Antrittsbesuch in Dieburg

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Tina Habl (Personalratsvorsitzende, (l.)), Almut Marchesi (Vertreterin der Vorsteherin) und und Karl-Josef Hornung (Sachgebietsleiter Betriebsprüfung, (r.)) empfingen MdB Jens Zimmermann im Finanzamt Dieburg.

Dieburg - Es kann ja nicht schaden, mal den Ort zu besuchen, wo ein Teil des Geldes, das man in Berlin ausgibt, tatsächlich herkommt: Der Groß-Umstädter Bundestagsabgeordnete Dr. Jens Zimmermann (SPD) hat kürzlich dem Finanzamt Dieburg einen Informationsbesuch abgestattet. Von Lisa Hager

Der Diplom-Kaufmann und promovierte Wirtschaftswissenschaftler ist zum ersten Mal in der Marienstraße 19. Der 32-jährige Newcomer im Bundestag ist Mitglied im Finanzausschuss, seine Berichterstatter-Themen im Fachausschuss des Bundestages sind Einkommenssteuer, SEPA-Umstellung und Finanzplatz Deutschland. Bislang musste er privat nie nach Dieburg kommen: „Ich mache meine Steuererklärung schon lange digital“, sagt er. Immer mehr Kunden würden die Software „Elster“ nutzen, sagt die Vertreterin der Vorsteherin, Almut Marchesi. Allerdings schätzen die Steuerpflichtigen den vergleichsweise sehr persönlichen Beratungsservice in Dieburg. Das käme in Gesprächen immer wieder zum Ausdruck.

Am meisten los ist an den Service-Plätzen mit Kundenverkehr im Erdgeschoss am Wochenanfang, erklärt Marchesi. Der Montag ist wohl ein Tag, den sich viele Bürger für eher unangenehme Dinge reservieren. Zum Wochenende hin werden dann Anfragen und Besuche weniger. Vom „Finanzinformationsservice“ (kurz: FIS) mit seiner freundlichen Atmosphäre und den Blumenbildern an den Wänden ist Zimmermann sehr angetan.

„Das klingt schlimmer als es ist“

„Gehen wir kurz noch in die Vollstreckungsstelle“, wird Zimmermann angekündigt, der ohne mit der Wimper zu zucken, seiner Führerin folgt. „Das klingt schlimmer als es ist“, beruhigt Marchesi auch die Pressevertreterin, vor derem inneren Auge irgendwelche düsteren Kerkerszenen auftauchen. „Hier ist es ja ganz gemütlich“, meint Zimmermann erleichtert und schaut sich in dem rund 20 Quadratmeter großen Büro um, dessen Wände komplett mit Hängeregistraturen dekoriert sind. „Wir sind leider sehr beengt“, sagt Marchesi. Ob sie den Bundestagsabgeordneten wohl auf diesen Zustand hinweisen will?

„In diesem Raum arbeiten drei Beamtinnen zusammen.“ Die Stelle hat rund 5 000 bis 6 000 Vollstreckungsfälle pro Jahr zu bearbeiten, erfährt man weiter. Was muss vorausgehen, bis es zu einer Vollstreckung, einer zwangsweisen Einziehung ausstehender Steuern beispielsweise über den Gerichtsvollzieher oder auch per Kontoschließung, kommt? „Wir mahnen ganz oft“, sagt Marchesi. Aber manchmal führe eben auch kein Weg an der Vollstreckung vorbei.

Ist der Alice-Schwarzer-Effekt eigentlich auch im Finanzamt Dieburg spürbar? „Ja, das spüren wir tatsächlich, wenn solche Steueraffären öffentlich werden“, sagt Marchesi. „Danach kommen viele von selbst zu uns.“ Um die 100 Selbstanzeigen sind im Jahr 2013 beim Finanzamt Dieburg eingegangen. Etliche haben noch die Verjährungsfrist von zehn Jahren abgewartet und sich dann schnell gemeldet. Vorteil: „Wenn noch kein Verfahren läuft, geht der Selbstanzeigende straffrei aus.“

Und wie steht es um die Außendienste (Steuerfahndung und Betriebsfahndung?) „Dafür hat Hessen seit dem Regierungswechsel 300 Leute mehr eingestellt. Das Thema ist wichtiger geworden“, sagt Karl-Josef Hornung. Er ist in Dieburg Sachgebietsleiter für Betriebsprüfungen. Er geht rein kalkulatorisch davon aus, dass bei mittleren Betrieben alle zwölf bis 15 Jahre eine Prüfung fällig ist. Bei kleineren kann der Abstand auch 30 Jahre sein. Auch mit Geldwäsche hat Hornung in dem Zusammenhang zu tun, das kann beispielsweise auch Glücksspielbetriebe betreffen.

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