Autohaus Spieß in der Krise: Betrieb läuft zunächst weiter

Dieburg - (lho) Dunkle Wolken hingen gestern Morgen nicht nur am Dieburger Himmel, auch über das traditionsreiche Autohaus Spieß mit seinen zwei VW- und Audi-Autohäusern zieht eine Schlechtwetterfront. Das „Autohaus Dieburg Spieß GmbH & Co. KG“ hat am Montag dieser Woche Antrag auf die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beim Amtsgericht Darmstadt gestellt.

Grund für diesen Schritt ist nach Angaben der Unternehmensführung die derzeitige Wirtschafts- und Finanzkrise, die auch die Automobilindustrie mit voller Wucht treffe. So sei unter anderem der Verkauf von Neuwagen stark zurückgegangen. Die erwarteten Zahlen seien nicht mehr erreicht worden, das Autohaus sei in Liquiditätsschwierigkeiten geraten und habe sich gezwungen gesehen, einen Insolvenzantrag zu stellen.

Das Amtsgericht Darmstadt bestellte den Mannheimer Fachanwalt für Insolvenzrecht Marc Schmidt-Thieme von der Kanzlei Hack Hoefer zum vorläufigen Insolvenzverwalter. Er hat seine Arbeit bereits aufgenommen und prüft derzeit, ob die beiden Autohäuser erfolgreich saniert und dauerhaft erhalten werden können. „Momentan sprechen wir dazu mit Gläubigern, Lieferanten und Mitarbeitern“, sagt Schmidt-Thieme. Ein Hoffnungsschimmer am Horizont ergibt sich laut vorläufigem Insolvenzverwalter dadurch, dass, unter anderem durch die „Abwrackprämie“ der Bundesregierung, die Verkaufszahlen für Neu- und Jahreswagen wieder anstiegen. „Deshalb sehen wir die Möglichkeit, dass das Autohaus Spieß erfolgreich saniert werden kann. Entscheidend dafür ist jedoch die Bereitschaft von potenziellen Investoren, dass sie das Unternehmen mit frischem Kapital ausstatten“, so Schmidt-Thieme.

Hoffnungsschimmer

Inzwischen läuft der Betrieb in den beiden Autohäusern in der Groß-Umstädter und der Altheimer Straße wie gewohnt weiter. „Unsere Kunden können sich voll und ganz darauf verlassen, dass wir alle Aufträge auch weiterhin in der gewohnten Qualität bearbeiten und ausführen“, sagt Geschäftsführer Matthias Josef Spieß.

44 Mitarbeiter sind derzeit bei dem Familienunternehmen fest angestellt, für sie sind Löhne und Gehälter bis auf weiteres über das Insolvenzgeld gesichert.

Die Familie Spieß ist bereits seit 77 Jahren im Autogeschäft tätig, seit 1934 vertreibt sie die Marke Audi. Das Unternehmen „Autohaus Dieburg Spieß GmbH & Co. KG“ ist seit mehr als 30 Jahren in Dieburg ansässig. Im Jahr 1986 übernahm die Firma ein ehemaliges BMW-Autohaus in der Altheimer Straße und baute es zum Volkswagen-Autohaus um. Hier findet sich auch ein Karosserie- und Lackierbetrieb für alle vom Autohaus Spieß vertretenen Marken. Im Frühjahr 2003 eröffnete das Unternehmen den Neubau seines Audi-Autohauses in der Groß-Umstädter Straße.

Bis Ende 2007 gehörte auch ein Mercedes-Autohaus an der in Dieburg als „Spieß-Kreuzung“ benannten Schnittstelle zwischen Groß-Umstädter und Aschaffenburger Straße zum Familienunternehmen. Schon damals hatte die Familie Spieß zunächst überlegt, sich von VW und Audi zu trennen. Nachdem diese Pläne scheiterten, weil die Kaufinteressenten im letzten Moment abgesprungen waren, hatte man sich alternativ für den Abschied vom „Sternen-Handel“ entschieden. Rund 16 Millionen Euro Umsatz pro Jahr brachte der Handel mit VW und Audi dem Unternehmen damals noch ein.

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