„Im Augenblick ist das Vertrauen nicht da“

Wahlkampf in Dieburg: Merkel kritisiert Autoindustrie

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat in Dieburg erneut die Autoindustrie in die Pflicht genommen.
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Bundeskanzlerin Angela Merkel hat in Dieburg erneut die Autoindustrie in die Pflicht genommen.

Dieburg - „Wir haben in den letzten Monaten keine gute Figur abgegeben in Berlin“: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat bei einer Wahlkampfveranstaltung gestern Abend in Dieburg nicht verhehlt, dass die Große Koalition in Berlin derzeit keine Unterstützung für Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) ist. Von Ralf Enders

Die Kanzlerin redete denn auch lieber gleich über Hessen, das „erfolgreiche Bundesland, auf das wir stolz sein können“, das im Gegensatz zu Berlin einen Flughafen betreiben könne und das wie an der TU Darmstadt „Weltklasse in der Robotik“ sei. Die Kreisklassen-Performance der GroKo – geschenkt. „Sie kriegen noch Gelegenheit, uns eins auszuwischen, aber am Sonntag geht’s um Hessen“, sagte Merkel mit ihrem schelmischen Lächeln, das sie in ihren humorvollen Momenten so gerne aufsetzt.

Etwa 150 Demonstranten gegen die AfD versammelten sich trotz der Absage der Rechtspartei vor der Halle.

Ernst wurde die Kanzlerin dagegen beim Thema Diesel. Ebenso wie Bouffier betonte sie, die Autoindustrie sei bei der Nachrüstung in der Pflicht. In diesem Zusammenhang zog sie Parallelen zur Bankenkrise vor zehn Jahren: „Das war verantwortungslos, das hat Vertrauen zerstört, das nur schwer wieder herzustellen ist. Im Augenblick ist das Vertrauen nicht da.“ Es sei nicht einzusehen, dass die deutschen Konzerne in den USA viel Geld bezahlten, in Deutschland aber „wegen ein paar Hundert Euro ein Riesen-Theater machen“. Sie bekräftigte, dass Frankfurt nach den neuesten Messergebnissen neben Limburg und Darmstadt zu den besonders belasteten Städten in Hessen gehöre und das „gesamte Angebot“ erhalte. Heißt: Hardware-Nachrüstung für private Pkw oder Umrüstung kommunaler Fahrzeuge.

Ansonsten gab sich Merkel in ihrer 25-minütigen Rede durchaus kämpferisch. „Sie stellen am Sonntag die Weichen für ihr Leben“ rief sie den fast 600 Besuchern in der voll besetzten Römerhalle der Kreisstadt zu. Für eine gute Politik in Deutschland müsse auch Hessen gut regiert werden. Mit Blick auf die Dieburgerin und CDU-Mitglied Elisabeth Blank, die gestern ihren 100. Geburtstag feierte und auch in der Halle war, sagte die Kanzlerin: „Frau Blank lehrt uns, niemals zu vergessen, dass das Leben auch anders aussehen kann.“ Es gelte, jeden Tag am Frieden zu arbeiten und dem Hass keine Chance zu geben.

Kanzlerin Merkel zu Besuch in Dieburg: Bilder

Angela Merkel zu Besuch in Dieburg: Die Fotos
Angela Merkel zu Besuch in Dieburg: Die Fotos
Angela Merkel zu Besuch in Dieburg: Die Fotos
Angela Merkel zu Besuch in Dieburg: Die Fotos
Kanzlerin Merkel zu Besuch in Dieburg: Bilder

Der Besuch Merkels und Bouffiers hatte auch einen Großauftrieb an Polizei und Medien in Dieburg ausgelöst. Mehr als 50 Pressevertreter drängelten sich neben Polit-Prominenz und Besuchern im Saal. Rund um die Halle im Zentrum der Stadt blieb es aus polizeilicher Sicht ruhig. Die AfD hatte eine geplante Demonstration gegen Merkel am Wochenende abgesagt. Offiziell mit der Begründung, man befürchte „linke Provokateure“, die in den Reihen der Demonstranten den Hitlergruß zeigen wollten.

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Eine Gegendemonstration des Deutschen Gewerkschaftsbundes, unterstützt von Parteien, Kirchen und Vereinen in Dieburg fand dennoch statt. Etwa 150 Demonstranten versammelten sich vor der Halle, um ihren Unmut über die AfD kundzutun.

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Ohnehin war es der politische „Super-Dienstag“ in Dieburg: Bereits am Nachmittag waren der Bundestagsfraktionschef der Linken, Dietmar Bartsch, und der hessische Spitzenkandidat der Partei, Jan Schalauske, zu einer Kundgebung auf den Marktplatz gekommen.

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