Basting und Co. schließen ihre Praxis

Keine Perspektive mehr im Rochus-Krankenhaus

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Das Hauptgebäude ist schon weitgehend leer. Die Nebengebäude auf dem Rochus-Areal – rechts das Ärztehaus, im Hintergrund das Dialysezentrum und eine Praxis für Physiotherapie – werden in den nächsten Monaten ausbluten.

Dieburg - Der nächste Rückschlag für die medizinische Versorgung in Dieburg: Nach der Schließung des St. Rochus im Sommer 2016 verliert die Stadt Ende Juni 2018 eine weitere Institution. Von Jens Dörr

Das Zentrum für Orthopädie und Chirurgie (ZOC) im Ärztehaus an der Steinstraße, betrieben von den Medizinern Thomas Basting, Frank Pelka und Ingo Saliger, wird Ende Juni 2008 liquidiert. Zugleich naht zur selben Zeit das Aus für das OP-Zentrum der Anästhesiologischen Gemeinschaftspraxis nebenan im Krankenhaus. Noch vor kurzem äußerten sowohl Basting als auch ein Vertreter des OP-Zentrums ihre leise Hoffnung, dass man das ZOC sowie die benachbarte Infrastruktur für Operationen und Eingriffe werde am Leben erhalten können. Schon da sprach Basting aber von „wackeligen Beinen“, auf denen das Ganze stehe (DA vom Samstag). Nur wenige Tage später herrscht Gewissheit: Das ZOC macht dicht, und auch die Tage des seit August 2016 betriebenen OP-Zentrums für ambulante Operationen scheinen gezählt.

Betroffen sind einerseits die Ärzte Basting, Pelka und Saliger, die nach Informationen unserer Zeitung allesamt schon neue Stellen in Aussicht haben, wobei nur einer von ihnen in Dieburg bleiben würde. „Keiner von uns hat schon irgendwo anders was unterschrieben“, sagt Basting zwar, weist aber auch nicht von der Hand, dass dem schon in Kürze so sein könnte. Das Trio hat inzwischen auch seine Belegschaft, die sich auf 9,5 Vollzeitstellen summiert, über das Aus in rund sechs Monaten informiert und erste Kündigungen ausgesprochen.

Nach 27 Jahren selbstständiger Praxistätigkeit an der Steinstraße orientiert sich Chirurg Thomas Basting im Sommer nochmal neu.

Betroffen sein werden andererseits nahezu sicher auch jene Anästhesisten – Dieter Orth, Henk Seker und Karl-Heinrich Fröschl mit ihrem Team –, die noch das OP-Zentrum betreiben. Das OP-Zentrum nutzen neben Basting, Pelka und Saliger auch Gesichtschirurg Ulrich Sack, Hals-Nasen-Ohren-Arzt Klaus Köhler, Darm- und Beckenboden-Chirurg Nosratollah Evazi, die Frauenärzte Theodoros Maltaris und Nadar Nahawi (alle Dieburg), Frauenarzt André Rotmann (Rodgau) sowie die Orthopäden Volker Heist und Joachim Britsch (Reinheim). Sie alle müssen sich ab Juli nächsten Jahres wohl eine neue Infrastruktur für ihre – in der Summe zuletzt jährlich mehr als 1000 – ambulanten Operationen in Dieburg suchen.

Die Gründe für das sichere Aus des ZOC und des wahrscheinlichen für das OP-Zentrum sind die gleichen. „Man hat uns keine Perspektiven für eine Nutzung unserer Praxis sowie des OP-Zentrums nebenan über Juni 2018 hinaus aufgezeigt“, erläutert Basting. Schon seit geraumer Zeit hangele man sich von Jahr zu Jahr. „Besonders meine beiden jüngeren Kollegen, die erst um die 50 sind und Familie haben, brauchen aber einen Plan für die weitere Zukunft“, sagt der 63-jährige Basting, der nunmehr seit 27 Jahren an der Steinstraße praktiziert und selbst in zwei Jahren in den Ruhestand gehen will.

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Genau diese Perspektive eröffnete das Klinikum Darmstadt als Besitzer des Krankenhaus-Komplexes in Dieburg (inklusive der Nachbargebäude wie eben das Ärztehaus) aber weder dem ZOC noch dem OP-Zentrum (siehe Infokasten). „Und aus der Politik haben wir, die hier gern weitergemacht hätten, keinerlei Unterstützung erfahren – weder aus Dieburg, noch vom Kreis, noch aus Darmstadt.“

Obwohl in Dieburg das Krankenhaus-Areal komplett neu entwickelt werden soll –eine Art „Gesundheits-Campus“ mit medizinischen Angeboten sowie Seniorenwohnen – sieht Basting auf die Stadt eine Verschlechterung der Versorgungslage zukommen: „Mein Eindruck ist, dass möglichst viel in Groß-Umstadt konzentriert werden und Dieburg bestenfalls noch ein Medizinisches Versorgungszentrum als eine Art Außenstelle bekommen soll. Das ganze bisherige medizinische Konstrukt in Dieburg wird es so jedenfalls nicht mehr geben.“

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