Bald schnattern die Gänse wieder

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Schnatternde Gänse gehören natürlich auch dazu: Der Stand des Federviehs ist vor allem ein Anziehungspunkt für Kinder.

Dieburg (eha) ‐   Mittelalterliche Wurzeln hat der Martinsmarkt in Dieburg - und das soll auch mit dem mittelalterlichen Treiben, den Ritterspielen und alten Handwerkskünste im Fechenbach-Park deutlich werden. Am kommenden Wochenende werden wieder Tausende von Besuchern in der Stadt erwartet.

Die neue Form des Martinsmarkts feiert in diesem Jahr 25. Geburtstag: Der seit 1986 wieder eingeführte Markt geht in seiner Historie auf das Jahr 1325 zurück. Damals hatte der Erzbischof von Mainz König Ludwig von Bayern gebeten, ihm das Marktrecht zu erteilen.

Marktrecht war im Mittelalter die Erlaubnis, einen ständigen Markt, Wochen- oder Jahrmarkt, abzuhalten. Der dafür bestimmte Platz stand unter Marktfrieden, also einem besonderen Recht und wurde vom Marktherrn, dem König, Bischof oder Fürst, geschützt. Einen Markt abhalten zu können, war ein Privileg. So wurde der Michaelimarkt Ende September 1325 zum 1. Mal abgehalten.

Erlebnisveranstaltung

Die Wichtigkeit der früheren Märkte bestand in ihrer Nahversorgung. Auswärtige Händler boten Ware an, die man vor Ort nicht bekam. Heute hingegen ist eine solche Veranstaltung ein reiner „Erlebnis-Event“. Er ist aber auch mit der Hoffnung verbunden, eine gewisse Nachhaltigkeit zu erzielen und zusätzlichen Umsatz zu generieren. Beim Martinsmarkt verbinden sich mittlerweile Tradition, gesellschaftliches Ereignis und wirtschaftliche Bedeutung gleichermaßen.

Marktöffnungszeiten Freitag, 5. November, 15 bis 21 Uhr; Samstag, 6. November, 10 bis 21 Uhr; Sonntag, 7. November, 11 bis 20 Uhr. Am Sonntag sind die Geschäfte von 13 bis 18 Uhr verkaufsoffen.

Der Gewerbeverein ließ diesen historisch verankerten Markt 1986 wieder aufleben. Begonnen wurde mit 32 Fremdbeschickern. 25 Jahre später sind es rund 130 Aussteller die ihre Waren anbieten. Der Verein selbst hat 13 eigene Verkaufsbuden aus Holz, die er bei Bedarf verleiht. Wichtig ist bei den Ständen auch das äußere Erscheinungsbild. Holzbuden werden im Bedarfsfall bevorzugt. Ebenfalls großen Wert legt man bei der Auswahl des Sortiments auf eine hohe Branchenvielfalt, sowie auf qualitativ abgerundete Artikel.

Besondere Aufmerksamkeit erregt immer wieder der mittelalterliche Markt. Im malerischen Ambiente des angrenzenden Fechenbach-Parks werden alte Handwerksberufe vorgeführt (Schmied, Korbflechter, Goldschmied und vieles mehr).

Schwerter klirren bei den Ritterspielen

Ein absoluter Augenschmaus sind jedes Jahr die Vorführungen der Ritterspiele. Hier kann man, wenn die Schwerter in gekonnter Weise klirren, unter den Zuschauern das ein oder andere Zusammenzucken beobachten.

1987 beteiligten sich erstmals die Freunde aus der Partnerstadt Aubergenville und einige Jahre später stieß die zweite Partnerstadt, Mlada Boleslav, hinzu. Beide Partnerstädte präsentieren verköstigen die Besucher mit einheimischen Spezialitäten, wie Calvados oder Becherovka. Gleichzeitig wird dieser Termin immer wieder für intensive Gespräche genutzt.

Auch heimische Fastnachtsgruppen präsentieren sich auf dem Markt und nutzen die Gelegenheit, ihre Kasse etwas aufzubessern, um sich bei den Fastnachtskostümen das eine oder andere Extra erlauben zu können. Mit von der Partie sind aktuell: Puhlwerm, Trottwaklobber, Prinzengarde und die Dieburger Musikanten. Dabei sind auch Gruppierungen, die sich für soziale Projekte einsetzen: Lions Club, Rotary Club und die Lebenshilfe. Auch die Tierfreunde Dieburg sind mit einem Stand dabei.

Münzprägung und Töpferkunst

Vor dem Venezia-Eiscafé zeigt der bekannte Schafsmaler Hans Peter Murmann Samstag und Sonntag seine Kunst. Eine weitere Besonderheit ist die jährliche Münzprägung. Hier werden markante Motive der Stadt Dieburg in Kupfer, Silber und Gold geprägt. In diesem Jahr wird anlässlich des 25-jährigen Jubiläums eine Martinsmarkt-Münze geprägt, auf der neben der Jubiläumszahl auch das vom Plakat bekannte Riesenrad zu sehen sein wird.

In der angrenzenden Rheingaustraße sind mehrere Töpfereien zusammengeführt, die wiederum ihre Handwerkskunst unter Beweis stellen.

Auch für das Rahmenprogramm ist gesorgt. So steht für die Kleinen ein Riesenrad vor dem Rathaus. Eine weitere Attraktion für Kinder sind Gänse, die während des Marktes ihr Zuhause in einem Gatter haben. Auch der Luftballonwettbewerb, den es seit Anbeginn des Martinsmarktes gibt, erfreut sich immer wieder großer Beliebtheit.

Eröffnung am Freitag, um 15 Uhr

Den Abschluss des Martinsmarktes bildet das ebenfalls seit 25 Jahren stattfindende Konzert am Sonntag um 20 Uhr in der Pfarrkirche St. Peter und Paul. In diesem Jahr gestalten es der gemischte Chor des Gesangvereins Sängerlust und ein Männerchor aus Seligenstadt.

Mittlerweile erfreut sich der Martinsmarkt über ein Einzugsgebiet, das auf der einen Seite bis hinter Frankfurt und auf der anderen Seite weit in den Odenwald greift. Eingebettet ist diese Veranstaltung in eine historisch gewachsene Innenstadt, die zur Fachwerkstraße gehört. Die Vorbereitungen fürs nächste Jahr beginnen immer schon mit dem Ende der dreitägigen Veranstaltung - Motto: „Nach dem Markt ist vor dem Markt“.

Die Eröffnung findet am Freitag, 5. November, um 15 Uhr vor dem Rathaus mit anschließendem Rundgang und Besuch der Stände der Partnerstädte statt. Eingeladen sind Vertreter aus Politik und Wirtschaft sowie natürlich auch alle Marktbesucher.

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