In der Arena der Karrieristen

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Torero, Clown, Politiker, Bischof: Rollenspiele, die alles andere als lustig sind. Welcher Kandidat überzeugt die anderen am schnellsten davon, der wertvollste zu sein?

Dieburg ‐ Die Anregung für das Stück ist ebenso real wie viele der Szenen, die jedem, der schon einmal in umfangreichen Personalauswahlverfahren geschmort hat, bekannt vorkommen: Ein spanischer Journalist hatte mehr als 250 Unterlagen von abgelehnten Kandidaten für die Managerposition einer Supermarktkette im Müll gefunden.

Der Autor Jordi Calderan hat daraus seine bissige Realsatire „Die Grönholm-Methode“ konstruiert, die in einer Produktion des Euro-Studios (Leitung Joachim Landgraf) am Donnerstagabend in der Campus-Aula Station gemacht hat. Die Zuschauer erlebten einen temporeichen, wortgewaltigen Kampf der Karrieristen, die sich um den Managerposten balgen. Dabei gehen sie - fast schon buchstäblich - über Leichen. Die durchgestylte Mercedes Degas (Claudia Buser) bleibt auch dann noch bei der Stange, als sie per Handy von der Schwester über den plötzlichen Herztod der Mutter informiert wird. „Meine Mutter hätte es auch so gewollt“, versucht sie ihre nicht minder engagierten männlichen Mitbewerber („Die Quote stimmt, ein Viertel sind Frauen“) von ihrem Standpunkt zu überzeugen.

Aber was heißt hier Mitbewerber? Wer sind die Kandidaten, wer der Spitzel der Personalabteilung? Das ist das Geheimnis, der Dreh- und Angelpunkt des teils claustrophobisch anmutenden Stückes: Alle Vier sollen mittels schriftlicher Anweisungen, die geheimnisvoll durch eine Klappe gereicht werden, herausbekommen, wer der „Verräter“ ist. Verloren hat, wer als erster geht.

Fernando kommt als erster und geht als letzter

Ist es Carlos Bueno (Klaus Nierhoff), der zugibt, sich demnächst geschlechtsumwandeln zu lassen oder der schwitzende, nervöse Enrique Font (Carsten Klemm), der angeblich unter Trennungsdepressionen leidet? Da ist aber auch noch der agile, scharfzüngige Fernando Porta (Luc Feit), der mit seinem dudelnden Laptop als erster kommt und als letzter geht. Und das nicht von ungefähr - um ihn hat sich nämlich alles gedreht: Drei Psychologen der Personalabteilung haben ihre erbarmungslosen Spielchen mit ihm gespielt.

Und dabei hatte er doch die Aufgabe, seine angebliche Mitbewerberin zum Weinen zu bringen, mit Bravour gelöst… .

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