Neue Pläne für Bau am St. Rochus jetzt vorgestellt / Burnout-Klinik auf Konviktsgelände?

Altenzentrum soll mit Klinik Einheit bilden

Offenbach-Post

Dieburg -  Als ein „sportliches Unterfangen“ hat Architekt Thomas Böhlen die neue Planung für das St. Rochus Altenzentrum am Krankenhaus-Standort inmitten eines mittelalterlichen Stadtkerns bezeichnet. Von Lisa Hager

Der Hamburger Planer hatte im Auftrag der St. Rochus Stiftung bereits das Konzept für die Bebauung des Konviktsgeländes entwickelt. Die zwei Jahre lang diskutierten Pläne wurden vor kurzem zu Grabe getragen, obwohl die Stadt knapp vor der Schaffung des Baurechts stand (wir berichteten). Am Donnerstagabend hat Böhlen den Stadtverordneten jetzt die neue Planung samt Modell vorgestellt.

Die prompte Kehrtwendung der Stiftung - plötzlich wurde einem Neubau zwischen Steinstraße und Kratzengasse der Vorzug gegeben - hatte beim Bürgermeister und den Stadtverordneten für Verwunderung bis Verärgerung gesorgt. Jetzt muss man sich mit den neuen Plänen anfreunden, die mehr auf „kleinteilige Bebauung in einer städtischen Umgebung“ setzen. Laut Böhlen verspricht man sich davon Synergieeffekte, da man kürzere Wege zwischen Altenheim und Krankenhaus habe und sich personell auch besser ergänzen könne.

Woran denn die Pläne für das Konvikt hauptsächlich gescheitert seien, wollte man im Parlament trotz süßer Zukunftsmusik noch wissen. Das Problem sei das denkmalgeschützte und schwer zu nutzende Bischof-Ketteler-Haus, umriss Böhlen die Thematik. „Es ist schön, hat aber lange Flure, hohe Räume und schmale Zimmer - das alles ist schwer zu nutzen“, so der Planer. Das Loch, das das denkmalgeschützte Haus bei fehlender Nutzung in die Finanzierung gerissen hätte, habe sich auf eine Million Euro belaufen. „Daraufhin hat der Stiftungsvorstand nein gesagt“, so Böhlen.

Was aber soll jetzt am Krankenhaus entstehen? Das künftige Altenzentrum mit einer Bruttogeschossfläche von rund 6 000 Quadratmetern setzt sich aus drei Bauteilen zusammen: Zum einen der Baukörper an der Steinstraße, der das jetzige Ärztehaus ersetzt, das abgerissen wird. Zum anderen der Bauteil Brückenhaus, der im Norden den Herrngraben überspannt. Verbunden werden die Teile mit einer glasüberdachten Eingangshalle, die später einmal den ganzen Klinikkomplex erschließen soll.

70 Plätze würden für das Altenheim genehmigt werden, so Böhlen weiter. Der Rest - 80 bis 85 Plätze waren anvisiert - ließe sich über eine gerontopsychologische Abteilung auffüllen. Das Sozialministerium stehe dieser Idee „wohlwollend“ gegenüber. Auf den Neubauten sollen begrünte Dachterrassen für die Bewohner entstehen, die in Kleingruppen von um die zehn Personen leben werden.

Schon in vergangenen Jahren hat die Stiftung einige Grundstücke und Immobilien angrenzend ans Krankenhause für eine spätere mögliche Erweiterung zugekauft, erfuhren die Stadtverordneten weiter. Der benötigte Grund samt Abstandsflächen befinde sich bereits im Besitz der Stiftung.

Ein Co-Investor soll nach den Vorstellungen der Stiftung eine Tiefgarage mit Zufahrt von der Steinstraße bauen. Wie viele Plätze man unterbringen werde, hänge vom Untergrund ab. „Das ist hauptsächlich Sand“, so Böhlen. „...und Wasser“, ergänzte Herbert Nebel (Grüne).

Einen gewissen Widerspruch sah Renee Exner (CDU) darin, dass die Stiftung schon von möglichen Investoren für das Bischof-Ketteler-Haus und den großen Park gesprochen habe, man jetzt aber höre, wie unattraktiv das Ganze sei. Tatsächlich gebe es schon einen konkreten Interessenten, räumte Böhlen daraufhin ein. Dieser könne sich gerade die architektonischen Besonderheiten des Objekts mit dem großen Garten zunutze machen. „Es gibt jemand, der sich hier eine Burnout-Klinik vorstellen könnte.“

„Jetzt haben wir schon zwei Projekte erlebt, die an der Finanzierung gescheitert sind“, kritisierte Wilhelm Reuscher (FDP). Wie ernst es denn jetzt mit der Planung des Zentrums am Krankenhaus sei? „Sehr ernst“, meinte Böhlen daraufhin. Allerdings räumte er ein, dass es ohne Fördermittel des Landes, die erst zum Haushalt 2010 im Dezember beantragt werden könnten, nicht zu realisieren sei. Vor 2012 könne man generell nicht mit der Fertigstellung rechnen.

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