Dieburger bestaunen Vielauer Projekt

Aus alter Ruine wird Rittergut

Eine Dieburger Delegation besuchte kürzlich die Partnerstadt Vielau: Dort haben die Bürger mit unermüdlichem Arbeitseinsatz ein altes Herrenhaus saniert.

Dieburg - Wer möchte nicht auch einmal drei festliche Tage in einem Herrenhaus verbringen? „Es war einfach schön, diese Einweihung mitzuerleben“, zieht Heimatvereinsvorsitzende Anne Sattig Bilanz, die mit einer Gruppe Dieburger in Vielau war. Vielau, das ist seit der Wende die Partnerstadt Dieburgs in der ehemaligen DDR, in der Nähe von Zwickau.

Seit 1990 besteht die Verbindung, die sich von Anfang an als fruchtbar und freundschaftlich erwies. Und so war es auch nicht verwunderlich, dass eine kleine Gruppe Dieburger Bürger, die von Anfang an auf vielfältige Art und Weise in die neuere Geschichte dieser Stadt involviert waren, zur Einweihung des Herrenhauses eingeladen wurden.

Das Vielauer Herrenhaus ist zum ersten Mal 1238 als frühmittelalterliche Wallanlage erwähnt. Die Besitzer, die Herren von Schönburg, verkauften ihr Rittergut einschließlich Ober- und Erbgerichtsbarkeit, Kirchen und Schutzpatronat 1608 an den Stadtrat von Zwickau.

Im Jahre 1696 wurde der erste Stock neu aufgebaut. Während der Errichtung der Vielauer Kirche wurde das Herrenhaus bis zu deren Fertigstellung für die Gottesdienste genutzt. Ab 1839 wurde das Rittergut von der Familie Müller, genannt die „Hofmüller“, bewohnt und bewirtschaftet. Von 1948 bis 1990 war es Sitz der „Landwirtschaftliche Produktionsgesellschaft“ hier ein. Nun begann der Verfall des Hauses. Es wurde genutzt, aber niemand fühlte sich für die Schäden des Baus verantwortlich. Ein Privatinvestor kaufte 1994 das Gesamtareal. Nun wurden die alten Stallungen abgerissen und an deren Stelle ein Einkaufsmarkt errichtet, womit die geschlossene Bauweise des Rittergutes zerstört wurde.

Erst 2005 wurde die Gemeinde Reinsdorf, in die Vielau inzwischen integriert ist, für 99 Jahre Erbbauberechtigter des historischen Rittergutes. Männer und Frauen, die in den Jahren vorher bereits eine alte Franziskaner-Brauerei saniert hatten und inzwischen gutes Schwarzbier brauen, nahmen sich gemeinsam mit dem Bürgermeister Steffen Ludwig und der Gemeindevertretung der Sanierung des alten Gutes an.

Der bereits gegründete Brauereiverein Vielau unter Michael Hahn stürzte sich in diese „Wahnsinnsarbeit“ und nun, nach dreijähriger Arbeit, wurde aus der unansehnlichen Ruine wieder das strahlend schöne Rittergut.

Ohne das große ehrenamtliche Engagement wäre die Sanierung nicht möglich gewesen. Etwa 30 Bürger kamen kontinuierlich zu den Arbeitseinsätzen und schafften das Werk in mehr als 4000 Arbeitsstunden. Es gelang für nur 400 000 Euro aus einer Ruine wieder ein Rittergut zu gestalten.

Die Dieburger Delegation des Heimatvereins mit Altbürgermeister Peter Christ wurde ritterlich empfangen, fürstlich bewirtet und freundschaftlich betreut. Das Rittergut machte seinem Namen alle Ehre. Vom zünftigen Buffet über das selbst gebraute Schwarzbier und die mittelalterliche Musik war alles stilvoll arrangiert.

Die Räume hallten wider von Schalmeienklängen, stampfenden Füßen der Bänkelsänger und der Lieder, in die die Gäste fröhlich einstimmten - ein dreitägiges Fest, wie es die Ritter eventuell auch im 13. Jahrhundert gefeiert hätten.

Für die Dieburger hatte sich Bürgermeister Steffen Ludwig noch etwas Besonderes einfallen lassen. Mit dem Mannschaftswagen der Feuerwehr zeigte er Vielau und Reinsdorf, die in eine wunderschöne Landschaft eingebettet sind und ein große Terrain umfassen. So kamen die Dieburger in den einmaligen Genuss, Feuerwehrauto zu fahren.

Der Dank der Dieburger galt allen Vielauern, die sie freundschaftlich teilhaben ließen an einem Stück ihrer Geschichte, von der sie mit Stolz sagen können, dass sie sie wieder gegenwärtig machten - mit unermüdlichem Arbeitseinsatz.

„Vielleicht gelingt so etwas ja auch einmal in Dieburg?“, meint Anne Sattig hoffnungsfroh.

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