Authentisch trifft"s am besten

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Die „Speeslochfinken“: Harmonische Töne mit und für Bürgermeister Dr. Werner Thomas.

Dieburg - „All you need is love“ flöteten die „Speeslochfinken“ zu Beginn ihres Medleys, mit dem sie zusammen mit Bass Dr. Werner Thomas dessen Amtseinführung musikalisch bereicherten. Freundschaftliche Zuneigung bekam das am 27. Von Lisa Hager

März mit 70,7 Prozent der Stimmen wiedergewählte Stadtoberhaupt an diesem Abend im Pater-Delp-Haus zuhauf zu spüren. Manch Festredner - darunter etliche Kollegen aus Nachbargemeinden - nahm den parteilosen Bürgermeister nach getaner Laudatio sogar gerührt in den Arm.

„Authentisch“ war dabei wohl das treffendste Adjektiv, mit dem der 57-Jährige in den vielen Reden beschrieben wurde. Aus vielen Beiträgen sprach auch ein bisschen Neid auf die Thomas" Fähigkeit, beim Bürger „richtig rüber zu kommen“, als „ehrliche Haut“ wahrgenommen zu werden.

Über den grünen Klee gelobt

Sehr freundschaftlich beglückwünschte Erster Stadtrat Wolfgang Schupp (CDU) den Bürgermeister und sicherte ihm eine „sehr gute Zusammenarbeit im Magistrat“ zu. Und UWD-Sprecher Heribert Sürder beispielsweise lobte den Bürgermeister geradezu über den grünen Klee.

Einziger wirklicher Ausreißer in den Lobeshymnen war die Rede von Dr. Albrecht Achilles (FDP), der die vergangenen sechs Jahre als „die schlechtesten seiner 34-jährigen Mitarbeit im Parlament“ beschrieb. Am Schluss wiederum lobte er den Bürgermeister dafür, dass er sich gegen unlautere Methoden der „neuen schwarzgrünen Politik“ wehre, wie am Montagabend in der Stadtverordnetenversammlung geschehen. Dort hatte Herbert Nebel (Grüne), der bei der Amtseinführung „kritische Begleitung“ versprach, den Magistrat in einem Antrag auf die Wiederbesetzung der Bauamtsleiterpostens zu verpflichten versucht. Falls ein derartiger Beschluss, der der hessichen Gemeindeordnung widerspräche, zustande käme, hatte Thomas eine rechtliche Prüfung angedroht. Dass er Krallen zeigte, wirkte: Schließlich wurde nur eine „Empfehlung“ an den Magistrat verabschiedet.

„Die Messlatte hängt sehr hoch“

Krallen und Profil scheint Ferdinand Böhm - der unterlegene Bürgermeisterkandidat der SPD - am wiedergewählten Amtsinhaber zu vermissen. Er sprach die Hoffnung aus, dass es Thomas schaffe möge, „eigenes Profil“ zu entwickeln, sicherte aber zugleich auch partnerschaftliche Zusammenarbeit zu. Die große Mehrheit für Thomas sei ein immenser Vertrauensvorschuss der Bürger, „die Messlatte hängt sehr hoch“, meinte Böhm.

Das Versprechen auf Kooperation gab es auch mehrfach aus Richtung der CDU, die bei dem Festakt doch noch einiges zu verdauen hatte. Schließlich hatte ihr gescheiterter Bürgermeisterkandidat Dr. Harald Schöning an diesem Abend als Stadtverordnetenvorsteher die Aufgabe, dem siegreichen Herausforderer den Amtseid abzunehmen. Der danach ausgetauschte, sehr formelle Händedruck sprach nicht von gegenseitiger Zuneigung.

Eindeutige Wählerwille sei zu respektieren

CDU-Fraktionsvorsitzender Renee Exner erinnerte noch einmal an den Wahlabend, der den Christdemokraten eine herbe Enttäuschung beschert hatte. Da will er gehört haben, dass Thomas ein „Stein vom Herzen fiel“ als er sich der 70-Prozentmarke näherte. Dieser eindeutige Wählerwille sei zu respektieren, meinte er und wünschte dem Bürgermeister den Weitblick, auch stets die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Vorher Gottesdienst

„Suchet der Stadt Bestes“: Dieses Bibelzitat bemühte - als Wunsch für Thomas - nicht nur Exner. Es fiel mehrfach an dem Abend und war auch Motto des ökumenischen Gottesdienstes, der der Amtseinführung in der Stadtpfarrkirche St. Peter und Paul vorausging. Der praktizierende Katholik Thomas - zwar parteilos, aber durchaus als wertkonservativ zu bezeichnen, hätte sich seinen Amtsantritt ohne den Segen Gottes nicht vorstellen können.

Bezeichnend auch sein Wunsch an die Gäste, auf Geschenke zu verzichten und stattdessen eine kleine Spende für die Orgel in der Wallfahrtskirche mitzubringen.

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