Mit dem Rad auf alten Schienen

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Auf die Spuren alter Bahntrassen begab sich am Wochenende der Kreisverband des Verkehrsclubs Deutschland ( VCD). Vor allem den jüngeren Teilnehmer war gar nicht bekannt, dass einst zwischen Dieburg und Groß-Zimmern Züge verkehrten.

Darmstadt-Dieburg - Bis 1965 gab es eine Eisenbahnlinie, die von Dieburg über Groß-Zimmern nach Reinheim ging. Auch von Groß-Zimmern über Roßorf nach Darmstadt/Ost rollten Züge, wurden Fahrkarten geknipst. Hier kam 1966 das Ende. Von Michael Just

Inzwischen wird an eine Wiederbelebung gedacht. Wegen Unrentabilität wurden beide Strecken eingestellt und die Gleise größtenteils abgebaut. Reste davon sind noch bei Roßdorf (Bessunger Forsthaus) zu bestaunen, wo ab und an eine Nostalgie-Bahn fährt. Dass diese Linien wieder aufgebaut und eingerichtet werden, forderte am Samstag der Kreisverband des Verkehrsclub Deutschland (VCD) bei seiner „verkehrspolitisch-historischen Radtour“ von Dieburg über Groß-Zimmern nach Roßdorf. Treffpunkt war der Dieburger Bahnhof, von wo die rund ein Dutzend Teilnehmer in einer Familientour Richtung Darmstadt fuhren.

„Die oben genannten Strecken eröffneten 1896 und 1897. In den 60er Jahren folgte ihr Niedergang, weil im deutschen Wirtschaftwunder das Auto aufkam und viele Bahnlinien unrentabel wurden“, erklärte Frank Ludwig Diehl. Der Langstädter Heimatkundler war für die Veranstaltung als Experte geladen, da er besonders viel über die regionale Eisenbahnentwicklung weiß.

Schienen nach Zimmern

Gefahren wurde zum Teil auf jenen Radwegen, die dort gebaut wurden, wo einst die besagten Trassen verliefen. Dazu gehört auch jener Streifen in Dieburg, der vom Bahnhof, über die Darmstädter Straße hinweg, am Altenheim vorbei, die Alte Mainzer Landstraße kreuzend bis zum Beginn der Rheingaustraße führt. „Genau hier verliefen in einem weiten Bogen die Schienen nach Zimmern“, erklärte Diehl. Der Babenhäuser Grünen-Politiker weiß, dass der Raumordnungsplan fest legt, den Bereich nicht zu bebauen. Damit soll die Option für Schienenverkehr offen bleiben.

Für den VCD war die Tour weit mehr als eine Veranstaltung mit viel Reminiszenz. „Wir sprechen uns mit Nachdruck dafür aus, dass gerade die Verbindung zwischen dem Darmstädter Ostbahnhof, Roßdorf und Groß-Zimmern wieder aktiviert wird“, sagt Uwe Schuchmann vom VCD-Kreisverband.

Das Stichwort gab er mit der „Stadt-Land-Bahn“. Angestrebt werde eine Normalspurbreite, die die Nutzung verschiedener Zugtypen ermöglicht. Vor allem für Groß-Zimmern würde dies eine bessere Anbindung nach Frankfurt beziehungsweise ins gesamte Rhein-Main-Gebiet bedeuten.

Anbindung ins Rhein-Main-Gebiet

Ähnlich der Odenwaldbahn würde hier dann über Darmstadt/Ost und Nord gefahren. Laut Schuchmann wird von öffentlicher Seite gerade ein Gutachten erstellt, inwieweit ein solcher Schritt möglich und wirtschaftlich ist. Dass dabei vor allem eine kleine Lösung mit einer Meterspur für Straßenbahnen angedacht wird, unterstützt er nicht: „Dann geht‘s nur bis Darmstadt. Wir wollen aber eine direkte Anbindung ins Rhein-Main-Gebiet.“

Während von anderen Experten eine erneute Erschließung der besagten Trassen als zu kostspielig und damit unrealistisch angesehen wird, sehen das Schuchmannn und Diehl anders: „Wir befinden uns im südhessischen Ballungsraum, der eine Alternative zum Auto anbieten muss. Weniger Verkehr schafft Platz und spart Schadstoffe“, meint Diehl. Dazu habe der Busverkehr ins Darmstädter Zentrum seine Grenzen erreicht und sei nach den jüngsten Beschlüssen nicht mehr ausbaubar. „Schon deshalb muss eine Alternative her“, fordern beide übereinstimmend.

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