ADS-Theaterstück „Der Drache“: Mit Mut ist vieles zu verändern.

Was anfangen mit der geschenkten Freiheit?

Voller Spannung verfolgt das Volk den dramatischen Kampf zwischen Lanzelot und dem Drachen am Himmel.Fotos (2): Scholze

Dieburg ‐   Mit tosendem Applaus belohnte das Publikum die Darsteller nach der erfolgreichen Premiere. Diese strahlten vor Freude und nahmen den Lohn für ihre Arbeit gerne entgegen. „Wir haben es geschafft!“, meinten die Darsteller hinterher und lagen sich freudestrahlend in den Armen. Von Verena Scholze

Das Theater der Alfred-Delp Schule hat bereits seit Jahrzehnten Tradition und die Stücke bieten immer wieder Parallelen zu aktuellen Themen. So auch in „Der Drache“, einem politischen Märchen, das von Jewgeni Schwarz 1943 in der damaligen Sowjetunion geschrieben wurde. Er hatte gerade die zweijährige Blockade Leningrads durch die deutsche Besatzungsmacht überlebt. Unter der Herrschaft von Stalin wurde das Stück nach zwei öffentlichen Generalproben verboten, wahrscheinlich wurden der herrschenden Diktatur zu viele Parallelen zum eigenen System bewusst. Aktuelle Bezugspunkte finden sich momentan überall auf der Welt, speziell im nördlichen Afrika, wo sich das Volk gerade gegen verkrustete Strukturen erhebt.

„Der Drache“ handelt vom Machtmissbrauch einer Regierung und den unter ihr lebenden Menschen. Sie leiden unter ständiger Angst vor der Kontrolle durch das Regime. In dem Stück kommt Ritter Lanzelot, gespielt von Jianlin Chen, in eine Stadt, die seit Jahrhunderten von einem Drachen beherrscht wird. Die Jungfrau Elsa (Paulina Kettner) soll dem Drachen als jährliches Geschenk dargebracht werden. Lanzelot jedoch verliebt sich in die Schöne und fordert den Drachen zum Kampf.

Das dreiköpfige Monster (Remus R. Rosenkranz, Michelle Lioutikov und Laura Goedecke), das menschliche Gestalt annehmen kann, wähnt sich in Sicherheit und nimmt die Herausforderung an. Um jedoch auf Nummer sicher zu gehen, nutzt es seine Kontrolle über Elsa und fordert sie auf, Lanzelot mit einem vergifteten Messer zu töten. Diese jedoch erwidert Lanzelots Liebe und verweigert dem Drachen erstmals den Gehorsam.

Das Volk indes hat sich seit Jahrhunderten mit dem System arrangiert, man nimmt es als unvermeidlich hin. Viele sind nicht begeistert, dass der Ritter die Verhältnisse mit Gewalt verändern will.

Dann kommt es doch zum dramatischen Kampf am Himmel, den die Menschen voller Spannung verfolgen. Lanzelot, der Hilfe durch einen fliegenden Teppich, ein Schwert und eine Tarnkappe erhält, besiegt den Drachen, wird jedoch selber schwer verwundet und verschwindet spurlos.

Die ehemals treuen Gefolgsleute des Drachen, der Bürgermeister (hervorragend gespielt von Gianni van Balen) und sein Sohn Heinrich (sehr gut besetzt mit Dennis Prüstel) nutzen die Chance und erheben selber den Machtanspruch. Das Volk, das an Diktatur gewöhnt ist, lässt diesen Machtwechsel stoisch über sich ergehen. Am Ende jedoch betritt der verschollene Ritter Lanzelot erneut die Bühne und stellt dem Volk die zentrale Frage: „Ich habe euch die Freiheit geschenkt, und was habt daraus gemacht?“

Die rund 30 Schüler, die an der Gestaltung des Stückes mitgewirkt haben, trafen sich bereits nach den Weihnachtsferien in Ernsthofen, um dort eine Woche lang intensiv zu üben. „Wir sind dieses Jahr sehr spät dran mit der Aufführung“, sagt der Leiter Theater-AG, Hans-Dieter Hefele. „Zwischendurch hatten die Schüler bereits ihr Abitur und mussten den Text erst wieder neu lernen.“ Das tat der Aufführung keinen Abbruch, denn außer ein paar kleinen Texthängern und sympathischen Versprechern verlief alles einwandfrei.

Und das Stück, das sich auch mit den Verhaltensmustern von Individuen beschäftigt, wurde trotz des gewichtigen Inhalts leicht und frisch, humorvoll und mit Ironie verpackt sowie mit witzigen Dialogen aufgelockert, dargeboten.

Unterstützung erhielten die Schauspieler von der Bühnenbild-AG (Leitung Rolf Peters), die neben dem Bühnenbild und der Technik auch für die Maske und Kostüme sowie die Werbung zuständig war. Inspiration holten sich die Schüler bei der Ausstellung „Gesamtkunstwerk Expressionismus“, die in Darmstadt zu sehen war.

So wies das Bühnenbild expressionistische Züge auf, während die Kostüme aufs Mittelalter anspielten. Hier wurden die Darsteller von der ehemaligen Schülerin Heyke Möller, die in der Steinstraße im eigenen Atelier historische Kostüme schneidert, kompetent und tatkräftig unterstützt.

PWeitere Aufführungen von „Der Drache“ in der Aula der Alfred-Delp-Schule gibt es am 6., 8. und 9. April jeweils um 19.30 Uhr.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare