Parkplätze fallen weg

Ein Jahr lang energetische Sanierung des Amtsgerichts

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Gerüstbauer arbeiten schon an der Vorderseite des Amtsgerichts: Die Sanierungsarbeiten sind auf ein Jahr angesetzt. Dabei werden auch große Teile der Parkplätze wegfallen.

Dieburg - Für 5,5 Millionen Euro wird das Amtsgericht Dieburg in diesem Jahr energetisch saniert. Diese warme Dusche vom Land Hessen kam unerwartet: Eigentlich wollte der Amtsgerichtsdirektor nur ein paar undichte Fenster reparieren lassen. Von Lisa Hager 

Neben dem Standort Dieburg kommt in Hessen in diesem Jahr nur noch das Amtsgericht Dillenburg in den Genuss, sich aus dem Fördertopf namens „COME“ (CO2-Minderungs- und Energieeffizienzprogramm) bedienen zu dürfen. „Wir sind aber das einzige Amtsgericht in Südhessen, bei dem die Sanierung im laufenden Betrieb durchgeführt wird“, sagt Amtsgerichtsdirektor Frank Richter (47). Die Kollegen in Dillenburg werden während der Sanierung, die laut Ausschreiberichtlinien innerhalb eines Jahres abgeschlossen sein muss, in ein anderes Gebäude umziehen. „Bei uns wird das eine Operation am offenen Herzen“, sagt Richter mit deutlichem Respekt vor der logistischen Herausforderung. „Eigentlich wollte ich drei Fenster repariert haben, die nicht mehr dicht waren“, berichtet Richter davon, wie alles begann. Beim zuständigen Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen hat man ihn darauf aufmerksam gemacht, dass es Mittel für eine energetische Sanierung aus einem Förderprogramm gebe, das erst vor zwei Jahren aufgelegt wurde. „Und da haben wir uns beworben und den Zuschlag bekommen“, sagt Richter.

Voraussetzung war unter anderem, dass alle Fördermittel bis Ende des laufenden Jahres verbaut sein müssen – eine Herausforderung für die ausführenden Firmen. Und bei diesem Zeitdruck ist es nicht verwunderlich, dass schon am ersten Werktag des neuen Jahres mit dem Gerüstbau begonnen wurde. Im Laufe der Sanierung des Gebäudes aus dem Jahr 1981 wird die Fassade sandgestrahlt. „Die Klinker, so haben uns die Experten gesagt, hätten schon eine gute Wärmedämmung“, sagt Richter. Sämtliche Fenster werden dann gegen Energiesparmodelle ausgetauscht, eine neue Heizungsanlage wird installiert, die Dächer – bis auf eins, das schon saniert ist – erneuert. Ziel ist eine bessere Wärmedämmung des gesamten Gebäudes.

Containerdorf für die Baufirma

Ende Januar wird Richtung Mühlturm ein Containerdorf für die Baufirma entstehen. In wöchentlichen Baubesprechungen werden alle Beteiligten versuchen, den Zeitplan akribisch im Auge zu behalten. Saniert wird Abschnitt für Abschnitt, immer sechs Büros gleichzeitig. Deshalb wird auch das Gerüst mitwandern. Wo aber werden die Angestellten des Amtsgerichts arbeiten, während in ihren Büros die Presslufthämmer dröhnen? „Das wird über Großraumbüros und teilweise auch über Heimarbeitsplätze geregelt“, sagt Richter. Im Herbst sind laut Zeitplan die Sitzungssäle dran. „Da werden wir vermutlich für vier Wochen keine Verhandlungen ansetzen können“, so der Chef.

Er bittet die Dieburger Bevölkerung auch um Verständnis, dass es nicht nur zu Lärmbelästigungen, sondern auch während des ganzen Jahres zu Einschränkungen bei den Parkplätzen für Besucher kommen wird. „Die Plätze reichen ja derzeit schon kaum für unsere eigenen 80 Mitarbeiter aus“, sagt Richter. Er bittet deshalb Besucher, möglichst andere Parkplätze zu nutzen oder auch mit dem Rad zu kommen – das macht der passionierte Biker übrigens auch selbst am liebsten.

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