Musik kann vieles bewegen

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Anna Scheps gab das erste klassische Konzert in der Römerhalle und zog dabei ihr Publikum nicht nur mit ihrem Klavierspiel in den Bann.

Dieburg - Als ein „Konzerterlebnis der Superlative“ betitelten die begeisterten Besucher den Klavierabend, den sie mit der Pianistin Anna Scheps erleben durften. Von Verena Scholze

„Ergreifend, bewegend, phänomenal“, überboten sich die Beschreibungen und Empfindungen der Musikanhänger nach dem Begegnungskonzert, das zu Gunsten der Initiative „Gedankenstein für Dieburg“ veranstaltet wurde.

Es war in mehrerer Hinsicht ein Premierenabend, denn es handelte sich um das erste klassische Konzert in der Römerhalle, für das der Veranstalter mit Anna Scheps eine großartige Künstlerin gewinnen konnte. Die Künstlerin und Mutter, die aus Liebe zu ihren drei Kindern ihre Karriere hinten anstellte, gab nach einer Pause erst vor wenigen Monaten in Würzburg ihren ersten Klavierabend und meldete sich beeindruckend in der Pianistenszene zurück.

Das Konzert in Dieburg war das nächste auf ihrer derzeitigen Tour, mit dem sie derzeit ihr Comeback einleitet. Auch aus persönlichen Gründen hätte man niemand Geeigneteren für dieses Benefizkonzert finden können, denn auch in der Familiengeschichte der Künstlerin, die jüdischer Abstammung ist, gab es Opfer des Dritten Reiches zu beklagen.

Mit Musik einen Gedankenstein setzen

„Mit Musik kann man vieles bewegen“, lautet das Motto der sozial engagierten Pianistin, die mit ihrer Musik ebenfalls einen Gedankenstein setzen und das Erinnern an die menschlichen Tragödien lebendig halten möchte.

Rund 270 Besucher hatten sich eingefunden, um dem Spiel der Künstlerin zu lauschen. Mit einem anspruchsvollen Programm präsentierte sie ihr Können auf einem Steinway D Konzertflügel.

Den Auftakt machte die Pianistin mit Sonaten von Domenico Scarlatti und Nikolai Medtner und nahm ihr Publikum damit musikalisch in Empfang. Es folgten Werke wie das Scherzo E-Dur op. 54 von Chopin, die Ungarische Rhapsodie Nr. 13 und die Konzertetüde Nr. 2 von Liszt und Paraphrasen (Gretchen am Spinnrad, Loreley, Vogelpredigt). Zwischen den Musikstücken griff die Künstlerin zum Mikrofon und stellte durch kurze Interpretationen, kleine Gedichte oder einleitenden Worte immer wieder Bezug zur Initiative Gedankenstein her. Die Musikstücke wurden durch eine farblich wechselnde Lichttechnik begleitet, die die Stimmung von heiter bis getragen unterstrich.

Reinerlös für Gendenktafel

Im Hintergrund der Bühne wurde der Gedankenstein an die Wand projiziert. Passend zu dieser Darstellung ging sie in ihrer Ansprache auf die Tragödie ein, die der jüdischen Bevölkerung widerfahren ist, bevor sie die Sonata tragica von Nikolai Medtner darbot.

Wie es nicht anders zu erwarten war, endete de Abend mit Standing Ovations und nicht enden wollendem Applaus für die Pianistin, die es sich nicht nehmen ließ, eine Zugabe zu spielen.

Der Reinerlös des Klavierabends geht an die Initiative „Gedankenstein für Dieburg“, die zur Zeit in Erinnerung an die 38 Dieburger Juden, die in KZs ermordet wurden, eine Bronzetafel gestalten lässt.

Quelle: op-online.de

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