehn-Meter-Sprungturm und die große Liegewiese werden da beispielsweise genannt.

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