Altes Handwerk wieder neu

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Josef Thomas wird beim Heimatverein zu „Dieburg in Blau“ das Handwerk des Wagners vorführen. Hier schnitzt er gerade einen Beilstiel.

Dieburg (eha) ‐ „Mein erlernter Beruf ist ausgestorben“, sagt Josef Thomas aus der Weißturmstraße. Maschinen übernehmen heute die Arbeit der einstigen Wagner, die unter anderem eisenbeschlagene Wagenräder für Kutschen und Karren herstellten.

Zu „Dieburg in Blau“ am Samstag, 5. Juni, präsentiert der Heimatverein diese alte Handwerkskunst - zusammen mit anderen Handwerken vom Mittelalter bis zur Neuzeit wie Drucken, Flechten, Zahnreißen, Klöppeln, Quilten und Spinnen - ab 16.30 Uhr in der Hofreite der Rheingaustraße 14 („Säfter“, ehemalige Süßmosterei Jakob) bei freiem Eintritt. Thomas führt dann an einer Schnitzbank vor, wie früher Radspeichen, Beil- und Axtstiele, Leitern und vieles mehr von Hand hergestellt wurden.

Eines der ältesten Handwerke ist das Töpferhandwerk, das sich vor rund 20 000 Jahren entwickelte, als die Menschen entdeckten, dass die Erde (Tone), an der sie ihre Feuerstelle hatten, plötzlich hart wurde. Sie nutzen diese Erkenntnis, um zunächst einmal ihr Fleisch dort zu garen. Später holten sie die Tone heraus und formten Gefäße daraus, die sie dann im Feuer brannten und verwendeten. Im Dieburger Museum gibt es Tonscherben der Bandkeramiker, über die Römer bis ins 20. Jahrhundert. Dieburg war über Jahrhunderte bekannt für seinen guten Ton, Tongeschirr und seine Töpfer. Eine der ersten Firmen nach dem Zweiten Weltkrieg waren die „Dieburger Tonwaren“, wie eine kleine Ausstellung belegt.

Der „Bader“ am lebenden Objekt

Das Spinnen im Mittelalter war meistens den Frauen und Mädchen überlassen und geschah gemeinsam in Spinnstuben. Heute ist es ein Hobby, das an die märchenhafte Zauberwelt des Rumpelstilzchen erinnert. Astrid Kreuz zeigt das alte Handwerk mit einem modernen Spinnrad.

Der gelernte Setzer und Drucker Boy Sühl wird mit den Druckmaterialien und Bleisätzen von Willi Klein demonstrieren, wie beschwerlich und zeitaufwändig es früher war, einen Text zu setzen und zu drucken.

Ellen Terjung ist Spezialistin im Klöppeln - genau wie in der künstlerischen Gestaltung von Quilts und Patchworkarbeiten. Sie wird ihre Fertigkeiten zeigen. Und Kathie Rogath führt das alte Handwerk des Flechtens vor.

Ein sehr alter Beruf, der in Dieburg bis 1937 noch ausgeübt wurde, ist der des Baders. Zahnarzt Dr. Eberhard d´Orville, zeigt seine Kunst als „Wander-Bader“ - sogar am lebenden Objekt.

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