Altes Möbelhaus wird zur neuen Bücherinsel

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„Möbel Engelhard“ wird „Bücherinsel“: Claudia und Erich Kleene schauen vom Gerüst aus in eine neue Zukunft.

Dieburg -  Eine Gruppe gut gelaunter Studenten - in ihren Arbeitsklamotten und mit Zollstock oder Farbpinsel in der Hand - kaum als solche zu er kennen - wuselt derzeit im Möbelhaus Engelhard am Markt 7.

Statt Sofas, Vorhangstoffen und Betten werden in dem dominanten Eckgebäude gegenüber dem Rathaus bald hauptsächlich Bücher zu finden sein. Die „Bücherinsel“ zieht aus ihrem Domizil in der Rheingaustraße in das weitaus größere Haus, das zuletzt im Besitz der Familie Knittweis war.

Wir werden hier sehr viel mehr Platz haben, um die 600 Quadratmeter, bisher waren es 150“, sagt „Bücherinsel“-Chefin Claudia Kleene, die das Großprojekt mit ihrem Mann Erich, dem Vorsitzenden des Gewerbevereins, mutig in Angriff genommen hat. „Wir haben beispielsweise immer auch viele Schulklassen zu Besuch, für solche Aktionen haben wir jetzt endlich Platz.“

Erich Kleene ist als gelernter Schreiner unermüdlich auf der Baustelle zugange. Zum Zweck des aufwändigen Umbaus des Hauses, das er mit seiner Frau erworben hat, hat er eine eigene Baufirma gegründet. Dass seine Haare einen Grauton zugelegt haben, wie seine Frau feststellt, mag nicht nur an Kalk und Staub liegen. „Es ist schon sehr viel zu tun“, sagt er und entschwindet - das Handy am Ohr - schon wieder Richtung Innenhof, wie sich das Material stapelt.

Dass eine ganze Studentenbrigade angerückt ist, geht auf Sohn Lucius zurück, der jetzt in den Semesterferien Laptop und juristische Wälzer mit Flex und Bohrmaschine vertauscht hat. Stefan Osterritter - „Die gute Seele“, sagt Claudia Kleene - hat die Jungs gut im Griff.

Etliche Dieburger Firmen sind auch mit daran beteiligt, aus dem früheren Möbel Engelhard - der ursprüngliche Bau stammt aus dem 18. Jahrhundert und hat einmal der jüdischen Kaufmannsfamilie Loeb gehört - ein Eldorado für Bücherwürmer zu machen.

Der Hang zum Buch liegt bei den Kleenes in der Familie

Tochter Theresa hat nach ihrem Studium der Germanistik und Betriebswirtschaft auch noch eine Buchhändlerlehre begonnen.

Da die Kleenes sich nicht nur als Buchverkäufer verstehen, wird nach der Eröffnung am 16. Oktober so manch einer ihrer Wunschträume in Erfüllung gehen: Hinter dem eigentlichen Laden mit Verkaufstheke entsteht ein großer Saal für 80 bis 100 Gäste. Dort können Lesungen und andere Veranstaltungen abgehalten werden, für die man bislang auswärts Räumlichkeiten suchen musste.

Und die Bücher bekommen modischen Beistand: Bärbel Kostron wird mit ihrem Schneider-Atelier miteinziehen.

Die Studentenbrigade mit einigen Helfern aus der Dieburger Handwerkerschaft.

Im Obergeschoss des Hauses - dort war einmal die Druckerei des Dieburger Anzeigers untergebracht - ist zudem viel Platz für Präsentations- und Ausstellungsräume. „Das könnte zum Beispiel eine Schmuckausstellung sein, das passt auch zu Mode - und wir könnten das Ganze dann wiederum literarisch begleiten“, schildert Claudia Kleene eine ihrer Ideen. „Beginnen werden wir aber mit der größten Kalenderausstellung des Rhein-Main-Gebiets“, berichtet sie von ihrem ersten Projekt. Rund 3 000 Kalender werden dort oben im Herbst zu sehen sein.

Kunden werden sich künftig auch an einer Kaffeebar laben können, für Kinder wird eine extra Ecke eingerichtet. „Lebenslanges Lernen“ soll auch ein großes Thema der neuen „Bücherinsel“ sein.

Bis zur Eröffnung werden die Nachbarn allerdings wegen der unvermeidlichen Baulärms noch einiges aushalten müssen. Claudia Kleene ist dankbar, dass alle bisher „viel Verständnis für die Insulaner“ hatten.

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