Stadt und Gastronomen tauschen sich aus

Außenbewirtung nach 22 Uhr?

+
Zu besonderen Anlässen – etwa wie auf dem Foto bei „Dieburg in Blau“ – dürfen Dieburgs Gastronomen (besonders in der Innenstadt) auch nach 22 Uhr noch draußen bewirten. Beschweren sich aber die Nachbarn, ist spätestens um diese Uhrzeit Schluss.

Dieburg - Gastronomen haben – gerade in heißen Sommern wie diesem – mit dem Lärmschutz ab 22 Uhr zu kämpfen. Gemeinsam mit der Stadt wollen sie nun für mehr gegenseitiges Verständnis zwischen Wirten und Anwohnern werben. Von Jens Dörr 

„Das Ganze geht uns langsam an die Substanz“: Ein Gastronom aus der Dieburger Innenstadt hat sich kürzlich nicht nur mit dieser Aussage seinen Frust von der Seele geschrieben. In einer E-Mail, die unserer Zeitung vorliegt, beschreibt er „ein Riesenproblem“, das auch andere Gastwirte im Mittelzentrum immer wieder ansprechen: Gerade in heißen Sommern wie diesem, in denen die Leute gern draußen sitzen, sei es umsatztechnisch eminent wichtig, vor dem eigenen Lokal auch mal ein Stündchen länger bewirten zu dürfen.

Dem steht eine gesetzliche Lärmgrenze von 45 Dezibel gegenüber, die nach 22 Uhr nicht mehr überschritten werden darf – was bereits bei einfachem Gelächter einer Gruppe der Fall sein dürfte. Immer wieder zeigen in Dieburg Anwohner Gastronomen an, wenn um 22 Uhr nicht alle Gäste nach drinnen oder nach Hause gegangen sind. Über die Schwierigkeiten, die mancher mittlerweile als existenzgefährdend bezeichnet, sprachen am Montag im Rathaus Bürgermeister Frank Haus, eine Vertreterin des Ordnungsamts, Evelin Allmann und Detlef Faust vom Vorstand des Gewerbevereins sowie ein Dutzend Dieburger Gastronomen.

Die rein gesetzliche Ausgangslage ist in Hessen laut Frank Haus klar: Werden Gäste nach 22 Uhr noch draußen bewirtet und zeige dies jemand bei der Stadt an, müsse man ordnungstechnisch reagieren. Ohne derlei Anzeigen toleriere man aber auch eine spätere Bewirtung, wenn diese dann ja offenbar auch für die Anwohner akzeptabel sei. Manche Lokale haben mit der Nachbarschaft mehr Probleme, manche weniger. Wobei es stets im Einzelfall zu bewerten wäre, ob die Anwohner zu intolerant sind oder ob es die Gäste lärmtechnisch schlicht übertreiben.

Bei einer Beschwerde im Ordnungsamt, haben zumindest die Gastronomen den Eindruck, sitzen die Anwohner am längeren Hebel. Nicht nur der eingangs zitierte Gastwirt zahlte schon mehrfach saftige Geldstrafen im mittleren dreistelligen Eurobereich. Ein Aderlass, der zu den entgehenden Umsätzen in einer generell längst äußerst herausfordernden, manchmal undankbaren Gastrobranche hinzu kommen. „Mit nur einer Stunde mehr wäre uns geholfen“, betont er. Wobei es rein rechtlich am verschärften Lärmschutz ab 22 Uhr nichts zu rütteln gibt.

Das wissen auch die Gewerbevereins-Vorstände Allmann und Faust, obgleich beide selbst keine Gastronomen, und Rathaus-Chef Haus. Faust formuliert die Hoffnung auf ein besseres Miteinander in Dieburg wie folgt: „Die Gastronomen sind sehr darauf angewiesen, draußen auch mal bis 23 Uhr öffnen zu können. Die Leute gehen ja immer später aus. Deshalb möchten wir die Anwohner bitten, nach 22 Uhr auch mal ein Auge zuzudrücken. Im Gegenzug sollen die Gastronomen noch sensibler darauf achten, dass die Lautstärke im Rahmen bleibt.“

So schützen Sie Ihr Ohr: Die wichtigsten Tipps

Allmann ergänzt, dass viele Gastronomen gar nicht wüssten, wen genau sie in ihrer näheren Umgebung störten. Die Stadt gebe die Namen derjenigen, die sich beschweren, nicht preis. „So können die Wirte leider nicht auf sie zugehen und das Gespräch suchen. Andersherum findet das leider meist auch nicht statt. Da wird statt der persönlichen Beschwerde lieber gleich angezeigt.“ Dabei könne man im Dialog wunderbare, für beide Seiten akzeptable Lösungen finden, sagt sie, und beschreibt den Austausch in einem Fall in der Zuckerstraße, in dem sie selbst vermittelt habe – mit nachhaltigem Erfolg.

Auch Haus kann sich mehr Mediation als Teil der Lösung vorstellen – und hat schon einen möglichen Vermittler im Hinterkopf. „Wir werden den Anwohnern, die sich beschweren, zumindest eine Mediation anbieten.“ Zudem wolle man gemeinsam mit der Gastronomie eine Art „Imagekampagne“ aufziehen, etwa durch Zeitungsveröffentlichungen, die auch für die Lage der Unternehmer sensibilisieren sollen. Denn ständiger (übertriebener) Ärger mit den Nachbarn könne im schlimmsten Fall zur Aufgabe eines Lokals beitragen. „Und das wollen wir nicht. Wir wollen viel lieber ein gutes Miteinander aller Beteiligten und eine lebendige Dieburger Innenstadt.“

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare