Auch ohne Streik Stellung bezogen

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Großer Auflauf kleiner Menschen: Mit einer Info-Veranstaltung machten fünf Dieburger Kitas gestern in der Innenstadt auf schlechte Betreuungsbedingungen aufmerksam.

Dieburg - Große Menschenmengen sorgen für Aufmerksamkeit – auch wenn die Menschen, die sich da versammeln, noch sehr klein sind. Diese Tatsache nutzten gestern fünf Dieburger Kindertagesstätten. Von Barbara Hoven

Um auf schlechte Rahmenbedingungen bei der Kinderbetreuung aufmerksam zu machen, trafen sich die katholischen Kindergärten St. Josef, St. Martin und St. Wolfgang sowie das „Kindernest“ und die „Muggelburg“ in der Innenstadt zum bunten Menschenauflauf. „Unser Problem ist, dass die Bedingungen für die Kinderbetreuung sich drastisch verschlechtert haben“, erklärt Juliane Brechtel, Leiterin der Kita St. Josef. „Wenn eine Erzieherin 25 Kinder in einer Gruppe zu betreuen hat, fehlt einfach die Zeit, jedes Einzelne ausreichend zu fördern.“

In den vergangen Wochen waren in zahlreichen deutschen Städten Erzieherinnen kommunaler Kindertagesstätten in Streik getreten, um für bessere Rahmenbedingungen, mehr Geld und eine tarifvertraglich geregelte Gesundheitsvorsorge zu kämpfen. Doch die Probleme sind nach Angaben der Dieburger Kita-Leiterinnen überall die gleichen – egal ob der Träger einer Einrichtung nun die Kommune, die Kirche oder ein privater Träger sei. „Aber weil Dieburg keinen kommunalen Kindergarten hat und so hier nicht gestreikt wurde, sind die Kita-Sorgen in unserer Stadt bisher kaum präsent“,erklärte Christiane Bubach, Leiterin des katholischen Kindergartens St. Martin und treibende Kraft der Info-Veranstaltung.

Mit Hilfe von bunten Flugblättern brachten die Erzieherinnen gestern ihre Forderungen unters Volk. Die Wichtigste: Kleinere Gruppen mit maximal 20 Kindern. Derzeit sind 25 Kinder pro Gruppe normal. Des Weiteren sollten wenigstens zwei Fachkräfte für jede Gruppe zur Verfügung stehen. Zeit für die Vor- und Nachbereitung tue zudem ebenso Not wie sofort verfügbare Vertretungskräfte bei Krankheit, Urlaub oder Fortbildung. „Momentan bekommen wir erst nach sechs Wochen eine Vertretung“,erläutert Bubach. Natürlich spiele zudem die Forderung nach – nicht nur finanziell gesehen – höherer Wertschätzung ihrer Tätigkeit eine Rolle. „Alle sagen: Wir brauchen Kinder, wir lieben Kinder, Kinder sind unsere Zukunft. Nur Geld dürfen sie keins kosten. Das ist das Problem“, so Juliane Brechtel.

Zwar sei eine neue, verbesserte „Verordnung über Mindestvoraussetzungen in Tageseinrichtungen für Kinder“ (Mehr Betreuungspersonal, kleinere Gruppen) von der hessischen Landesregierung bereits beschlossene Sache. Die Änderungen treten zum 1. September 2009 in Kraft. Jedoch wurde den Kommunen für die Umsetzung Zeit bis 2012 eingeräumt. „Wir sind hier, um für eine schnellere Umsetzung zu kämpfen“, so Bubach.

Trotz aller Sorgen hat die gestrige Aktion von fünf der neun Dieburger Kitas die Aufmerksamkeit der Bürger doch auch auf einen schönen Aspekt gerichtet: „Die Zusammenarbeit zwischen den Dieburger Einrichtungen funktioniert vorbildlich“,so Brechtels Resümé.

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