Stattdessen mietet Landkreis Wohnungen in früherer Sammelunterkunft an

Asylbewerber: Nordring-Neubau ist vom Tisch

Die frühere Asylbewerbersammelunterkunft im Nordring 37 soll wieder belebt werden. Das ist die Alternative zum umstrittenen Neubau eines Heims am äußersten Ende des Nordrings. - Foto: sr

Dieburg - Der Neubau einer Sammelunterkunft für Asylbwerber am äußersten Ende des Nordrings ist vom Tisch. Nach massiven Protesten von Anwohnern hat eine Arbeitsgemeinschaft eine Alternative gefunden. Von Lisa Hager

Im Gebäudekomplex Nordring 37 (a, b und c) werden acht Wohnungen für rund 60 Asylbewerber angemietet.

„Die Ecke gilt jetzt schon als sozialer Brennpunkt – und dann sollen wir dazu auch noch ein neues Asylbwerberheim mit 60 Leuten bekommen.“ Die Anwohner, die sich zur Bürgerinitiative Dieburg-Nord (BI) zusammen geschossen haben, führten diese Situation beim ersten Treffen mit Stadt- und Kreisverwaltung Ende September als Argument gegen den Neubau einer Sammelunterkunft in Feldrandlage an. Mit dem massiven Widerstand der Bürger hatte man nicht gerechnet: An sich war alles schon unter Dach und Fach: Der Landkreis wollte auf dem von der Stadt Dieburg gepachteten Grundstück für rund zwei Millionen Euro eine Sammelunterkunft mit 60 Plätzen errichten, die man nach Bedarf auf 80 hätte erweitern können.

Die Ausschreibung lief bereits, da wurde der Stopp vereinbart: Innerhalb von drei Wochen sollte am „Runden Tisch“, bestehend aus Erster Kreisbeigeordneter und Sozialdezernentin Rosemarie Lück, Bürgermeister Dr. Werner Thomas, Münsters Bürgermeister Walter Blank und fünf Vertretern der Bürgeriniative, nach Alternativen gesucht werden.

Die BI hatte dann eine Liste mit rund 30 Vorschlägen vorgelegt. „Aber das ging von Wohnungen, bei denen man nur gesehen hatte, dass keine Gardinen dran waren bis hin zu abbruchreifen Gebäuden“, sagte Lück am Donnerstag bei einer Pressekonferenz im Dieburger Rathaus. Faktisch übrig geblieben ist nur ein Vorschlag: Die Wohnanlage Nordring 35-37c, in der vor einigen Jahrzehnten schon einmal Asylbewerber untergebracht waren. Derzeit leben dort unter anderem anerkannte Flüchtlinge und sozial Schwache.

Warum war diese Idee nicht früher aufgekommen? „Wir wussten faktisch nicht, wer der neue Besitzer ist“, sagte Thomas Koch, Leiter der Abteilung für Zuwanderer und Flüchtlinge des Landkreises. Die Besitzverhältnisse nach dem Konkurs der Firma, die früher darin eine Asylbewerberunterkunft betrieben hatte, waren sehr undurchsichtig. Unter der Rufnummer, die auf einem der Fenster klebte, sei nie jemand zu erreichen gewesen, merkte Koch an. Mitglieder der Bürgeriniative waren es, die den Kontakt herstellten. Derzeit ist ein Immobilienfonds Besitzer der Gebäude.

Etliche der Zwei- bis Fünf-Zimmer-Wohnungen stehen derzeit leer. Fünf davon hat der Landkreis zum 1. November bereits angemietet, weitere acht sollen zum 1. Dezember folgen. Die Quadratmetermieten rangieren zwischen sechs bis sieben Euro.

Zudem ist auch die vormals im Erdgeschoss untergebrachte Kindertagesstätte der Johanniter („Knirpsenland“) – zuletzt gingen noch zehn Kinder dorthin – bereits aufgelöst. Die Kinder sind auf andere Einrichtungen in der Stadt verteilt worden. „Wir haben dadurch nicht nur insgesamt genügend kleinteiligen Wohnraum, sondern auch Platz für Betreuungseinrichtung und ein Büro“, sagte Lück.

Die Wohnungen, von denen fünf bereits bezugsfertig sind, muss der Kreis zudem mit dem nötigen Mobiliar ausstatten. Ob diese Lösung kostent günstiger kommt als der Neubau für zwei Millionen Euro, konnte Lück nicht beantworten: „Das ist zum momentanen Zeitpunkt schwer zu vergleichen.“

„Wir suchen im Übrigen auch ständig kleine Wohnungen für anerkannte Asylbwerber, die keine Unterkunft finden, weil sie oft nicht richtig Deutsch sprechen“, sagte Koch. Etliche dieser Menschen, die bereits dauerhaftes Bleiberecht haben, würden mangels Wohnraum notgedrungen noch in Asylbewerberunterkünften leben. Siehe auch grauen Kasten unten

Kommentare