Obstbau Geibel und Weinhof Wiessner über den Klassiker

Zum Tag des Apfels: Rund, bunt, kerngesund

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Zum Reinbeißen: Äpfel sind nicht nur ein sehr gesundes Obst, sie sehen auch schön aus.

Klein-Zimmern/Dieburg – Der Apfel ist nicht nur ein wertvolles Lebensmittel – gut 25 Kilo Äpfel verspeisen die Deutschen im Jahr pro Kopf – sondern auch ein Kulturgut. Von Agnes Badener

Die heute bestehenden zahlreichen Sorten sind wohl Kreuzungen aus dem Holzapfel, dem Asiatischen Wildapfel und des Kaukasusapfels. Wann genau diese Wildapfelsorten erstmals gekreuzt und züchterisch bearbeitet wurden, ist nicht bekannt. Sicher ist, dass morgen, wie jedes Jahr am 11. Januar, der Tag des deutschen Apfels ist. Für zwei Menschen in der Region, den Dieburger Lars Wiessner und die Klein-Zimmernerin Franziska Birk, geborene Geibel, haben Äpfel eine ganz besondere Bedeutung. Birk baut zusammen mit ihren Eltern Katharina und Ludwig Geibel die mal grün, gelb, oft rotbäckig daherkommende Frucht an. Wiessner hingegen verarbeitet sie zusammen mit seiner Frau Sabine zu Apfelsaft, der dann meist als Apfelwein endet. Birk lebt von ihren Erzeugnissen – neben dem Hauptprodukt Äpfel produziert die Familie noch viele andere Obstsorten wie Kirschen, Pflaumen, Quitten, Birnen, Erdbeeren, Himbeeren und sogar Kürbisse. Für Wiessner ist die Apfelweinherstellung ein durchaus ernsthaft betriebenes Hobby.

Lars Wiessner schenkt den Apfelwein nicht nur aus, sondern trinkt ihn auch selbst von Herzen gern.

Auch sonst gibt es Unterschiede, Birk setzt eher auf den Hochleistungsapfel, nur er lässt sich gut verkaufen. Wiessner fertigt sein Stöffsche am liebsten aus alten Sorten von Streuobstwiesen. Beide haben Gründe für ihre Auswahl. „Alte Sorten sind oft nicht so ertragreich und auch nicht so lagerfähig“, begründet Birk ihre Zuwendung zu neuen Züchtungen. Für Wiessner steht neben dem Erhalt alter Streuobstwiesen auch die Säure der Äpfel – alte Sorten sind oft saurer – im Vordergrund. „Ich befürchte, dass der diesjährige Apfelwein vielleicht nicht so lange hält, weil die Säure in diesem Jahr fehlt“, sagt er. Durch den Rekordsommer 2018 sind die Äpfel deutlich süßer, was auch Birk bestätigt. Künstliche Zusatzstoffe, wie Milchsäure will Wiessner nicht zusetzen, und den Speierling-Lieferanten – dieser Wildobstbaum liefert sehr saure Früchte – hat er noch nicht gefunden.

Beide hingegen sind vom Wetter abhängig. Für Wiessner, der viel von Privatleuten mit Äpfeln beliefert wird, war es im Jahr 2017 schwierig, überhaupt Äpfel zu bekommen. Im April war der Frost zur Unzeit, also zur Apfelblüte gekommen. Die Folge: Es gab im Sommer und Herbst kaum Äpfel, die geerntet werden konnten. Auch Birk hatte unter dem Frost-einbruch zu leiden, die Geibels schützten aber einen Teil ihrer Obstbauanlage mit der Frostberegnung, die die Blüten schützte. „Aber das war ein großer Arbeitsaufwand“, erinnert sich die junge Obstbaumeisterin, die halbe Familie war in der Nacht unterwegs, um die Blüten und damit die künftigen Äpfel zu retten. Aber es hat sich wenigstens ausgezahlt, die von der Frostberegnung geschützten Flächen brachten später deutlich mehr Ernte als die ungeschützten Bäume.

Viele alte Bembel haben die Gäste Lars Wiessner mitgebracht, die jetzt als Dekoration dienen.

Einen Unterschied gibt es auch bei den Sorten. Wiessner schwört auf Streuobstwiesen und damit in der Regel auf alte Apfelsorten und Hochstämme. Aus diesen dann oft aufgelesenen Äpfeln wurde früher stets der Apfelwein gepresst. „Er schmeckt einfach besser“, ist Wiessner überzeugt. „Ich zahle meinen Lieferanten 50 Prozent mehr als die anderen Obstpresser, weil mir auch der Erhalt der alten Sorten wichtig ist. Und Streuobstwiesen werden nur erhalten, wenn die Besitzer auch ihre Äpfel irgendwo zu einem vernünftigen Preis loswerden.“

Der Obstbaubetrieb Geibel hingegen pflanzt niedrige Hochertragsbäume, 17 Apfelsorten hat er im Sortiment. Damit kann von Juli bis in den Oktober hinein geerntet werden, die verschiedenen Sorten werden zu unterschiedlichen Zeiten reif. „Wir wollen für unsere Kunden ganzjährig unsere Äpfel vorrätig haben“, sagt Birk und dank eines Kühllagers ist dies auch möglich. Niedrige Bäume sind im Erwerbsobstbau gang und gäbe. „Bei hohen Bäumen müssten wir Leitern für den Schnitt und auch die Ernte einsetzen, dabei ist die Unfallgefahr viel zu hoch“, sagt Birk.

Im Hofladen von Obstbau Geibel kann der Kunde auch Apfelsorten probieren, wie Franziska Birk demonstriert.

Rund 20 Jahre stehen die Bäume auf der Obstanlage, dann werden sie wieder ersetzt. Oft wird dieselbe Sorte wieder angepflanzt, Elstar ist zum Beispiel ein Apfel, der gerne und viel gegessen wird. Es werden aber auch neue Sorten ausprobiert, der Wellant ist einer der neuen Stars am Apfelhimmel. „Der ist zwar im Anbau kompliziert und auch krankheitsanfälliger als andere Sorten, aber wenn die Kunden ihn lieben, dann bauen wir ihn auch an“, sagt Birk.

Über Fachzeitschriften, Messen und Seminare sind die Klein-Zimmerner immer auf dem neuesten Stand. Die meisten Produkte werden in den beiden Hofläden in Klein-Zimmern und Darmstadt verkauft.

Sorten sind für Wiessner nicht wichtig. Mit seiner Apfelweinproduktion hat er begonnen, weil es in Dieburg „keinen vernünftigen Apfelwein“ gab. „Ich habe mit 60 Litern begonnen, in diesem Jahr habe ich 3 500 Liter produziert.“ Anfangs hat er ihn mit Nachbarn und Freunden selbst getrunken, doch als es immer mehr wurde, hat er dann den Apfelweinhof eröffnet.

Infos

Der Hofladen in Klein-Zimmern im Brünnchenweg 12 hat montags bis freitags von 8 bis 18.30 Uhr geöffnet, am Samstag von 8 bis 13 Uhr.

obstbau-geibel.de

Im Dieburger Apfelweinhof in der Steinstraße 12 wird im Winter das Stöffsche nur verkauft, und zwar samstags von 10 bis 12 Uhr. Im Sommer ist die Scheune freitags von 17 bis 20 Uhr geöffnet, und Gäste sind willkommen.

apfelweinhof.de

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