Altenheim-Pläne als Stein des Anstoßes

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Rund 150 Dieburger kamen zur Bürgerversammlung in die Ludwigshalle.

Dieburg ‐ „Der Standort des St. Rochus Krankenhauses ist ein historisch gewachsener, der heute nicht mehr der richtige ist. Nur wegen des Profitstrebens der St. Rochus Stiftung soll dieser Standort weiterentwickelt werden.“ Solch heftige Kritik an den Plänen der St. Rochus Stiftung, ein Altenzentrum an das Krankenhaus in der Innenstadt anzugliedern, übte am Montagabend bei der Bürgerversammlung Stefan Blank aus den Reihen der in der Ludwigshalle versammelten Bürger. Von Laura Hombach

Das Krankenhaus an diesem Standort gehört in Frage gestellt“, schlussfolgerte Blank, der gar so weit ging, eine Bürgerbefragung zu fordern, in der die Meinung der Dieburger zu dem Standort ermittelt werden soll. Einen großen Teil der rund 150 Bürger, die in die Ludwigshalle gekommen waren, hatte er dabei hinter sich, wie der kräftige Applaus für seinen Redebeitrag bewies. Die von den Bauplänen betroffenen Anwohner - die sich zu einer derzeit mehr als 50 Mitglieder zählenden Bürgerinitiative zusammengeschlossen haben - waren zahlreich vertreten. Sie wollten sich das Bauvorhaben von Planer Thomas Böhlen und dem Bevollmächtigten des Vorstandes der St. Rochus Stiftung, Markus Bazan, noch einmal genau darlegen lassen.

Entsetztes Aufstöhnen ging durchs Publikum

Architekt Böhlen hatte seine Hausaufgaben gemacht. Er zeigte zahlreiche Graphiken von altem und neuem Bestand, vorhandenem und zu erwartendem Schattenwurf und gar einen virtuellen Rundgang, bei dem die Gebäude aus allen möglichen Blickwinkeln zu sehen waren. Ein entsetztes Aufstöhnen ging indes trotzdem durchs Publikum, als Böhlen die zwei geplanten neuen Baukörper zum Bestand des St. Rochus Krankenhauses einblendete. Sie sollen stufenartig ansteigen - im Falle des Brückenhauses bis auf fünf Stockwerke.

Das sind 6 000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche, die wollen auch irgendwo bleiben“, kommentierte der Planer die Reaktion des Publikums. Dem Entsetzen konnte auch keinen Abbruch tun, dass die beiden Gebäudeteile erst im hinteren Bereich zu voller Höhe ansteigen und der höchste Punkt des Neubaus die Höhe des bereits bestehenden Schwesternhauses nicht überschreiten soll.

Anstatt des dreigeschossigen Ärztehauses, das abgerissen werden soll, plant die Stiftung eine lediglich zweigeschossige Gebäudehöhe an der Steinstraße, die dann auf vier Geschosse ansteigen soll. Die Einfahrt der Tiefgarage, für die eine Lösung mit drei Halbrampen angedacht ist, soll leicht von der Steinstraße zurückgesetzt liegen.

Solche Feinheiten konnten die besorgten Bürger allerdings kaum beruhigen. Fragen nach einem erhöhten Verkehrsaufkommen, hohen Parkgebühren bei Betrieb der Tiefgarage durch einen Privatmann, Verkehrsbehinderungen, Lärmbelästigung und nach dem Schaden für die rund um das Krankenhaus ansässigen Einzelhändler während der von Böhlen auf zweieinhalb bis drei Jahre geschätzten Bauzeit kamen aus dem Publikum.

Die Antworten von Bazan und Böhlen halfen wenig, die Bedenken zu zerstreuen. Vielmehr wurde der Graben zwischen den Vertretern der St. Rochus Stiftung und den Anwohnern immer tiefer.

Stadthallenneubau und Leitbildprojekte

Immer wieder wurden Vorwürfe laut, dass es bei den Planungen nicht mit rechten Dingen zugegangen sei. Bürgermeister Dr. Werner Thomas wurde befragt, wann er von den neuen Plänen erfahren habe.

Gerhard Schmitt, der mit seinem Haus in der Steinstraße 34 unter dem Neubau wohl mit am meisten zu leiden hätte, wollte wissen, wer die Planung bei der Stadt eingereicht habe. Ein anwesendes Mitglied des Kuratoriums der St. Rochus Stiftung bestätigte auf Nachfrage Schmitts, dass die Mitglieder des Kuratoriums die Pläne erst an dem Tag erhalten hätten, an dem sie auch den Stadtverordneten vorgestellt wurden. Eine Beratung des Kuratoriums, das laut Definition über die Einhaltung des Stiftungszwecks wachen und Entscheidungen von grundsätzlicher Bedeutung fällen soll, habe nicht stattgefunden.

Zahlreiche Fragen und Festtellungen hätten die Bürger noch gehabt, doch Stadtverordnetenvorsteher und Sitzungsleiter Dr. Harald Schöning brach die Diskussion unter Protesten aus dem Publikum ab.

Nachdem zu Beginn der Versammlung bereits Architekt Tilman Lange den Stand bei den Bauvorhaben auf dem Altstadtgelände vorgestellt hatte, stand nun noch die Präsentation der Stadtleitbildprojekte und der dazugehörigen Paten durch Bürgermeister Dr. Werner Thomas an.

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