Anders als nur „dumm' Zeug daher schwätzen“

Dieburg (jd) ‐  Dieser Vergleich unter Geschwistern muss sein: An die tonale Vehemenz ihrer dezibelstarken Schwester Petra Herrmann-Kahle kommt Christel Ludwig noch nicht ganz heran. Schüchtern, leise oder gar gehemmt ist die Dieburgerin aber nicht im Geringsten.

Der einzige Vortragsneuling der diesjährigen KVD-Sitzung weiß sich in der „Ludwigshall“ forsch und deutlich zu artikulieren. 53 Jahre alt musste Ludwig werden, um die weltbedeutenden Bretter auf karnevalistische Art und Weise zu erobern: Im Trio mit Thorsten Setzer und Bernd Schneider, als „Eingeborene von Trizonesien“.

Ihr größtes Geheimnis verrät sie gleich zu Beginn des Gesprächs mit dem DA-Reporter: „Normalerweise bin ich gar nicht schwarz.“ Wohl wahr, doch nur so bekommen die Zuschauer der Sitzungen Ludwig in dieser Kampagne zu sehen. Die Ärmste muss sogar noch so tun, als sei sie gar nicht aus Dieburg: Sie gibt die Eingeborene aus dem exotischen Münster.

„Marktplatz der Eitelkeiten“

Wäre es nach Thorsten Setzer gegangen - so erzählt jedenfalls Ludwig selbst die Geschichte -, hätte sie schon eher auf der Bühne gestanden: „Der war schon früher an mir dran.“ Zunächst schien es, als werde aus der vagen Idee, Christel Ludwig für die Sitzungen zu gewinnen, auch fürs Jahr 2011 nichts: Drei Wochen vor der Klausurtagung des KVD im Habichtsthal, die Ludwig „Casting-Show“ nennt, sei noch kein Vers auf den nächsten gereimt gewesen. Zudem habe sie sich immer bewusst gemacht: „Auf der Bühne ist es was anderes, als sich ganz normal hinzustellen und dumm' Zeug zu schwätzen. Denn du musst das von oben ja auch rüberbringen.“

Dennoch ließ sich Ludwig überzeugen - obwohl ihr klar sei, dass auf dem „Marktplatz der Eitelkeiten“ (Ludwig), also den KVD-Sitzungen, keine unausgegorenen Leistungen akzeptiert werden. Das müsse - und das macht letztlich auch die Güte der hiesigen Sitzungen aus - alles Hand und Fuß haben. So wie es früher beispielsweise beim Vortragenden Walter Kern gewesen sei. Der sei auch posthum noch ihr Bühnenvorbild, sagt die Dieburgerin mit Überzeugung.

Mutter Irmgard war riesige Fastnachterin

Auch wenn die so gar nicht nervöse Närrin im Januar erstmals mit einem Wortvortrag auf der Bühne stand, ist die Kinderprinzessin von 1972 im Karnevalverein doch schon lange fleißige Äla-Mitarbeiterin: Ludwig brachte sich schon im Kinderkomitee ein, „als die Kinderfastnacht noch nicht so professionell wie heute war“. Bettschoner, Turnverein und Laubehogger waren ihre bisherigen Stationen rund um die Straßenfastnacht, wobei für Ludwig die Luft beim Mitlaufen am Umzug mittlerweile „etwas raus“ sei.

Davon, dass sie bei den Sitzungen eine Zukunft als Bühnenaktive habe, ist Christel Ludwig aber überzeugt: „Und meine Mutter Irmgard Ludwig, die eine riesige Fastnachterin war, würde sich ein Loch in den Bauch freuen, könnte sie das heute noch sehen.“

Rubriklistenbild: © Dörr

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